MSV Duisburg kämpft nach Lizenzentzug um Trainer Runjaic und Spieler

Ralf Birkhan
Der MSV will alles versuchen, um Trainer Kosta Runjaic (l.) und die Mannschaft zum Bleiben zu bewegen.
Der MSV will alles versuchen, um Trainer Kosta Runjaic (l.) und die Mannschaft zum Bleiben zu bewegen.
Foto: imago
Nach dem Zwangsabstieg will der MSV nicht nur alles dafür tun, die Lizenz für die Dritte Liga zu erhalten. Nebenbei müssen die Verantwortlichen auch Überzeugungsarbeit bei Coach Kosta Runjaic und der Mannschaft leisten. Aufsichtsrats-Chef Marbach glaubt, zehn bis 15 Spieler halten zu können.

Duisburg. Jürgen Marbach, der neue Aufsichtsrats-Chef des MSV Duisburg, räumte mit einem alten Sprichwort auf. „Es heißt ja, man solle eine Nacht über eine Sache schlafen, und dann würde alles schon ganz anders aussehen“, meinte er. Kurze Pause: „Stimmt nicht. Die Lage ist weiterhin sehr bescheiden.“ Am Morgen nach dem Lizenz-Entzug für die Zweite Fußball-Bundesliga bekämpft der MSV seinen Kater.

Der Verein tut das mit einem offensiven Blick nach vorn. Nach der langen Nacht saß der Vorstand am Donnerstag bereits wieder um neun Uhr in der Duisburger Arena. „Wir werden alles unternehmen, um jetzt die Lizenz für die Dritte Liga zu erhalten“, sagt Marbach.

Die Sofortmaßnahmen dafür sehen so aus: Bereits am Dienstag hatte der Verein beim Deutschen Fußball-Bund vorsorglich den Antrag auf die Drittliga-Lizenz gestellt. Es wird beim DFB ein verkürztes Verfahren geben, da die Saison bereits in wenigen Wochen beginnt. Bis zum 5. Juli hat der MSV nun Zeit, die Bedingungen zu erfüllen.

Vier Millionen Euro Stadionmiete sind zu viel in der Dritten Liga

Zentraler Bestandteil dafür: Die Stadionmiete muss gesenkt werden. Der Verein kann in der Dritten Liga nicht mehr die gut vier Millionen Euro Jahresmiete zahlen, die für Bundesliga-Zeiten vertraglich vereinbart war. „Wir müssen verhandeln“, so Marbach. „Schon am Mittwoch auf der Rückfahrt von der Verhandlung vor dem Schiedsgericht haben wir die ersten Anrufe gemacht.“ Welche Summe kann der Verein in der Dritten Liga stemmen? „Streichen Sie mal eine Null von den vier Millionen weg“, so Marbach.

Thema Mannschaft: In der Nacht nach dem Lizenzentzug ließ sich Marbach von Manager Ivo Grlic nach Hause nach Düsseldorf fahren: „Im Auto war endlich einmal Zeit für ein Gespräch unter vier Augen.“ Grlic kann sich demnach vorstellen, weiter für die Duisburger zu arbeiten. Die nächste Baustelle: Trainer Kosta Runjaic. „Er ist ein Glücksfall für den Verein“, so der Chef des Aufsichtsrates. „Wir werden alles versuchen, um ihn von einer weiteren Arbeit für den MSV zu überzeugen.“ Eine Zusage von Runjaic gibt es bisher allerdings nicht.

MSV will am Montag mit den Spielern reden

Von den Spielern glaubt Marbach, zehn bis 15 auch in der Dritten Liga halten zu können. „Die Jungs verdienen aber mit dem Fußball Geld, es ist ihr Beruf“, weiß er. „Deshalb geben wir uns 72 Stunden, um die Planungen für die Dritte Liga voranzutreiben.“ Wenn der Vorstand am Montag dann „zu 99 Prozent sicher“ sei, die DFB-Vorgaben erfüllen zu können, will der MSV mit seinen Spielern über die Zukunft sprechen. „Wir werden nichts unnötig heraus zögern.“

Am Donnerstag und Freitag hat die Mannschaft trainingsfrei. Marbach ist nicht naiv und sagt: „Es gibt natürlich den Berufsstand der Spielerberater, und die werden rasch ihr Tagwerk beginnen.“

Kirmse: Tiefer als Dritte Liga wäre schlimm

Was passiert, wenn es mit der Lizenz für die Dritte Liga nicht klappt? Dann hat MSV-Präsident Udo Kirmse den Plan B auf dem Tisch liegen: Dieser Plan dreht sich um eine mögliche Insolvenz. Doch Kirmse redet nicht so gerne darüber: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass der MSV tiefer als in der Dritten Liga spielt. Und das dann möglicherweise auch noch unter meiner Führung. Das wäre schlimm, und wir werden alles tun, um das zu verhindern.“

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