MSV Duisburg gelingt die Rettung in letzter Minute - Insolvenz abgewendet

Thomas Kristaniak und Dirk Retzlaff
Dank der Duisburger Spieler an die Fans - inzwischen schuldet man auch zahlreichen Gläubigern ein weiteres Dankeschön.
Dank der Duisburger Spieler an die Fans - inzwischen schuldet man auch zahlreichen Gläubigern ein weiteres Dankeschön.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Der MSV Duisburg schafft in letzter Minute die finanziellen Rahmenbedingungen, um die Lizenz für die neue Saison in der 2. Fußball-Bundesliga zu beantragen - dank frischem Geld vom Vermarkter Sportfive, von Ex-Vereinschef Walter Hellmich und vielen anderen Einzelgläubigern.

Duisburg. Am Donnerstagnachmittag um 15.20 Uhr erhielt die Deutsche Fußball-Liga eine Mail aus Duisburg. Inhalt: die Unterlagen, die Fußball-Zweitligist MSV Duisburg noch beibringen musste, um die Lizenz für die kommende Saison zu erhalten. Zehn Minuten vor dem Ende der von der DFL gesetzten Frist hatte der Verein endlich die Sicherheit, diesen Sendevorgang guten Gewissens einleiten zu können. Nach tagelangem Kampf, um die Finanzlücke von rund drei Millionen Euro schließen zu können, sind die Zebras offenbar gerettet. Wieder einmal bis auf weiteres.

Die Liste jener, bei denen sich Geschäftsführer Roland Kentsch nachher bedanken musste, weil sie einen finanziellen Beitrag zum Gesamtpaket geleistet hatten, ist lang; sie umfasst praktisch alle, bei denen der Klub Verbindlichkeiten aufweist. „Es ist eine Vielzahl von Einzelgläubigern“, so Kentsch, der aber zwei Personen hervorhob: Ex-Vereinschef Walter Hellmich und Gerald Kassner, Geschäftsführer von Stadion-Namenssponsor Schauinsland-Reisen.

Schauinsland steigt nicht aus Sponsorenverträgen aus

Pikant, weil dem Vernehmen nach ein Zerwürfnis zwischen genau jenen beiden zuvor die Rettung gefährdet haben soll. „Betroffen“ sei Kassner über Entscheidungen gewesen, die der MSV getroffen habe, hieß es da laut Andreas Rüttgers, dem ehemaligen MSV-Vorsitzenden und Abteilungsleiter bei Schauinsland. Ein durch weitere Aussagen von Rüttgers vermuteter Ausstieg des Sponsors wurde von Roland Kentsch zurückgewiesen: „Wir haben sehr langfristige Verträge, die nicht infrage gestellt werden. Man sollte jetzt auch nicht anfangen, das Engagement verschiedener Personen gegeneinander aufzuwiegen.“

Wobei es jetzt wohl aber doch Walter Hellmich war, der an der Rettung den finalen Anteil hatte. Er war es nämlich laut Roland Kentsch, der die letzte Lücke im vielzitierten „Delta“ der Finanzierung gestopft hat. Wie er das tat, ließ der Geschäftsführer offen; nach Informationen der Redaktion sprang der Dinslakener Bauunternehmer einmal mehr mit einem Kredit ein.

Verkauf der Marketingrechte an Sportfive

Eine weitere Maßnahme war der Verkauf der Marketingrechte an den Sportrechtevermarkter Sportfive. Erst im Vorjahr hatte der Verein die Rechte von Hellmich Marketing zurückgekauft. Vielsagend ist in diesem Zusammenhang, dass Roland Kentsch auch einen „besonderen Dank“ an Mark Hellmich aussprach. Der Sohn von Walter Hellmich ist der Chef der Marketinggesellschaft; es ist wahrscheinlich, dass er den Weiterverkauf mindestens unterstützt hat.

Dass die Rettung wieder einmal nur eine vorläufige sein kann, weiß auch Roland Kentsch: „Es ist wenig wahrscheinlich, dass wir solch einen Kraftakt im nächsten Jahr noch einmal leisten können.“ Daher will er sich in den kommenden Wochen und Monaten verstärkt um jenes Thema kümmern, das den MSV seit Jahren in die finanzielle Bredouille zwingt: die Miete für die Arena. „Meine Überzeugung ist es, dass ein Stadion ein öffentliches Gut darstellt und in die öffentliche Hand gehört“, spielte Kentsch auf die zuletzt laut gewordenen Überlegungen an, dass die Stadt Duisburg die Arena kauft. Sein Ziel ist daher, „eine nachhaltige Mietreduzierung“ zu erreichen.