MSV-Coach Lettieri sieht sein Team zu Unrecht in der Kritik

Thomas Tartemann und Dirk Retzlaff
Das Bild des lächelnden Gino Lettieri täuscht. Der Duisburger Coach war mit der öffentlichen Wahrnehmung des 2:2 gegen Bielefeld nicht zufrieden.
Das Bild des lächelnden Gino Lettieri täuscht. Der Duisburger Coach war mit der öffentlichen Wahrnehmung des 2:2 gegen Bielefeld nicht zufrieden.
Foto: Fabian Strauch
Trainer Gino Lettieri wehrt sich gegen Darstellungen, dass der MSV gegen Bielefeld schlecht gespielt habe. Einen Schwachpunkt erkannte aber auch er.

Duisburg. Gino Lettieri bremste sich am Mittwoch selbst. Bei der turnusmäßigen Pressekonferenz im Hinblick auf das nächste Meisterschaftsspiel beim Karlsruher SC (Samstag, 13 Uhr, Wildparkstadion und bei uns im Ticker) biss sich der Trainer des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg gehörig auf die Lippe.

„Ich könnte jetzt weit ausholen“, meinte der 48-Jährige, „aber dann heißt es wieder, ich sei arrogant.“ Lettieri ärgerte sich sichtlich darüber, dass das öffentliche Echo auf die Darbietung seiner Mannschaft beim 2:2 gegen Arminia Bielefeld äußerst kritisch ausfiel. Der ehemalige Wehener wies die Feststellung, dass der MSV erst in Überzahl ab der 61. Minute das Heft des Handels in die Hand nahm, energisch zurück: „Wir waren nach Wiederanpfiff sehr stabil, haben kaum Fehler gemacht und sofort angefangen, Druck aufzubauen. Das war nicht erst nach der gelb-roten Karte für die Arminia so.“

MSV-Coach schwankt zwischen angefressen und kämpferisch

Bei seinem Zwischenfazit wechselte Lettieri häufig die Mimik. Mal huschte ihm ein Lächeln über das Gesicht, mal wirkte er ernst und angefressen, dann wieder energisch und kämpferisch. „Ich habe nicht ein gutes Wort gehört“, zeigte sich der Deutsch-Italiener verärgert, „wir machen in der zweiten Halbzeit etwas Gutes – und man hört nur Negatives.“ Der Fußballlehrer sah sogar im ersten Durchgang „fünf, sechs gute Spielzüge.“ Was er aber nicht sah, waren Torabschlüsse.

Beim MSV stand zur Halbzeit die „Null“ in der Chancenstatistik. Bei allem Schutz für sein Team hat auch Lettieri erkannt: „Vor dem gegnerischen Tor muss mehr passieren, da müssen wir mutiger auftreten und in die Position kommen, um abzuschließen.“ Lettieri führte sich die komplette Partie gegen seinen Ex-Klub Bielefeld noch einmal zu Gemüte und schnitt zusammen mit seinem Trainerteam einige Passagen für die Videoanalyse mit den Spielern heraus. „Es ist immer besser, wenn man die Szenen als Bildmaterial zur Verfügung hat, weil man dann ins Detail gehen kann“, so der Coach. Anhand von Einzelgesprächen will er bei seiner Belegschaft Verbesserungen hervorrufen. Lettieri: „Wir schauen uns das dann im Training an, ob die besprochenen Dinge auch umgesetzt werden.“

MSV denkt über weiteren Neuzugang nach

Schon in Karlsruhe muss der MSV unter Beweis stellen, dass der nächste Entwicklungsschritt in der 2. Liga gelingt. Präsentiert sich das Team erneut anfällig in der Defensive und behäbig beim Kreieren von Torchancen, scheint ein erneutes Zugreifen auf dem Transfermarkt nicht ausgeschlossen. Nach Informationen der Sportredaktion haben die Zebras die Fühler nach einem Innenverteidiger ausgestreckt. Ob sich so ein Transfer realisieren lässt, ist die andere Frage. „Wenn vom Verein noch etwas vergraben ist und wir es ausgraben können, warum nicht“, meint Lettieri. Bis Ende August könnte zudem Bewegung in die Personalien Sascha Dum und Matthias Kühne kommen. In beiden Fällen soll es Kontakte zu anderen Klubs geben.