In der Kasse des MSV Duisburg herrscht Ebbe

Dirk Retzlaff
Muss bald Geld auftreiben: MSV-Geschäftsführer Roland Kentsch.
Muss bald Geld auftreiben: MSV-Geschäftsführer Roland Kentsch.
Foto: imago
In der Winterpause wird der MSV Duisburg einen siebenstelligen Betrag aufbringen müssen. Geschäftsführer Roland Kentsch rechnet mit Auflagen der DFL. Die Duisburger hatten bei der Lizenzierung Platz acht angegeben.

Duisburg. Den Sinn für Späße haben sie beim MSV Duisburg trotz der Krise noch nicht verloren. Offiziell 9117 Zuschauer sahen am Samstag das Abschiedsspiel für Ivica Grlic. Das geht beim Fußball-Zweitligisten nun schon seit anderthalb Jahren so. Bis auf zwei Ausnahmen stand am Ende der „amtlichen“ Zuschauerzahl immer eine sieben. Allerdings würde sich Geschäftsführer Roland Kentsch mehr über steigende Besucherzahlen freuen – denn die sportliche Talfahrt reißt ein Loch in die Duisburger Kasse.

In der Winterpause wird der MSV einen siebenstelligen Betrag aufbringen müssen. Kentsch rechnet mit Auflagen der DFL. Die Duisburger hatten bei der Lizenzierung Platz acht angegeben.

„Stadionmiete viel zu hoch“

Nun stehen die Zebras auf dem 16. Platz und im zweiten Lizenzierungsverfahren, das Kentsch als DFL-Funktionär einst selbst verschärft hatte, wird der MSV sich nun etwas einfallen lassen müssen. Nennenswerte Transfererlöse sind mit dem aktuellen Kader jedenfalls nicht zu erzielen.

In der letzten Saison erwirtschaftete der MSV dank der Pokalfinalteilnahme ein Plus von 1,9 Millionen Euro. Ohne Pokal hätte der Klub rote Zahlen geschrieben. Wie Roland Kentsch bei der Veröffentlichung der Bilanz der Spielbetriebsgesellschaft verdeutlichte, drückt den MSV vor allem der Aufwand für das Stadion. Zwar konnte der Verein die Stadionmiete im letzten Jahr um 500.000 Euro senken, zahlt aber immer noch 4,6 Millionen Euro. „Das ist für einen Zweitligisten einfach zu hoch“, so Kentsch.

Machtkampf an der Spitze

Dass derzeit an der Duisburger Vereinsspitze ein Machtkampf tobt, schmeckt Kentsch nicht. „Man wird nicht mehr sexy, wenn man sich streitet“, so Kentsch, der mit einer Imagekampagne neue Geldgeber und Fans gewinnen will.

MSV-Chef Dieter Steffen erhielt unterdessen einen Brief von Aufsichtsratschef Hans-Werner Tomalak mit der Aufforderung, bis zum 25. November einen neuen Kandidaten für den vakanten Vorstandsposten zu benennen. In der vergangenen Woche scheiterte Steffen mit seinem Kandidaten. Der Aufsichtsrat kann mit einer weiteren Ablehnung den MSV-Boss stürzen.