Hellmichs Rückkehr zum MSV Duisburg wäre eine erneute Fehleinschätzung

Dirk Retzlaff
Rechnete in einem Brief mit seinen Nachfolgern ab: Walter Hellmich.
Rechnete in einem Brief mit seinen Nachfolgern ab: Walter Hellmich.
Foto: imago
In einem Brief rechnete Walter Hellmich mit seinen Nachfolgern ab. Die Querelen nach dem Rückzug Hellmichs haben Schaden angerichtet. Aber die aktuelle Schieflage des Vereins geht auch auf Entscheidungen und Ereignisse der Ära Hellmich zurück. Ein Kommentar.

Duisburg. Es war ein Interview mit Walter Hellmich für diese Zeitung im Rohbau der späteren MSV-Arena, als nur noch der Himmel die Grenze für den damals aufstrebenden MSV zu sein schien. Hellmich sprach davon, eines Tages auf Augenhöhe mit dem FC Bayern und dem BVB stehen zu wollen. „Ja sicher, das meine ich ernst“, so Hellmich damals auf Nachfrage. Es ist nur eine der Fehleinschätzungen, die dem MSV später zum Verhängnis werden sollte.

Ohne Hellmich wäre der Profi-Fußball in Duisburg zu Beginn des neuen Jahrtausends schnell tot gewesen. Der Bau der Arena war ebenso notwendig wie die Investitionen in die Mannschaft. Es ist legitim, dabei finanzielle Risiken einzugehen. Es rechtfertigt allerdings nicht, auf lange Sicht den Blick für die Realität zu verlieren.

MSV benötigt ein langfristiges Konzept

Sicher – die Querelen der vergangenen drei Jahre nach dem vermeintlichen Rückzug Hellmichs haben beträchtlichen Schaden angerichtet. Nicht alle Verwerfungen hatten dabei mit der Personalie Hellmich zu tun. Dass der Bauunternehmer seine Nachfolger nun als Totengräber bezeichnet, ist nicht hinnehmbar. Die aktuelle Schieflage des MSV geht auch auf Entscheidungen und Ereignisse der Ära Hellmich zurück: Der – vermeidbare – zweite Bundesliga-Abstieg, der mit einem vergeblichen Kraftakt verbundene Versuch, den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen, und letztlich die unrealistische Stadionfinanzierung, die darauf basierte, dauerhaft in der 1. Bundesliga zu spielen. Fünf Millionen Stadionmiete pro Saison kann kein Zweitligist stemmen.

Das neue Rettungspaket hilft dem MSV wieder nur kurzfristig. Neue und nur aufgeschobene Verbindlichkeiten verlängern das Sterben nur. Der Klub benötigt nicht nur ein langfristiges Konzept, sondern eine abschließende Aufarbeitung der Ära Hellmich. Es gibt nur zwei Wege: Entweder eine Zukunft ohne jeglichen Einfluss des früheren Vorsitzenden – ein entsprechendes Konzept hatte der Vorstand um Udo Kirmse präferiert. Die Alternative wäre eine Rückkehr Hellmichs an die Macht. Das wäre eine erneute Fehleinschätzung.