Ex-MSV-Funktionäre müssen im Kentsch-Prozess aussagen

Die MSV-Delagation vor Verhandlungsbeginn im Gerichtsflur: (von links) Pressesprecher Martin Haltermann, Geschäftsführer Bernd Maas, Rechtsanwalt Frank Nolte und Geschäftsführer Peter Mohnhaupt.
Die MSV-Delagation vor Verhandlungsbeginn im Gerichtsflur: (von links) Pressesprecher Martin Haltermann, Geschäftsführer Bernd Maas, Rechtsanwalt Frank Nolte und Geschäftsführer Peter Mohnhaupt.
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  • Der Rechtsstreit des MSV mit Ex-Geschäftsführer Kentsch geht in die nächste Runde.
  • Das Gericht wird auch den früheren Chef Walter Hellmich als Zeuge laden.
  • Der MSV Duisburg fordert 4,5 Millionen Euro.

Duisburg.. Im Hof des Duisburger Gerichtes war am Donnerstag eine Fußballfahne gehisst – die des Hamburger SV. „Wenn wir hier fertig sind, klagen wir auch dagegen“, scherzte Frank Nolte, Anwalt des MSV Duisburg. Allerdings wird noch viel Zeit ins Land gehen, bis der Rechtsstreit mit Ex-Geschäftsführer Roland Kentsch beendet sein wird. Am Donnerstag ging das Verfahren vor dem Landgericht in die nächste Runde. Spannend wird es aber erst im September: Dann lädt die 1. Kammer für Handelssachen die Protagonisten, die vor drei Jahren am Lizenzdrama des Fußball-Zweitligisten beteiligt waren, in den Zeugenstand.

Dann dürften auch mehr als die beiden Zuschauer, die am Donnerstag die 37-minütige Verhandlung unter Vorsitz von Richterin Antje Reim verfolgten, anwesend sein. Eine illustre Runde wird dann vor dem Gericht erscheinen müssen: unter anderem Ex-MSV-Chef Walter Hellmich, Schauinsland-Boss Gerald Kassner, Vertreter der Gremien und der Sponsoren. Und auch Roland Kentsch selbst, der bei der Verhandlung am Donnerstag fehlte, dürfte dann erstmals persönlich zur Sache Stellung nehmen.

Die Kammer beschäftigt sich mit zwei Klagen. Kentsch klagt gegen seine Kündigung als Geschäftsführer. Und der MSV fordert Schadensersatz in Höhe von 4,5 Millionen Euro für die Lizenzverweigerung. Roland Kentsch hatte vor knapp zwei Jahren in einem Urkundenverfahren Recht erhalten. Die Richterin stellte bei der Kündigung seitens des MSV Formfehler fest. Der Verein will in der neuen Verhandlung nun belegen, dass die Kündigung formal korrekt und auch begründet war. „Wir werden das beweisen können“, so Frank Nolte gegenüber der Redaktion.

Anwalt gewechselt

Nolte war beim Urkundenprozess vor zwei Jahren noch nicht Anwalt des MSV. Nach dem Verfahren entzog der Klub seinem damaligen Anwalt Peter Falk das Mandat und beauftragte Nolte. „Das lief damals suboptimal“, bewertet Nolte das alte Verfahren.

Um Schadensersatzansprüche geltend zu machen, muss der MSV Duisburg vor Gericht beweisen, dass Kentsch seine Pflichten verletzt hat. Von MSV-Seite steht der Vorwurf im Raum, dass Kentsch den Klub nicht zeitnah darüber informiert hat, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den Zebras die Lizenz verweigern würde. Und es geht darum, ob Kentsch in den letzten Stunden vor dem Abgabetermin der Lizenzunterlagen bewusst alternative Finanzierungsmöglichkeiten nicht berücksichtigt hatte.

Verhängnisvolles Darlehen

Bekanntlich ging es am 23. Mai 2013 beim MSV Duisburg drunter und drüber, weil der Zweitligist bis zur letzten Minute sein Lizenzierungspaket schnürte. Unter anderem hatte Hauptsponsor Schauinsland an jenem Tag ein alternatives Finanzierungskonzept angeboten. Der MSV hatte jedoch die Variante, die ein Hellmich-Darlehen beinhaltete, bevorzugt. Dieses Darlehen sollte sich später als Genickbruch für den MSV erweisen. An die Kreditlinie war die Bedingung geknüpft, dass Walter Hellmich Einfluss auf die Besetzung des Aufsichtsrates und des Geschäftsführerpostens haben sollte. Derartige Konstruktionen entsprechen nicht den DFL-Statuten.

Das Landgerichtericht will ab September prüfen, warum Kentsch so gehandelt hat. „Wir werden auch prüfen, ob Alternativkonzepte, etwa von Schauinsland, nicht ebenfalls an Bedingungen geknüpft gewesen wären“, erklärte Richterin Antje Reim.

Wie lange der Rechtsstreit andauern wird, ist noch nicht absehbar, er könnte sich aber mindestens bis ins nächste Jahr ziehen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die unterlegene Partei in die nächste Instanz gehen wird.

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