Dietz ruft Duisburg-Fans nach MSV-Fiasko zum Durchhalten auf - "Wir Zebras geben nicht auf!"

MSV-Legende Dietz fordert die Duisburger auf Flagge zu zeigen: "Wir Zebras geben nicht auf!!!! Zeigt Streifen! Jetzt!"
MSV-Legende Dietz fordert die Duisburger auf Flagge zu zeigen: "Wir Zebras geben nicht auf!!!! Zeigt Streifen! Jetzt!"
Foto: dpa
Ein Verein in Schockstarre. Der Lizenzenzug der DFL hat den Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg schwer getroffen. Der MSV-Vorstand reagiert überrschaft und mit Unverständnis. Derweil ruft die Duisburger Legende Ennatz Dietz die MSV-Anhänger zum Kämpfen auf.

Duisburg. Randalierende Fans, ein schockiertes Idol Bernard Dietz, eine rat- und machtlos abgetauchte Führung und ein Revanchefoul des Vereinspatrons: Die unerwartete Lizenzverweigerung für den Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg hat beim Bundesliga-Gründungsmitglied einen Orkan der Emotionen freigesetzt und die Existenzängste dramatisch verschärft.

Nach einem angeblich dilettantischen Bilanzierungsfehler bei der Einreichung der nachgebesserten Lizenzunterlagen jedenfalls haben die 'Zebras' ihr Schicksal nicht mehr selbst in der Hand: Beim noch möglichen Gang des MSV Duisburg vor das ständige Schiedsgericht kommen lediglich Gründe für die Entscheidung des Lizenzierungsausschusses auf den Prüfstand - und keine neuen Fakten mehr.

Appell von MSV-Legende Dietz an die Fans

'Das ist ein Schock, eine Katastrophe', kommentierte MSV-Ikone Bernard Dietz die Hiobsbotschaft der Deutschen Fußball Liga (DFL). Für Deutschlands erst kürzlich in den Vereinsvorstand berufenen Europameister-Kapitän von 1980 kam die Ablehnung der vorgelegten MSV-Pläne zur Schließung der Finanzierungslücke von 2,5 bis 3 Millionen völlig unerwartet: 'Wir hatten vergangene Woche fest damit gerechnet, dass die eingereichten Unterlagen die Bedingungen erfüllen. Das Geld war schließlich da.'

Die Duisburger Fußball-Legende Bernard Dietz hat die MSV-Fans nach dem Lizenzentzug mit einem eindringlichen Appell zum Durchhalten aufgerufen. "Steht jetzt auf für unseren MSV, nutzt die Chance, die wir noch haben, für die wir gemeinsam alles geben wollen! Hängt eure Fahnen aus den Fenstern, hängt eure MSV-Schals aus den Autos! Zeigt euch und uns, zeigt der Liga und der Stadt und ganz Fußball-Deutschland, dass unser MSV im Profifußball bleiben muss!", teilte Vorstandsmitglied Dietz am Donnerstag auf der Internetseite des Vereins mit. "Wir Zebras geben nicht auf!!!! Zeigt Streifen! Jetzt!", hieß es weiter.

Fan-Krawalle in Duisburg schocken

Von der Entscheidung, dem sportlich geretteten Zweitligisten die Spielberechtigung für die kommende Saison zu verweigern, zeigte sich Dietz ebenso "geschockt" wie von den Fankrawallen am Mittwochabend vor der MSV-Arena. "Verdammt noch mal, zeigt doch jetzt nicht, was ihr nicht wollt, zeigt jetzt, was wir wollen! Wo sind die unglaublichen 20 Minuten von Berlin? Diese vielen Momente in unseren 111 Jahren, in denen wir für Begeisterung gesorgt haben?" Das persönliche Statement zeichnete Dietz mit "euer Ennatz".

Die DFL-Prüfer sahen einstimmig den Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zur neuen Saison nicht erbracht. Dem Vernehmen nach soll ein Darlehen zur Rettung über rund 360.000 Euro in den Unterlagen, die Geschäftsführer Roland Kentsch eigenen Angaben zufolge erst zehn Minuten vor Fristablauf zur DFL gesendet hatte, doppelt aufgeführt gewesen sein. Ein Klubsprecher verwies allerdings auch 'auf Informationen, dass wir die Unterlagen nicht fristgerecht eingereicht hätten'.

Sandhausen würde für den MSV Duisburg nachrücken

Offiziell reagierte der Verein, der laut Kentsch für den Fall des Absturzes in die viertklassige Regionalliga sogar die Insolvenz fürchten muss, mit Unverständnis: 'Der MSV Duisburg ist weiter der festen Überzeugung, die Bedingungen und Auflagen erfüllt zu haben', hieß es in einer Erklärung. Sollte das Schiedsgericht die erste Lizenzverweigerung im deutschen Profi-Fußball seit 13 Jahren (Tennis Borussia Berlin 2000) besiegeln, würde der sportliche Absteiger SV Sandhausen im Unterhaus bleiben.

Für die eingefleischtesten MSV-Anhänger ein unerträgliches Szenario: Wegen Ausschreitungen am Stadion bei spontanen Protesten von etwa 600 Anhängern, die besonders Kentsch sowie den Mäzen und Ex-Präsidenten Walter Hellmich mit Sprechchören attackierten, musste die Polizei mit einem Großaufgebot anrücken und sogar Verstärkung aus dem Umland anfordern. Die Hooligans drangen gewaltsam in die Arena ein, richteten Sachschäden an und brannten Pyrotechnik ab. Bei der Räumung des Stadions brachen 'Handgreiflichkeiten' aus, eine Person wurde festgenommen, sagte ein Polizeisprecher dem SID.

Hellmich spricht von "Supergau"

Kentsch ist seit der DFL-Mitteilung genau wie Präsident Udo Kirmse auf Tauchstation. Hellmich jedoch, der schon im vergangenen Winter in höchster Not mit 600.000 Euro eine Insolvenz abgewendet und auch zur nunmehr scheinbar gescheiterten Rettung nochmals eine halbe Million Euro beigetragen hatte, schob den 'Schwarzen Peter' auf seine Nachfolger in der MSV-Spitze. 'Ich bin entsetzt. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Hätte mir die Führung gesagt, dass sie noch mehr Geld benötigt, dann hätte ich das doch gegeben. Für mich ist das der absolute Supergau', sagte der Bauunternehmer der Bild-Zeitung.

Schon am vergangenen Wochenende hatte Hellmich Kentsch und Co. angegriffen: 'Ich kann nicht akzeptieren, dass der Verein von gewissen Leuten hingerichtet wird', schrieb er in einem öffentlich gewordenen Brief an die Klubgremien, 'der finanzielle, sportliche und gesellschaftliche Niedergang des MSV ist für mich kaum zu ertragen.'

MSV-Profis könnten bei Zwangsabstieg ablösefrei wechseln

Womöglich muss der ganze MSV bald noch mehr aushalten: Durch einen Zwangsabstieg verlören alle Profi-Verträge ihre Gültigkeit, der Verein könnte keine Ablösen kassieren. Die Spieler allerdings verkörpern größtenteils das Duisburger Kapital.

Sandhausen würde unterdessen Duisburgs Platz einnehmen wollen. 'Wir planen ab sofort zweigleisig', sagte Geschäftsführer Otmar Schork, 'denn endgültig ist noch nichts, und bis zum eventuellen Schiedsgerichts-Urteil bleibt es eine Hängepartie.'

Ruhiger Protest der MSV-Fans am Donnerstag vor Stadion

Etwa 1500 Fußballfans des Traditionsvereins MSV Duisburg haben sich am Donnerstag vor dem Stadion an der Margaretenstraße zu einem ruhigen Protest gegen die Clubführung versammelt. Zu Ausschreitungen wie am Vortag kam es nicht. Nach der Lizenzverweigerung für die neue Zweitligasaison bekundeten die MSV-Anhänger ihren Unmut über die Vereinsspitze und das Management unter anderem mit Kerzen, die in Kreuzform aufgestellt waren, und Trauerschleifen, auf denen zu lesen war "Von Generationen gelebt, von Egoisten zerstört". (dpa/sid)

SV Sandhausen plant nach Duisburg-Entscheidung zweigleisig 

Nach dem Lizenzentzug für den MSV Duisburg bereitet sich der eigentlich abgestiegene SV Sandhausen sowohl auf einen Verbleib in der 2. Fußball-Bundesliga als auch die Rückkehr in die 3. Liga vor. Geschäftsführer Otmar Schork erklärte am Donnerstag, dass es für seinen Verein klar sei, "dass wir ab sofort zweigleisig planen werden, denn bis zum eventuellen Schiedsgerichtsurteil bleibt es eine Hängepartie".

Sandhausen steht als Tabellen-17. der zurückliegenden Saison als sportlicher Absteiger fest. Sollte der MSV Duisburg aus finanziellen Gründen wirklich am Grünen Tisch absteigen müssen, könnten die Nordbadener überraschend in der 2. Liga bleiben. Der Lizenzierungsausschuss des Ligaverbandes entschied nach einer Prüfung der MSV-Unterlagen, dass der Traditionsverein die wirtschaftlichen Bedingungen nicht erfülle.

"Diese Entscheidung kam für uns alle am Mittwochabend überraschend", sagte Schork. Trotzdem steht für ihn der Klassenverbleib noch nicht fest. "Denn endgültig ist noch nichts. Zunächst müssen wir abwarten, ob der MSV Duisburg das Schiedsgericht anruft und wenn ja, wie dieses Gremium dann abschließend entscheidet", sagte der Geschäftsführer.