Die Fans des MSV Duisburg hätten eine kompetente Vereinsführung verdient gehabt

Artur vom Stein
Band der Solidarität in Duisburg. Foto: Özcan
Band der Solidarität in Duisburg. Foto: Özcan
Foto: WAZ FotoPool
In Duisburg haben 3500 Menschen ein „Band der Solidarität“ mit dem MSV geschlossen, es war ein friedlicher Protest und die Anhänger haben Sympathiepunkte gesammelt. An dem Lizenzentzug dürfte er kaum etwas ändern. Ein Kommentar.

Duisburg. Man kennt die Bilder, hat sie oft genug gesehen. Fans fackeln ihre Fahnen auf den Tribünen ab, sie verhindern mit Sitzblockaden die Abfahrt des Mannschaftsbusses, sie klettern über Zäune in den Innenbereich der Stadien, jagen Spieler über den Rasen, sie rappeln an Zäunen und pöbeln gegen das eigene Team.

Es ist die hässliche Fratze des Fußballs. Um so schöner also, dass es auch noch Aktionen mit friedlichen Fans gibt, die für ihren Verein auf die Straße gehen, um „ein Band der Solidarität“ zu bieten. Die Fotos aus Duisburg werden bestimmt all’ jene, die den Begriff Menschenkette entspannt interpretieren, als wohltuende Werbung für eine in vielerlei Hinsicht gebeutelte Stadt empfinden.

Friedliche Proteste

Die Botschaft lautet: Protest kann auch friedlich ausfallen. Ob der Protest allerdings in die richtige Richtung geht, ist eine völlig andere Geschichte. Man weiß es nur zu genau: Nicht die Deutsche Fußball Liga hat den MSV Duisburg in die aktuelle Lage gebracht, es waren unrealistische Visionen und schlechtes Vereins-Management - über Jahre hinweg.

Man kann nun finden, dass mehr Klub-Verantwortliche, mehr Spieler, vor allem aber noch mehr Anhänger ihre Solidarität mit den Zebras hätten bekunden müssen. Und gerade bei dieser Frage gelangt man schnell an einen wunden Punkt. Denn in einer Stadt mit einer halben Million Einwohnern, die nur einen einzigen Profiverein im Angebot hat, müsste es eigentlich möglich sein, mehr als durchschnittlich 13 000 Zuschauer zu einem Zweitliga-Heimspiel zu locken.

Zumal sportlich zuletzt eine deutliche Aufwärtstendenz erkennbar war. Und das ist die bittere Ironie an der Geschichte: Ausgerechnet jetzt, da der MSV mit Trainer Kosta Runjaic einen neuen Hoffnungsträger hat und die Mannschaft mehr bietet, als man mit dieser Qualität erwarten muss, kommt die große Keule und schlägt mit einem Lizenzentzug erbarmungslos zu.

DFL hat Sorgfaltspflicht jenen Vereinen gegenüber, die ihre Hausaufgaben machen

Dass sie kommt, daran kann es nach wie vor kaum einen Zweifel geben. Jedenfalls ist kaum anzunehmen, dass das Ständige Schiedsgericht in der Urteils-Begründung einen Formfehler findet. Und ganz nebenbei: Die DFL hat eine Sorgfaltspflicht jenen Vereinen gegenüber, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und denen garantiert werden sollte, dass jeder Klub finanziell potent genug ist, um die Saison schadlos zu überstehen.

Die Anhänger des MSV Duisburg wird das kaum trösten. Sie sind es, die eine kompetente Vereinsführung verdient gehabt hätten – gemeint sind damit vor allem jene Zebra-Fans, die in diesen Tagen auf der Straße ein friedliches Zeichen gesetzt haben.