Der MSV Duisburg steht im Kampf um die Lizenz vor der letzten Hürde

Markus Peters
Die obligatorischen Jubel-Selfies wollen die Zebras auch in der kommenden Saison nach einem Aufstieg knipsen.
Die obligatorischen Jubel-Selfies wollen die Zebras auch in der kommenden Saison nach einem Aufstieg knipsen.
Foto: WAZ FotoPool
Noch fehlen dem MSV Duisburg fast zwei Millionen Euro für die kommende Saison. Schuldenschnitt und Stadionfinanzierung gibt’s nur im Paket mit einer Lizenz für die Dritte Liga. Die Verantwortlichen sind zuversichtlich. Fragen und Antworten zum Kampf des MSV um die Lizenz.

Duisburg. Seit dem Entzug der Lizenz zur Zweiten Fußball-Bundesliga im Mai 2013 kämpft der MSV Duisburg zäh um das Überleben im Profifußball. Einige Etappen hat der Verein erfolgreich absolviert. Erst wurde binnen weniger Wochen die Drittligalizenz gestemmt, dann ist im März endlich eine Lösung der künftigen Stadionfinanzierung und ein Schuldenschnitt verhandelt worden, der die Verbindlichkeiten von über 16 Millionen auf vier Millionen Euro reduzieren soll. Nach Erhalt der Lizenz für die Dritte Liga, versteht sich. Nun steht noch eine Summe von unter zwei Millionen Euro aus, die für die kommende Saison aufgetrieben werden muss. Die soll bis Dienstag eingesammelt werden.

Was muss der MSV Duisburg belegen?

Der Verein muss seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen. Das heißt: Er muss gegenüber dem DFB belegen, dass er in der Lage ist, die finanziellen Verpflichtungen im Laufe der kommenden Saison zu erfüllen. „Dazu ist es nicht erforderlich, dass die entsprechenden Summen schon auf das Vereinskonto eingezahlt worden sind. Unterschriebene Verträge reichen aus“, schildert MSV-Geschäftsführer Bernd Maas.

Warum kalkuliert der Verein mit einem höheren Spieleretat?

Weil der MSV Duisburg seinen Gläubigern einen Sanierungsplan vorgelegt hat. Der sieht vor, nach einem Jahr in der 3. Liga den Aufstieg wieder anzupeilen. Dazu sind nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer der KPMG höhere Investitionen in den Spielerkader notwendig. Die sollen von 2,9 Millionen auf 4,2 Millionen Euro steigen. „Diese Summe hat der DFB schon abgesegnet. Da gibt’s für den Verein jetzt keinen Weg mehr zurück“, machten Vereinsverantwortliche jüngst deutlich .

Warum muss der Aufstieg her?

„Das Gutachten der KPMG sagt klar aus, dass der Profi-Spielbetrieb beim MSV Duisburg auch nach dem Schuldenschnitt wirtschaftlich nur erfolgreich fortgeführt werden kann, wenn er in der Zweiten Bundesliga spielt“, so Maas. Sonst lassen sich die Kosten, die durch das Stadion auch künftig auf den Verein zukommen werden, nicht erwirtschaften. Künftig rund 900 000 Euro Kaltmiete ergeben eine Gesamtbelastung von rund 1,5 Millionen Euro im Jahr. Die sind in der Dritten Liga kaum zu erwirtschaften. Andere Vereine wie zum Beispiel Jahn Regensburg, zahlen zum Beispiel nur die Betriebskosten plus einen symbolischen Betrag. Trotzdem errichtet die Stadt dort derzeit für 53 Millionen Euro ein neues Stadion.

Warum kann das Stadion der dritten Liga nicht finanziert werden?

Während die Auflagen und Kosten in der eingleisigen 3. Liga ähnlich wie in der Zweiten Bundesliga sind, klaffen bei den Einnahmen erhebliche Lücken zwischen den Ligen. Das hängt unter anderem mit den Fernsehrechten zusammen. Kassierten die Zebras in der zweiten Fußball-Bundesliga noch 4,5 Millionen Euro aus Medieneinnahmen, sind es in der dritten Liga rund 700 000 Euro. Ähnlich eklatant sind auch die Unterschiede beim Sponsoring. Der FC St. Pauli hat in der vergangenen Saison 1,3 Millionen Euro für Trikotwerbung eingenommen. Der neue Trikotsponsor des MSV, ein chinesisches Elektronikunternehmen, soll 400 000 Euro pro Saison zahlen.

Was ist mit den Zuschauereinnahmen?

Hier hat der MSV Duisburg in der Dritten Liga keinen Einbruch verzeichnen müssen. 12 598 Zuschauer strömten im Schnitt zu den Heimspielen in der MSV-Arena, davon rund 6000 Zuschauer mit Dauerkarten. Das ist hinter Aufsteiger RB Leipzig der zweitbeste Wert der Liga. Zum Vergleich: In der Zweitligasaison 2012/13 waren es 12 876 pro Spiel. Auch in der neuen Saison können sich die Zebras auf ihre Fans verlassen. „1800 Dauerkarten wurden bisher schon geordert, erheblich mehr als im Mai 2013“, berichtet Maas. Allein durch den Verkauf der Generationenkarte, die 25 Jahre lang gültig und ab 1902 Euro erhältlich ist, hat der Verein schon eine sechsstellige Summe einnehmen können.

Reicht das nicht aus?

Nein. Auch in der laufenden Drittligasaison wird der MSV Duisburg trotz geringerem Spieleretat nach Maas ein Defizit in siebenstelliger Höhe aufweisen. Was unter anderem daran liegt, dass Sparmaßnahmen erst mit Verzögerung greifen. So wurde unter anderem das Personal auf der Geschäftsstelle nach dem Zwangsabstieg um 25 Prozent reduziert.

Was wäre die Alternative zum Aufstieg?

Sollte der MSV Duisburg nicht aufsteigen, müssten die Kosten erheblich gesenkt werden. Das heißt: Weniger Geld für Spieler, weitere Entlassungen und auch das Nachwuchsleistungszentrum stünde zur Disposition.

Was passiert, wenn der MSV die Lizenz für die kommende Drittligasaison nicht erhält?

Das wäre der größte anzunehmende Unfall, weil dann nicht nur die Übernahme des Stadions durch die Stadt gescheitert wäre, sondern auch der vereinbarte Schuldenschnitt hinfällig würde. „Unausweichliche Folge wäre die Insolvenz der ausgelagerten Profitochter MSV Duisburg KgaA“, betonte der Vereinsvorsitzende Ingo Wald jüngst. Da zunächst die Ansprüche der Beschäftigten befriedigt werden müssen, bliebe für die Gläubiger nichts übrig. Ein Neustart in der 5. Liga dürfte wegen der engen Verflechtungen zwischen dem Verein und der Tochtergesellschaft fraglich sein.

Wie konnte der Pokalfinalist 2011 in diese Situation kommen?

Kern des Problems ist die im Jahr 2004 erbaute Arena. Die Kosten für das Stadion betrugen rund fünf Millionen Euro pro Jahr. Diese Summe war in der Zweiten Fußball-Bundesliga nicht zu erwirtschaften. Zum Vergleich: Der 1. FC Köln musste bis zur vergangenen Saison für ein größeres Stadion nur 3,4 Millionen Euro Miete bezahlen. Auch dort funktionierte es in der 2. Liga nicht mehr. Der Betrag wurde zu Beginn der Saison auf 1,8 Millionen Euro abgesenkt. Der MSV Duisburg steht also mit dem Problem der Stadionfinanzierung wahrlich nicht alleine da. Alemannia Aachen ist daran ebenfalls gescheitert.

Wer trägt für diese Fehlkalkulation die Verantwortung?

Letztendlich war es Walter Hellmich, der beim Bau des Stadions auch gegenüber der NRZ stets betont hatte, die Stadionkosten seien auch im Mittelfeld der Zweiten Fußball-Bundesliga zu stemmen. Diese Annahme erwies sich als Trugschluss. Diese Fehleinschätzung wurde nicht rechtzeitig korrigiert und endete dann im Lizenzentzug und Zwangsabstieg.

Wird der MSV auch im kommenden Jahr in der Dritten Liga spielen?

Wenn sich einige Sponsoren noch einen Ruck geben und die Fans mit ihren Aktionen weitermachen, dann sollten die fehlenden Zusagen über rund zwei Millionen Euro bis zum kommenden Dienstag zusammenkommen. Fest steht aber: Auf die Dauer ermüdet der Überlebenskampf auch die hartnäckigsten Anhänger. Viele wichtige Schritte in eine bessere Zukunft hat der MSV Duisburg in der vergangenen Saison schon geschafft. Jetzt muss nur noch eine letzte Hürde genommen werden. Sollte der MSV den Aufstieg schaffen, muss er sich auf Sicht keine Sorgen machen.