Das Wichtigste zum Überlebenskampf des MSV Duisburg

Klaus Wille und Ralf Birkhan
Der Fußball-Zweitligist aus Duisburg muss fünf Millionen Euro besorgen, um die laufenden Kosten der Saison zu decken. Der Fußball-Zweitligist kann möglicherweise die Dezember-Gehälter für seine Profis nicht zahlen. Das Wichtigste zu den MSV-Finanzen.

Duisburg. Die Retter-Party am 14. Dezember kann schon zu spät kommen. Dann wollen sich die Zebra-Fans in der Alten Feuerwehrwache im Stadtteil Hochfeld treffen und Geld für den MSV Duisburg sammeln. Allerdings brennt es bereits heute lichterloh: Der Fußball-Zweitligist kann möglicherweise die Dezember-Gehälter für seine Profis nicht zahlen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den MSV-Finanzen.

Wie hoch sind die Schulden?

Die Verbindlichkeiten des Klubs liegen nach internen Angaben bei rund acht Millionen Euro.

Droht der Lizenzentzug?

Zur Zeit prüft die Deutsche Fußball-Liga im Nachlizenzierungsverfahren die Etats aller Profi-Vereine. Der MSV ist in der ersten Prüfung durchgefallen und konnte keine ausgeglichene Bilanz für den Rest der Saison vorlegen. Strafe: 10 000 Euro. Fällt der Klub auch im laufenden zweiten Nachsitzen durch, beträgt die Strafe 100 000 Euro. Dritter und letzter Prüfungstermin: 15. Januar. Legt der Klub auch dann keinen ausgeglichenen Etat vor, zieht die DFL sofort Punkte ab.

Wie viel Geld fehlt?

Fünf bis sechs Millionen Euro, um die laufenden Kosten wie Spielergehälter und Stadionmiete bis zum Saisonende zu bezahlen.

Woher kommt die Finanzlücke?

Vor der Saison brachen zwei Sponsoren weg. Durch den schlechten Tabellenplatz fehlen Fernsehgelder im sechsstelligen Bereich. Der Klub hat sich zudem aus dem Vertrag der Hellmich-Marketing-Gesellschaft gekauft und muss dafür noch 1,9 Millionen abstottern. Die Stadionkosten liegen bei 4,2 Millionen pro Jahr. Die Zebras haben lernen müssen, dass die Summe in der 2. Liga nicht finanzierbar ist. Mit den gefeuerten Milan Sasic und Oliver Reck und Coach Kosta Runjaic stehen auch drei Trainer auf der Gehaltsliste.

Wie groß ist die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit?

„Sie ist relativ akut“, sagt ein Insider. In dieser Woche ist das Gerücht aufgetaucht, dass der Klub bis zum Donnerstag 2,3 Millionen flüssig machen muss, um die Insolvenz abzuwenden. Allerdings gibt es weder für diese Summe noch für den Termin eine Bestätigung.

Aus seriösen Quellen stammt dagegen die Sorge, dass der Klub die Spieler-Gehälter für Dezember (rund 500 000 Euro), die Ende der Woche fällig werden, nicht zahlen kann. Und das, obwohl die Stadtwerke Duisburg ihre halbjährliche Sponsoren-Rate von 700 000 Euro schon überwiesen haben sollen. Die Summe wäre erst Anfang des Jahres fällig, doch so sollte die Bar-Liquidität bis Weihnachten eigentlich gesichert werden.

Droht der Gang zum Konkursrichter?

Er ist nicht auszuschließen. MSV-Geschäftsführer Roland Kentsch lässt sich angeblich täglich von einem Rechtsanwalt beraten. So will er vermeiden, dass der Vorwurf der Insolvenzverschleppung entstehen könnte. Warnendes Beispiel: Beim Drittligisten Alemannia Aachen ermittelt im Moment genau deshalb der Staatsanwalt.

Gibt es Rettungsmodelle?

Der erste Versuch ist gescheitert. Der frühere Klubchef Walter Hellmich, noch heute mit rund einem Drittel an der Stadionbetriebsgesellschaft beteiligt, hatte ein Millionen-Investment in Aussicht gestellt, dafür aber umfassende Strukturänderungen gefordert. Der Verein fühlte sich zu sehr unter Druck gesetzt und lehnte ab.

Alternativen: wenige. Der MSV sucht Sponsoren für die Neuvermarktung von 14 Werbebanden. Zudem überlegt ein wichtiger Geldgeber, Anteile der Stadiongesellschaft zu erwerben. Viele Hoffnungen, aber vermutlich ein zu geringer Ertrag: Im Erfolgsfall würden nicht einmal zwei Millionen in die Kasse kommen. Letzte Möglichkeit: Spielerverkäufe in der Winterpause. Als Kandidaten gelten Torwart Felix Wiedwald und Mittelfeldspieler Andre Hoffmann.

Gibt es auch im kommenden Jahr in Duisburg noch Profifußball?

Einer der es wissen müsste, klingt resigniert: „Ich weiß es nicht.“ Bleibt noch die Retter-Party in der Feuerwache. Der Eintritt von 5,02 Euro wird den Großbrand aber auch nicht löschen können.