BVB zaubert phasenweise beim MSV Duisburg und gewinnt 6:1

Thomas Tartemann, Dirk Retzlaff und Sandra Goldmann
Auch für die Einlaufkinder war der Auftritt von Borussia Dortmund ein großes und unvergessliches Ereignis. Der Vizemeister siegte am Ende mit 6:1.
Auch für die Einlaufkinder war der Auftritt von Borussia Dortmund ein großes und unvergessliches Ereignis. Der Vizemeister siegte am Ende mit 6:1.
Foto: WAZ FotoPool
Der Vizemeister stand im Stau, der Anpfiff an der Wedau erfolgte deshalb mit 30-minütiger Verspätung. Der BVB ging schon mit einer 5:1-Führung zur Pause in die Kabine. Für den MSV gab es jedoch einen Wermutstropfen: Phil Ofosu-Ayeh schied früh mit einer Muskelverletzung aus.

Duisburg. Das Benefizspiel zwischen dem MSV Duisburg und Borussia Dortmund begann mit Problemen. Der Champions-League-Finalist steckte bei der Anreise zur Schauinslandreisen-Arena im Stau – die Partie musste mit 32-minütiger Verspätung angepfiffen werden. Für einige der spät anreisenden 24 355 Zuschauer war die Verzögerung gut: Sie verpassten kein Kabinettstückchen der phasenweise zaubernden Dortmunder, die das Duell mit 6:1 (5:1) mehr als deutlich gestalteten.

Bereits unmittelbar nach dem Startschuss waren die Borussen hellwach. Pierre-Emerick Aubameyang (8.) und Robert Lewandowski (16.) nutzten die Passivität in der Duisburger Deckung gnadenlos zu zwei Toren. Zu dem Zeitpunkt stand Außenverteidiger Phil Ofosu-Ayeh schon gar nicht mehr auf dem Platz. Nach 360 Sekunden war die Abendschicht für ihn beendet. Bei einem Sprint fasste sich Ofosu-Ayeh an den hinteren Oberschenkel. Nach kurzer Behandlungspause entschied Trainer Karsten Baumann: Auswechseln! Tobias Feisthammel rückte in die Verteidigung, Phil Ofosu-Ayeh humpelte in die Kabine und war so angesäuert, dass er zu seiner Verletzung keinen Kommentar abgeben wollte. Bis zum Pausentee schraubten Henrik Mkhitaryan (37./40.) und erneut Robert Lewandowski (42.) das BVB-Konto auf fünf Treffer. Immerhin gelang MSV-Brecher Kingsley Onuegbu mit einem abgefälschten Schuss, der Schlussmann Mitchell Langerak ins falsche Eck schickte, die 1:5-Kosmetik (45.).

Lewandowski posierte mit Ordnern

In der Halbzeit schlug die Stunde von Michael Gardawski. Duisburgs verletzter Wirbelwind nutzte die Gelegenheit, um sich mit dem ausgewechselten und bereits geduschten Borussen-Star Robert Lewandowski beim Gang Richtung Spielfeld zu unterhalten. Gardawski: „Ich spreche ja auch Polnisch und habe Robert gefragt, ob er mir ein Trikot von sich gibt.“ Der künftige Bayern-Stürmer beantwortete Gardawskis Bitte mit einem zustimmenden Lächeln. Auch sonst gab sich „Lewa“ betont locker, schrieb bereitwillig Autogramme und posierte für Handyfotos mit MSV-Ordnern. Gardawski hätte den persönlichen Kontakt auch gerne auf dem Spielfeld erlebt. „In so einem Spiel will jeder dabei sein. Dass ist schon traurig, wenn man da nur zusehen kann.“ Nach seinem auskurierten Muskelfaserriss, der er sich vor der Winterpause einhandelte, schlug das Pech beim Mittelfeldmann im Trainingslager erneut zu. „Im Test gegen den FC Zürich habe ich mir wieder einen Muskelfaserriss zugezogen. Aber an einer anderen Stelle. Vorher war es am Oberschenkel, jetzt im Adduktorenbereich. Wie lange das dauert, kann ich noch nicht sagen.“

Nach der Pause wechselte Klopp durch

So musste Gardawski sich die Dortmunder Stars von draußen ansehen. „Es ist unglaublich, was die Borussia für eine Qualität auf dem Platz hat. Wenn man die Antritte von einem Pierre-Emerick Aubameyang sieht, dann ist das schon beeindruckend.“

Nach Wiederanpfiff wechselte BVB-Trainer Jürgen Klopp reichlich durch, so dass Dortmunds Dominanz nicht mehr ganz so gravierend ausfiel. Trotzdem gelang Julian Schieber, der am herauslaufenden Michael Ratajczak vorbei ins lange Eck traf (68.), zum 1:6. Somit bestätigte sich die Hoffnung von MSV-Aufsichtsratschef Jürgen Marbach („Gut wäre natürlich, wenn das Ergebnis nicht ganz so happig ausfällt“) nicht. Aber Marbach hatte schon vor dem Anpfiff deutlich gemacht: „Wenn ich mir einen Sieg aussuchen könnte, dann würde ich natürlich den am Samstag in Regensburg nehmen.“ Angesichts des Duisburger Kahlschlags beim Stammpersonal wird der Rückrunden-Wiederbeginn bereits zur äußerst kniffligen Angelegenheit.