Morddrohungen! Für Final-Unglücksrabe Loris Karius hat der Albtraum erst begonnen

Patzte zweimal: Loris Karius vom FC Liverpool.
Patzte zweimal: Loris Karius vom FC Liverpool.
Foto: dpa

Kiew. Nach diesem denkwürdigen Abend gab es für Jürgen Klopp (50) keine Alternative. Frustbewältigung hatte für den deutschen Trainer des FC Liverpool im Anschluss an die 1:3 (0:0)-Niederlage im Champions-League-Finale gegen Real Madrid oberste Priorität.

Die Punkrocker der Toten Hosen veröffentlichten am Sonntag im Internet ein Video, das Klopp mit Sänger Campino, seiner Frau und Freunden zeigt. Es wird ausgelassen gefeiert und gesungen. Den Henkelpott wolle man sich im nächsten Jahr zurückholen.

Klopp lacht. Die große Enttäuschung, die ihm nach dem Schlusspfiff im Olympiastadion in Kiew ins Gesicht geschrieben stand, war für einen Augenblick verflogen.

Slapstick-Tor von Benzema

Mit einer rauschenden Partynacht dürfte es aber nicht getan sein. Zu groß war die Trauer auf Seiten des FC Liverpool. Es war ein Drama in mehreren Akten, das den Engländern im wichtigsten Spiel des europäischen Vereinsfußballs widerfuhr. Klopp hat nach 2013, als er mit dem BVB im Wembley-Stadion den Bayern unterlag, sein zweites Endspiel in der Königsklasse verloren.

Es war seine sechste Final-Niederlage in Folge. Doch keine war wohl für ihn und seine Spieler schmerzvoller. Sie wird Liverpool noch lange beschäftigen. Allen voran Loris Karius (24).

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Der deutsche Torhüter der Reds erlebte den schlimmsten Abend seiner Karriere. Der frühere Mainzer leistete sich zwei grobe Patzer, die Liverpools Traum vom ersten Champions-League-Sieg seit 2005 platzen ließen. Erst warf Karius das ausgestreckte Bein von Karim Benzema an, von wo aus der Ball über die Torlinie trudelte (51.) – ein Slapstick-Treffer.

Nach dem 1:1 durch Sadio Mané (55.) und dem wunderbaren Fallrückzieher von Gareth Bale (64.) flutschte dem Liverpooler Torwart noch ein Distanzschuss des Walisers Bale zum 1:3 (83.) durch die Hände. Ein persönlicher Alptraum. „Ich habe nicht wirklich bis jetzt geschlafen“, schrieb Karius am frühen Sonntagabend bei Twitter. „Die Szenen gehen mir immer noch immer wieder durch meinen Kopf.“

Bereits nach dem Spiel saß der gebürtige Oberschwabe einsam in seinem Strafraum. Tränen flossen ihm über die Wangen, als er nach einigen für ihn endlosen Minuten aufstand. Vor der Fankurve der Reds klopfte er sich immer wieder auf die Brust, nahm die Niederlage auf sich. „Es tut mir leid für jeden, im Team, im Klub, dass diese Fehler uns so teuer zu stehen kamen“, sagte Karius. Der verhaltene Applaus der Fans entschädigte nicht für den Umstand, dass er nach Spielende zunächst von den Real-Stars und nicht von seinen Mitspielern oder Klopp getröstet wurde. Das sagt viel über seinen Stellenwert im Team aus.

Drama um Torjäger Salah

Karius erhielt nach diesem persönlichen Drama immerhin viel Zuspruch aus der Heimat. Seine ehemaliger Klub Mainz 05 und Kollegen wie Nationalspieler Jerome Boateng spendeten ihm Trost. Auch Klopp fühlte später mit ihm mit: „Das wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht. Ganz hart, aber so ist das Leben.“

Umso schwerer war es für Klopp, dass ausgerechnet sein Landsmann, den er vor zwei Jahren aus der Bundesliga auf die Insel lockte und dem er trotz kritischer Stimmen so lange den Rücken stärkte, folgenschwer patzte. Nun muss Klopp entscheiden, ob er seiner Nummer eins auch in Zukunft vertraut. Ob Liverpool einen namhaften Mann oder nur einen Vertreter für Karius verpflichtet, wird davon abhängen, wie schnell der 24-Jährige das Drama von Kiew verarbeitet. Reds-Legende Steven Gerrard prophezeite ihm „einen schweren Sommer“.

Pechvogel Salah verletzt raus

Die Polizei ermittelt nun sogar wegen Morddrohungen gegen Karius in sozialen Netzwerken. Eine Polizeisprecherin sagte dem "Telegraph": "Wir nehmen solche Social-Media-Beiträge sehr ernst. Alle festgestellten Verstöße werden untersucht."

Karius' Trainer Klopp ist nun als Psychologe gefragt. Auch den Star seiner Mannschaft muss Klopp wieder aufbauen. Mohamed Salah war neben Karius der zweite Protagonist in Liverpools Tragödie. Real-Kapitän Sergio Ramos hatte den Ägypter rüde zu Boden gerissen und ihn dabei an der Schulter verletzt. Weinend verließ Englands Fußballer des Jahres in der 30. Minute den Platz. Salah (25) bangt um seine Teilnahme an der WM in Russland, auch wenn der ägyptische Verband am Sonntag von einer Bänderverletzung und nicht von einem Bruch sprach.

Mit Trotz in die Zukunft

Die Aufbauarbeit im Fall Salah dürfte leichter fallen als bei Karius. Der Torschützenkönig der Premier League, 32 Treffer in 36 Spielen, hat sich dank einer fabelhaften Saison in der Weltspitze etabliert. Klopps junge Mannschaft hat ohnehin das Grundgerüst, um auch in den kommenden Jahren im Titelkampf in England sowie Europa mitzumischen. „Wir haben in dieser Saison und auch phasenweise in diesem Endspiel gezeigt, dass wir richtig gut kicken können“, unterstreicht er.

Gut denkbar, dass Klopp und Campino deshalb auch noch einmal aus einen fröhlicheren Anlass gemeinsam werden feiern können.

 

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