Mesut Özil legt gegen den DFB nach und wirft Medien Rassismus vor

Mesut Özil (links) mit Recep Tayyip Erdoğan.
Mesut Özil (links) mit Recep Tayyip Erdoğan.
Foto: Getty Images
  • Mesut Özil hat sein monatelanges Schweigen gebrochen
  • Erstmals reagiert er ausführlich auf die umstrittenen Fotos mit Erdogan

Keine Ausrede, keine Entschuldigung - stattdessen ein klares Bekenntnis: Nach zwei Monaten des Schweigens hat sich Fußball-Nationalspieler Mesut Özil erstmals öffentlich zur Erdogan-Affäre geäußert, und das Foto mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten verteidigt.

„Ob es der türkische oder der deutsche Präsident gewesen wäre, meine Handlungen wären nicht anders gewesen", schrieb Özil in einem Beitrag auf seinen Profilen in den sozialen Netzwerken.

Özil: „Aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes meiner Familie“

Zu seiner Zukunft in der DFB-Elf äußerte sich der 29-Jährige nicht, wohl aber ausführlich zu dem Foto im Mai in London. Er habe sich dazu „aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes meiner Familie" bereit erklärt, das er unabhängig von der Person Erdogan achte: „Für mich hat es keine Rolle gespielt, wer der Präsident war, sondern dass es der Präsident war."

Er verstehe, dass seine Erklärung „vielleicht schwer nachzuvollziehen" sei, fügte Özil an. Aber die Queen oder die englische Premierministerin Theresa May hätten ähnlich gehandelt, als sie Erdogan trafen. "Was auch immer das Ergebnis der letzten Wahlen gewesen wäre, oder der Wahlen davor, ich hätte das Bild trotzdem gemacht", betonte Özil. Er würde es also wieder machen.

Das Foto, das entstand, als Erdogan sich mitten im Wahlkampf befunden hatte, sei weder als politische Botschaft noch als Wahlhilfe zu verstehen gewesen, schrieb Özil analog zu seinem Kollegen Ilkay Gündogan. Dieser hatte sich bereits kurz nach Erscheinen der Bilder geäußert, während Özil bis jetzt schwieg. Das Thema überlagerte damit die WM in Russland mit dem historischen deutschen Vorrunden-Aus.

Özil: Habe zwei Herzen

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit Präsident Reinhard Grindel an der Spitze hatte Anfang Juli gefordert, Özil müsse sich öffentlich zur Sache äußern, "wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt, auch in seinem eigenen Interesse." Dies geschah nun an dem Tag, an dem Özil mit seinem Klub FC Arsenal auf Singapur-Reise ging.

Özil betonte, er habe mit Erdogan, dessen Wege er seit einem ersten Treffen am Rande eines Länderspiels gegen die Türkei im Oktober 2010 in Berlin mehrmals gekreuzt habe, wie bei früheren Begegnungen über Fußball gesprochen. Außerdem verwies er auf seine Wurzeln. „Ich habe zwei Herzen, das eine ist deutsch, das andere türkisch", schrieb er.

Seine Mutter habe ihn stets gelehrt, Respekt zu zeigen und nie zu vergessen, „wo ich herkomme". Hätte er sich geweigert, Erdogan zu treffen, hätte er seine Wurzeln verleugnet, meinte Özil. Er sei sich darüber im Klaren, dass das Treffen in den deutschen Medien hohe Wellen geschlagen habe, ergänzte er, wolle aber nicht als Lügner dastehen. Und: "Mein Beruf ist Fußballer, nicht Politiker."

Das Foto war von Erdogans Partei AKP in Umlauf gebracht worden. Es zeigt den lächelnden Nationalspieler, wie er dem Politiker ein Arsenal-Trikot überreicht. Deutsche Politiker aller Parteien hatten die Aktion kritisiert, teilweise aber auch um Verständnis für Özil geworben. Das Krisenmanagement des DFB in der Sache gilt gemeinhin als gescheitert.

Özil legt nach gegen den DFB und wirft Medien Rassismus vor

Mesut Özil hat im zweiten Teil einer Erklärung zu den umstrittenen Erdogan-Fotos deutsche Medien und einen Sponsor der Fußball-Nationalmannschaft für ihr Verhalten scharf angegriffen. Der 29-Jährige warf „bestimmten deutschen Zeitungen" am Sonntag rechte Propaganda vor, „um ihre politischen Interessen voranzutreiben". Er sei enttäuscht über die "Doppelmoral" in der Berichterstattung über seine Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Den deutschen Medien wirft Özil Rassismus vor. Er werde allein aufgrund seiner Herkunft kritisiert.

Özil schrieb zudem, er sei nach den Bildern von einem DFB-Sponsor nachträglich aus Werbekampagnen entfernt worden. Alle weiteren PR-Aktivitäten, für die er eigentlich vorgesehen gewesen war, seien gestrichen worden. „Für sie war es nicht länger gut, mit mir gesehen zu werden. Sie nannten diese Situation "Krisenmanagement"", ließ Özil wissen, ohne den Namen des Sponsors konkret zu nennen. Özil fragte: „Was hat der DFB zu all dem zu sagen?"

Außerdem kritisierte er den Verband dafür, auf öffentliche Kritik an Rekordnationalspieler Lothar Matthäus verzichtet zu haben, als dieser sich am Rande der WM mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hat fotografieren lassen.

Auch eine geplante Aktion für einen guten Zweck in seiner früheren Schule in Gelsenkirchen sei wegen des Wirbels um die Fotos nicht zustande gekommen. Seine Partner für die Benefiz-Aktion hätten ihm wenige Tage vorher gesagt, derzeit nicht mehr mit ihm arbeiten zu wollen.

Auch von der Schule habe er eine Absage bekommen. „Ganz ehrlich, das tat wirklich weh", schrieb Özil. (sid/dpa)

 
 

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