Mehr als schmückendes Beiwerk

Beim MSV Duisburg kandidiert ein Fan für den Aufsichtsrat. Was für die Zebras ein Novum ist, gibt es bei anderen Vereinen schon länger. Der Marsch von Fans durch die Klub-Institutionen hat eine lange Tradition.

Die Rolle von Fußball-Fans hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports wächst auch der Teil kritischer Anhänger, die sich darüber beklagen, dass Fans im Stadion nur noch als schmückendes Beiwerk betrachtet werden. In Deutschland waren die Anhänger des Hamburger SV die ersten, die sich aktiv und unmittelbar in die Politik ihres Vereins einschalteten.

Im Jahr 1993, als die Bundesliga auf SAT 1 immer bunter und schriller präsentiert wurde als sie es eigentlich war, nahmen Geld und Kommerz immer mehr Platz im Fußball ein. Gleichzeitig entfremdeten sich die Vereine immer weiter von ihrer Basis auf den Stehplätzen. Eine Handvoll Fans des HSV ergriff daraufhin die Initiative und gründete auf Umwegen den HSV Supporters Club als eigenständige Abteilung im Verein.

Inzwischen stellt der Supporters Club mit mehr als 25.000 Mitgliedern mehr als die Hälfte der rund 40.000 HSV-Mitglieder und besitzt einen eigenen Posten im Vorstand des Vereins. Der Einfluss der Fans ist dabei so groß, dass es die Klub-Führung bis heute nicht geschafft hat, den Fußball-Bereich der Hanseaten in eine eigenständige Kapitalgesellschaft auszugliedern – bei einem Verein mit der Umsatzstärke des HSV inzwischen undenkbar.

Ganz anders lief die Gründung der Fanabteilung bei Borussia Dortmund ab. Als es der Borussia am schlechtesten ging und der Verein Ende 2004/Anfang 2005 im „Vorraum der Pathologie“ lag, wie es BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke so gerne formuliert, ergriffen einige schon seit Jahren sehr engagierte aber machtlose Fans die Gelegenheit und gründeten in enger Zusammenarbeit mit dem neuen Präsidenten Reinhard Rauball eine eigene Abteilung im Verein. Die Fan- und Förderabteilung half zunächst dabei, die Fans für die Rettung der Borussia zu mobilisieren. Gleichzeitig sollten die Fans und Mitglieder wieder mehr Einfluss auf die Geschicke des BVB gewinnen. Einer der ersten Schritte der Fanabteilung war die Ausarbeitung einer neuen Vereinssatzung, mit der wieder mehr Demokratie in den BVB kam.

Darüber hinaus arbeitet die BVB-Fanabteilung federführend am Aufbau des Vereinsmuseums „Borusseum“ und kümmert sich um Fanbelange wie Stadionverbote und Auswärtsfahrten.

Vergleichbare Abteilungen gibt es auch bei Eintracht Frankfurt oder etwa beim Lokalrivalen Kickers Offenbach.

Beim MSV ist es der 47-jährige Andreas Peters, der sich im Verein engagieren möchte. Er will unter anderem erreichen, dass sich der Verein verstärkt um seine Basis - die Fans - kümmert. Andreas Peters im Interview.

 
 

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