Lukas Podolski ist sauer wegen Kritik von Oliver Bierhoff

Gregor Derichs
Beim Training in Miami: Lukas Podolski, 108-maliger Nationalspieler.
Beim Training in Miami: Lukas Podolski, 108-maliger Nationalspieler.
Foto: Dennis Grombkowski/Getty Images
Der 108-malige Nationalspieler Lukas Podolski soll die deutsche Auswahl gegen Ecuador anführen. Doch vorher erklärte der Teammanager Oliver Bierhoff öffentlich, dass er im vergangenen Jahr mit dem Offensivmann von Arsenal London nicht zufrieden war.

Miami. Die gute Stimmung war Lukas Podolski versaut worden. Alles war eigentlich so schön, seine erste USA-Reise gefiel dem 27-Jährigen richtig gut. Doch dann kam der Verdruss. Verschwitzt kam Podolski vom Trainingsplatz der Barry University in Miami, und sein Hitzepegel stieg noch weiter an. „Wenn es der Bierhoff so sieht, dann sieht er es so“, sagte er mit gereiztem Unterton. Teammanager Oliver Bierhoff hatte ihm ein paar Stunden vorher die Laune verhagelt mit einer wenig positiven, auf ihn gemünzten Saisonbilanz. „Bei der Nationalmannschaft war es ein Jahr des Stillstandes“, hatte Bierhoff in einem Interview mit dem „Kicker“ erklärt und damit ausschließlich Podolski gemeint.

An diesem Mittwoch (Anstoß 20.30 Uhr deutscher Zeit/live in der ARD und in unserem Ticker) soll Podolski als erfahrenster Spieler mit 108 Länderspielen die junge Mannschaft, die wegen des Fehlens von 16 Stammspielern eigentlich als Deutschland B auflaufen müsste, in Boca Raton gegen Ecuador als „Leitwolf“ führen. Wenn Per Mertesacker, der zuletzt wegen Knöchelproblemen nicht trainieren konnte, ausfällt, wäre „Poldi“ nach acht Jahren in der Nationalelf sogar erstmals bei Spielbeginn der Kapitän. Dennoch bekam er von Bierhoff diesen Denkzettel verpasst.

„Wenn es die letzten Jahre davor immer bergauf ging, dann kann man mal ein Jahr verkraften, wo es ein bisschen stiller ist“, sagte Podolski zu der Kritik, die ihn wie eine Ohrfeige traf. Dann wies er den Teammanager in die Schranken.

Podolski: "Man muss nicht alles diskutieren"

„Ich weiß nicht, ob das Kritik war. Das ist mir auch völlig egal. Ich weiß, was ich an mir habe. Wenn er das so sieht, dann ist das seine Meinung“, sagte Podolski. „Mehr braucht man auch dazu nicht zu sagen. Man muss nicht alles diskutieren.“ Bierhoff hatte auch ein Urteil über Podolskis erstes Jahr in England gegeben, was nicht unbedingt die Aufgabe des DFB-Teammanagers ist: „Es ist toll, dass er sich bei Arsenal einigermaßen durchgesetzt hat. Aber er hat es nicht hundertprozentig bestätigt, weil er sehr häufig ein- und ausgewechselt wurde.“

Der Konflikt ist ein Beispiel dafür, dass die Kommunikationsstrukturen im DFB-Team manchmal recht seltsam sind. Einerseits beklagen Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw in Florida mit großer Verärgerung, dass die USA-Reise in einigen Medien in Frage gestellt wurde. Andererseits geben sie selbst Interviews, um den Spielern ihre Meinung indirekt mitzuteilen.

Während Podolski mit dickem Hals die Aussagen des Teammanagers als Stammtischäußerung herabwürdigte, legte Bierhoff nur wenige Meter entfernt nach. Der Ex-Kölner wurde der Form halber ein bisschen gelobt, aber es wurde dann weiter drauf gehauen. „Ich bin eben ein Freund der klaren Worte. Spieler müssen kritikfähig sein. Sie müssen mit den Tatsachen leben können. Das heißt nicht, dass wir ihm nicht vertrauen, aber seine Entwicklung in der Nationalmannschaft war im letzten Jahr nicht zufriedenstellend.“

Kruse als Stürmer?

Ob Podolski das so offen selbst zu hören bekam, ist fraglich. Wahrscheinlich sollte er mit der Kritik angestachelt werden. Dass erst Andre Schürrle ihm den Platz im linken offensiven Mittelfeld streitig machte, dann Marco Reus an ihm vorbei zog, ist eine Tatsache. Nun drängt auch noch Julian Draxler nach vorne. Aber der Schalker soll gegen Ecuador wohl noch geschont werden. Dem 19-Jährigen wurde letzte Woche eine Metallplatte aus dem Arm entfernt. Gegen die USA am Sonntag in Washington wird Draxlers Stunde dann wohl schlagen.

Da die Angreifer Mario Gomez und Miroslav Klose wie 14 andere Spieler fehlen, wird Max Kruse wohl sein Debüt geben. Der Noch-Freiburger weiß selbst nicht genau, wie er zu der Ehre kommt, freut sich aber verhalten. Vor zwölf Monaten kickte er noch bei St. Pauli in der 2. Liga – nun soll er der Mittelstürmer der Nationalelf sein – die Reise macht es möglich.