„Les bleus“ - ein Haufen Milchgesichter

Die Franzosen sind tief gesunken.
Die Franzosen sind tief gesunken.

Paris. „Une belle equipe” sei das, eine schöne Mannschaft, hat Laurent Blanc gesagt und dabei so unfreundlich geschaut wie ein Pariser Bistro-Kellner. Frankreichs neuer Nationaltrainer sprach nicht von seiner Elf, der kann man so ein Lob derzeit beileibe nicht zuteil werden lassen, er bewertete die von Bosnien-Herzegowina.

Die Franzosen sind nach Sarajevo gereist, am morgigen Dienstag müssen sie dort bestehen. Genauer: sollen sie dort nicht verlieren. Ein Punkt, das war bei Blanc und allen Fußball-Gurus des Landes durch die Blume herauszuhören, wäre schon das Höchste der Gefühle mit diesem verunsicherten Häuflein von Milchgesichtern.

Sarajevo soll also nur kein Waterloo werden, so tief sind die Franzosen gesunken. 0:1 haben sie am Freitag in Paris verloren. Gegen Weißrussland! „Katastrophal”, rüffelte die L’Equipe über die gesamte Breite der Titelseite.

Es war das erste Pflichtspiel unter Blanc, den sie „le president” nennen, weil er die 98er Weltmeistermannschaft als Libero dirigierte. Der erste Test in Norwegen war auch schief gegangen.

Seit sieben Spielen haben die Blauen nicht mehr gewonnen, die Blamage gegen Weißrussland war die vierte in Folge und ist auch noch ein gemeines Deja-vu: Vor zwei Jahren startete Frankreich mit 1:3 gegen Österreich in die WM-Qualifikation und schummelte sich am Ende nur durch ein Handspiel nach Südafrika, wo es zur Lachnummer der Welt verkam.

Davon wollte sich Frankreich am Freitag erholen. Ein fröhlicher Neuanfang war geplant. Blanc hatte an die Bürger appelliert, das WM-Desaster auszublenden und dem neuen Team eine Chance zu geben. Neun Millionen schalteten den Fernseher ein, eine tolle Quote. 76 000 füllten das Stade de France, darunter Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Fahnen wurden verteilt, das Rund war in blau-weiß-rot getaucht. Selbst die Spieler mit Wurzeln in anderen Ländern intonierten lautstark die Marseillaise, Pfiffe gegen die Nationalhymne blieben aus. Lange skandierten die Fans das „Allez la France”.

Mit zunehmender Spieldauer wurde es dann allerdings leiser im Stadion, am Ende gab es Pfiffe und konsternierte Gesichter.

Die Mannschaft war ohne die gesperrten WM-Sündenböcke Ribery (Bayern München), Anelka, Evra und Toulalan angetreten, vorne ohne den angeschlagenen Karim Benzema von Real Madrid.

Es war eine bessere Schülermannschaft, im Schnitt mit 14 Länderspielen auf den zarten Schultern. Allein Florent Malouda von Chelsea benahm sich wie ein gestandener Profi. Der 20jährige M’Vila gefiel noch beim Ballerobern, der kleine Joker Valbuena durch seine Schnelligkeit. Der Rest fiel durch. Bemüht, aber zu harmlos und naiv. Blanc meinte: „Wer sein erstes Länderspiel in dieser Situation im Stade de France in der EM-Qualifikation macht, dem können schon die Beine zittern.”

Die Ernennung des 44jährigen hat der Nationalelf neuen Kredit gegeben. Jetzt müssen die Fans aber noch lernen, dass auch Blanc nicht plötzlich einen Haufen brillanter Fußballer aus dem Hut zaubern kann. „Ich habe keine Leute mit großer internationaler Erfahrung, die ich jetzt nachholen könnte”, meinte der Coach. Keiner solle jetzt Siegesgeheul anstimmen für die Partie gegen die Bosnier, warnt Blanc, das wäre fehl am Platz: „Eine Mannschaft zu formen kann Monate dauern, oder es gelingt nie.”