Ignorierte der niederländische Fußball-Verband Warnungen?

Trauer in Almere: Nach der tödlichen Prügel-Attacke auf einen 41-jährigen Linienrichter gibt es schwere Vorwürfe gegen den Fußball-Verband. Er soll konkrete Warnungen ignoriert haben.
Trauer in Almere: Nach der tödlichen Prügel-Attacke auf einen 41-jährigen Linienrichter gibt es schwere Vorwürfe gegen den Fußball-Verband. Er soll konkrete Warnungen ignoriert haben.
Foto: Getty
Nach der tödlichen Prügel-Attacke auf einen Linienrichter in den Niederlanden gibt es schwere Vorwürfe gegen den Fußball-Verband KNVB. Er habe konkrete Warnungen nach früheren Taten von Spielern des SV Nieuw-Sloten ignoriert, kritisieren ehrenamtliche Helfer. Unterdessen ist die Zahl der mutmaßlichen Täter gestiegen.

Amsterdam.. Ehrenamtliche Helfer anderer Amateur-Fußballklubs erheben nach dem tödlichen Angriff von Jugendlichen auf einen Linienrichter in den Niederlanden schwere Vorwürfe gegen den nationalen Verband KNVB. Dieser habe trotz Warnungen auf frühere Taten von Spielern der A1- und der B1-Mannschaft des SV Nieuw-Sloten nicht hart genug reagiert, obwohl die Schiedsrichter sie in ihren Berichten deutlich beschrieben hätten. Nach dem Spiel von Nieuw-Sloten beim SC Buitenboys in Almere war der 41 Jahre alte Schiedsrichter-Assistent zu Tode geprügelt worden.

Aufgeführte Zeugen seien nach früheren Vorfällen nicht angehört worden, heißt es nun, der KNVB habe nach der Papierlage bestraft. Dabei sollen Spieler der inzwischen vom Spielbetrieb ausgeschlossen B1 von Nieuw-Sloten bereits im Oktober Morddrohungen gegen den Trainer des FC Almere ausgesprochen haben. "Wenn du nicht schon über 50 wärst, würden wir dich totschlagen", sollen sie gesagt haben. Der Mann sei ins Vereinsheim geflüchtet. Die Spieler des FC Almere traten aus Angst nicht zum Rückspiel an.

Fünf statt drei Jugendliche am Totschlag beteiligt

Der Fall bewegt inzwischen auch viele andere Sportler. Die niederländischen Verbände für Schwimmen (KNZB), Volleyball (Nevobo) und Eishockey (NIJB) haben zu einer Schweigeminute am Wochenende aufgerufen. 'Wir sind schockiert und auch wütend, dass ehrenamtliche Helfer bei ihrer Tätigkeit von solch einer Gewalt getroffen werden können. Wir rufen alle Mitglieder auf, respektvoll mit allen ehrenamtlichen Helfern wie Schiedsrichtern und Jury-Mitgliedern umzugehen', erklärte KNZB-Direktor Jan Kossen.

Unterdessen wurde bekannt, dass offenbar mehr Täter am Totschlag des Linienrichters beteiligt waren, als bisher gedacht. Das berichtet die Tageszeitung Telegraaf. Fünf jugendliche Fußballer des Klubs Nieuw-Sloten sollen den 41-Jährigen nach einem Spiel in Almere am Sonntag angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben. Bisher war von drei Tätern im Alter von 15 und 16 Jahren ausgegangen worden. Das Opfer starb am Montag im Krankenhaus.

Drei Jugendliche werden von der Staatsanwaltschaft Amsterdam wegen Totschlags angeklagt. Sie sollen am Donnerstag dem Richter vorgeführt werden. Weitere Verhaftungen wurden noch nicht vorgenommen. (sid)

 
 

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