Guardiola steht beim FC Bayern immer noch am Anfang

Spitzenreiter mit dem FC Bayern: Pep Guardiola.
Spitzenreiter mit dem FC Bayern: Pep Guardiola.
Foto: Patrik Stollarz / afp
Der FC Bayern konnte im Bundesliga-Topspiel beim BVB Mario Götze und Thiago von der Bank nachschieben - und gewann 3:0. Die Konkurrenz muss die Art fürchten, wie die Bayern dieses Spiel gewonnen haben. Denn für Trainer Pep Guardiola ist noch mehr möglich. Ein Kommentar.

Essen. Wenn eine Liebe zerbricht, geht es im Fußball nicht anders als im Leben zu. Irgendwann, wenn die Kraft zum Schimpfen erschöpft ist, wenn man erkennt, wie viel man verloren hat: dann kommt die Stille, dann kommen die Tränen. So ähnlich ist es den Dortmunder Fans am Samstag mit Mario Götze ergangen.

Als Götze ins Spiel der Spiele eingriff, brach ein Orkan an Pfiffen los. Als das ehemalige Kronjuwel des BVB Minuten später zum 1:0 für die Bayern traf und das Wörtchen „ausgerechnet“ durch zigtausend Köpfe spukte, war’s im Stadion still. So, als hätte die Dortmunder Fans die Kraft der Wut verlassen. So, als würden sie jetzt erst spüren, wie groß der Verlust des kleinen Götze ist.

Dabei war sein Treffer nur eine Art Pointe mit der Pike. Was die Konkurrenz der Bayern – und die besteht bei allem Respekt vor Leverkusen eben aus Borussia Dortmund – mehr sorgen muss, ist die Art, wie die Bayern dieses Spiel gewonnen haben.

Ja, der BVB hat die Partie eine Stunde lang offen gehalten, die besseren Chancen eingeschlossen. Aber wie soll man einem Team gewachsen sein, dass einen von allen äußeren Widrigkeiten so völlig unbeeindruckten Kicker wie Mario Götze von der Bank nachschieben kann? Und erst recht den wegen seiner Verletzungspause noch gar nicht richtig ins Bewusstsein gedrungenen, aber grandiosen Fußballer Thiago? Und vielleicht muss man langsam auch ergänzen: Wie einem Team beikommen, dass einen Trainer wie Pep Guardiola auf der Bank sitzen hat?

Guardiola lässt Positionen, Taktik und Stilmittel wechseln

Der Spanier ist jedenfalls dabei, Fragen zu beantworten, die sich vor der Saison viele gestellt haben: Wie gut ist der Bursche wirklich? Wie viel Messi, wie viel Guardiola steckte denn im Zauberfußball Barcelonas? Und kann Guardiola auch Bayern?

Wer in Dortmund gesehen hat, wie der Spanier seine Spieler Positionen, Taktik und Stilmittel wechseln lässt, wer bedenkt, dass Guardiola in München im Grund immer noch am Anfang steht – der bekommt eine Ahnung davon, was dort noch möglich sein kann. Vermutlich geht es der Bundesliga mit Blick auf die Bayern bald wie den Verlassenen mit einer zerbrochenen Liebe: Es wird Tränen geben.

 
 

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