Gomez weg - Löw hätte Sturm-Alternativen ausprobieren müssen

Reinhard Schüssler
Bundestrainer Joachim Löw.
Bundestrainer Joachim Löw.
Foto: Getty Images
Mit dem verletzungsanfälligen Oldie Miroslav Klose und Neuling Kevin Volland stehen nur zwei echte Stürmer im vorläufigen deutschen WM-Aufgebot. Mit seinem Versäumnis, Sturm-Alternativen auszuprobieren, hat sich Joachim Löw angreifbar gemacht. Ein Kommentar.

Essen. Der Bundestrainer spielt auf Zeit. Während sich etwa Brasiliens Coach Luiz Felipe Scolari bereits auf seine 23 WM-Spieler festgelegt hat, schöpft Joachim Löw die Frist bis zur endgültigen Nominierung des Kaders voll aus. Dass er in der Lage sein will, noch auf die allerletzten Trainingseindrücke reagieren zu können, ließe sich positiv auslegen, kann aber auch als Unsicherheit interpretiert werden.

Mario Gomez fiel Löws Kriterien zum Opfer

Löws Kriterien für seine vorläufige Auswahl waren Form und Fitness. Dieser Vorgabe fiel Mario Gomez zum Opfer, nicht aber der 35-jährige Miroslav Klose, obwohl dieser kaum mehr Spielpraxis vorzuweisen hat. Insofern ist die Aussage des Trainers, er habe lediglich bei Sami Khedira eine Ausnahme gemacht, angreifbar. Dass Klose in Brasilien die Erwartungen erfüllt, ist für Löw umso wichtiger, weil er im Vorfeld der WM keine Sturm-Alternativen aufgebaut hat.Ein Versäumnis, das die Chance eines Talentes wie Kevin Volland erhöht, mit allenfalls einem Länderspiel (am nächsten Mittwoch gegen Polen) noch auf den WM-Zug aufzuspringen.

Auffällig: Mit Erik Durm, Skodran Mustafi, Matthias Ginter, Leon Goretzka, Andre Hahn und Max Meyer berief der Bundestrainer technisch hoch begabte Perspektivspieler. Auch wenn diese erste Wahl für die Streichliste sind und damit Löws Zeitspiel als überflüssig entlarven, zeigt ihre Nominierung doch, dass der 54-Jährige auch künftig vorzugsweise mit spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen möchte.

Wie lange Löw dies noch versuchen darf, entscheidet sich in Brasilien. Bestimmt doch im Sport das Ergebnis die Analyse. Soll heißen: Erst bei der WM werden wir erfahren, ob der Bundestrainer die richtigen Spieler beziehungsweise das richtige Konzept gewählt hat.