Xhaka muss zur Pause raus - Gladbach verliert wieder auswärts

Sah wieder Gelb: Gladbachs Kapitän Granit Xhaka.
Sah wieder Gelb: Gladbachs Kapitän Granit Xhaka.
Foto: imago
Mönchengladbachs Trainer André Schubert nahm Granit Xhaka in der Halbzeit aus dem Spiel. Ohne den Schweizer verlor Gladbach 0:1 in Ingolstadt.

Ingolstadt. Als einziger der in grasgrün gedressten Fußballprofis hatte Granit Xhaka am Samstagabend das Flugzeug in München mit einer Wollmütze auf dem Schopf betreten. Borussia Mönchengladbachs Kapitän suggerierte allen Anwesenden auf dem Weg nach Düsseldorf gestrengen Blickes damit dies: Bitte nicht ansprechen!

Den Schweizer wurmte nicht nur die verdiente, schmerzhafte 0:1 (0:0)-Schlappe beim Fußball-Bundesliga-Neuling FC Ingolstadt. Auch nicht ausschließlich das Gegentor. Erzielt in der 88. Minute durch Moritz Hartmann. Nein, Xhaka machte sich ausgiebig Gedanken darüber, warum ihn Cheftrainer André Schubert schon in der Halbzeit wegen einer lumpigen Gelben Karte aus dem Spiel genommen hatte.

Der Tausch gegen Innenverteidiger Tony Jantschke war für Schubert in der Kabine offenbar auch eine Frage des Vertrauens in den eigenen Kapitän. Nach gleich drei Feldverweisen in der Hinserie hatte Mittelfeldlenker Xhaka eine Menge Munition geliefert, die die eigenen starken Leistungen auf dem Rasen torpediert hatte.

Granit Xhaka fehlt Gladbach in Hannover

Seit der Winterpause allerdings hatte der Schweizer WM-Starter seine Nerven und das zweifelsohne vorhandene Heißblut gut unter Kontrolle. Doch seine unbeherrschten Aktionen im Hinspiel gegen Ingolstadt (0:0) und auch im Heimmatch gegen Darmstadt (3:2) kurz vor Weihnachten wirkten bei Trainer Schubert und Sportdirektor Max Eberl nach. Beide erklärten in Ingolstadt nach der neunten Auswärtsenttäuschung in Serie unisono: „Es war absolut in Ordnung, Granit in der Halbzeit rauszunehmen.“

Ursprung des Vertrauenszweifels am Samstag war Xhakas Ellenbogeneinsatz im Luftzweikampf mit dem Schanzer Paraguayer Dario Lezcano. Folge: fünfte Gelbe Karte, automatische Sperre beim Freitagspiel in Hannover – und eine aufgebrachte Ingolstädter Bank. FCI-Trainer Ralph Hasenhüttl und die Seinen führten den Teufelstanz ob einer vermeintlichen Tätlichkeit auf. Erinnerungen an das von Aggressionen durchsetzte Hinspiel blitzten auf. Auch wenn bis dahin Provokationen wie beim 0:0 Anfang November kein Thema waren.

Die Szene überzeugte Trainer Schubert zehn Minuten später in der Kabine davon, seinen Kapitän vor einem möglichen vierten Platzverweis in dieser Saison zu bewahren. „Darüber ärgere ich mich genauso wie Granit“, versicherte Schubert, „wenn er nicht spielt, fehlt er uns sehr.“ Wohl wahr.

Doch Schubert mochte aus dem Personaltausch nicht den Grund für die neuerliche Auswärtspleite drehen: „Wir haben zu viel kreuz und quer gespielt und waren zu langsam. Auch unser Zweikampfverhalten war nicht so, wie es hätte sein sollen.“

Was Gladbach-Sportdirektor Eberl tierisch freuen würde

Hier unterschied sich Schuberts Sicht auffällig von der Eberls. Der befand: „Wir haben überragend dagegengehalten, Moral bewiesen, aber keinen Lohn erhalten.“ Für den nächsten Reiseauftritt am Freitag beim Schlusslicht in Hannover wünschte sich Borussias Sportdirektor nur dies: „Über ein Schweinespiel, das wir mal 1:0 gewinnen, würde ich mich tierisch freuen.“

Seiner Ingolstädter Startelf wird Trainer Schubert dann allein wegen Xhakas Gelb-Sperre nicht das Vertrauen schenken können. Nach dem Auslaufen am Sonntagvormittag am Borussia-Park stand Granit Xhaka, sonst nach Spielen stets ein Muster der Meinungsfreudigkeit, für ein Statement parat. Verspätet, aber immerhin. „Ich habe Verständnis für die Auswechslung“, erklärte der Kapitän. Ob die Aussage von Herzen kam, darüber ließ sich freilich nur spekulieren.

 
 

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