Werder Bremen wirft Mönchengladbach aus dem DFB-Pokal

Andreas Morbach
Torschütze für Werder Bremen: Claudio Pizarro (Mitte).
Torschütze für Werder Bremen: Claudio Pizarro (Mitte).
Foto: Getty Images
Überraschendes Pokal-Aus für Mönchengladbach: Die Borussia verlor das Achtelfinal-Spiel gegen Werder Bremen nach einer 1:0-Führung noch mit 3:4.

Bremen. Zur Einstimmung auf das Pokalspiel gegen Bremen gab es für die Zuschauer im Borussia-Park das ultimative Pflichtprogramm aus der Dose: Auf den Anzeigetafeln liefen die Szenen vom 5:4-Halbfinalthriller zwischen diesen beiden Kontrahenten vom 1. Mai 1984. Und zur Feier des Gedenktages erschien eine Viertelstunde vor Anpfiff der inzwischen ergraute Hans-Jörg Criens – vor 31 Jahren Schütze des entscheidenden, in der technischen Ausführung sehr speziellen Treffers für Borussia Mönchengladbach. Um in dem Cup-Drama einen Finalisten zu finden, brauchte es damals eine Verlängerung. Diesmal ging es ohne – und Bremen stand beim 4:3 nach turbulenten 90 Minuten als Überraschungsviertelfinalist da.

Lars Stindl brachte Mönchengladbach in Führung

Gegen die zuletzt körperlich und geistig schwächelnden Gastgeber fand Werder den besseren Start in die Partie. Mit den entschlossen und früh attackierenden Innenverteidigern Jannik Vestergaard und Assani Lukimya im Rücken, kombinierte sich das offensiv ausgerichtete Team von Viktor Skripnik nach zehn Minuten erstmals aussichtsreich vors gegnerische Tor – wo Schlussmann Yann Sommer hintereinander gegen Claudio Pizarro und Theodor Gebre Selassie klären musste. Kaum hatte sich der Schweizer wieder in seinem Strafraum positioniert, zischte auch schon ein Fernschuss von Werder-Kapitän Clemens Fritz wenige Zentimeter am Tor vorbei.

Aber auch die Hanseaten offenbarten eine ordentliche Portion Sorglosigkeit: Nach einem Aussetzer in der Bremer Abwehr zog der Brasilianer Raffael auf und davon, schaufelte den Ball im Auge-in-Auge-Duell mit Felix Wiedwald aber halbhoch und halbstark an den Körper des Gästekeepers (14.). Nach dem munteren Auftakt verging dann eine Viertelstunde bis zur nächsten Torgelegenheit – mit dem gewünschten Ausgang für Gladbach.

Bei eigenem Einwurf waren die Niederrheinischen auf zack, passten den Ball über Mahmoud Dahoud und Thorgan Hazard auf Lars Stindl, der per Flachschuss zum 1:0 traf (32.). Zwei Minuten später verpassten Dahoud und Fabian Johnson bei einem unsauber ausgespielten Konter das 2:0. Ein Versäumnis, dass sich ebenso rächen sollte wie Raffaels vergebene Chance kurz vor der Pause.

Bremen nutzte die Halbzeit, um sich zu sammeln. Sechs Minuten nach Wiederbeginn traf Linksverteidiger Janek Sternberg von der Strafraumgrenze zum Ausgleich. Die Fans aus der Hansestadt erwachten aus ihrem Halbdämmer – und banden wenig später einen Dankeskranz für Hazard, der aus exzellenter Position nur den Pfosten traf. Das Glück lächelte den Norddeutschen zu – die sich nicht zwei Mal bitten ließen.

Vier Gegentore für Gladbach in 26 Minuten

Im Gegenzug zu Hazards Aluminiumtreffer drehte Florian Grillitsch einen Freistoß aus sehr schrägem Winkel aufs Tor. Mit einem mächtigen Satz konnte Sommer das Spielgerät noch an den Innenpfosten befördern. Doch von dort sprang der Ball zurück in den Fünfmeterraum, wo Vestergaard am schnellsten reagierte und Werder in Führung schoss (58.).

Der Pokalfight tobte nun endgültig hin und her, fast wie 1984. Zunächst traf der eingewechselte Branimir Hrgota nach feinem Pass von Raffael zum 2:2 (73.). Doch dann schoss das Sturmduo Pizarro und Anthony Ujah Werder binnen drei Minuten ins Viertelfinale. Die Bremer Fans sangen: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ – und störten sich auch an Hrgotas Anschlusstor in der Nachspielzeit nicht.