Warum Gladbachs Kruse nicht wegen des Geldes nach Wolfsburg geht

Stürmer Max Kruse will bis zum Schluss für Gladbach alles geben.
Stürmer Max Kruse will bis zum Schluss für Gladbach alles geben.
Foto: imago
Max Kruse hat erstmals öffentlich über seine Entscheidung gesprochen, von Gladbach nach Wolfsburg zu wechseln. Dort sieht er die bessere Perspektive – auch für seine Nationalmannschaftskarriere.

Mönchengladbach.. In den freien Tagen nach dem 3:0-Erfolg gegen Bayer Leverkusen war Stürmer Max Kruse in seiner Heimat Hamburg, übergab dem Projekt "Spielmacher Harburg 25.000 Euro, die er bei Stefan Raabs Pokernacht gewonnen hatte. „Heute habe ich versucht den freien Tag sinnvoll zu nutzen“, schrieb Kruse auf seiner Facebook-Seite. Vielleicht schaute der Angreifer auch noch kurz bei seinem neuen Klub in Wolfburg vorbei. Nach dem ersten Training in dieser Woche in Mönchengladbach äußerte sich der 27-Jährige erstmals über seinen Wechsel nach Niedersachsen.

Herr Kruse, was war ausschlaggebend für einen Wechsel von Gladbach nach Wolfsburg?

Max Kruse: Es gibt viele verschiedene Faktoren, die ich in meine Entscheidung berücksichtigt habt. Ich habe mir genug Gedanken machen können und für die nächsten Jahre betrachtet, sehe ich Wolfsburg noch einen Schritt vor Borussia Mönchengladbach. Ich gucke ja auch immer auf die Perspektive. Ich glaube, die ist in Gladbach auch gut, aber ich will in den nächsten Jahren Champions League spielen und das wird in Wolfsburg der Fall sein.

Haben Sie die Diskussionen und Gerüchte im Vorfeld gestört?

Kruse: Die Diskussionen in den vergangenen Wochen waren für mich unwichtig. Ich habe weiter versucht, der Mannschaft zu helfen. Wir wollten unbedingt den dritten Platz verteidigen und das ist uns bislang sehr gut gelungen. Ich freue mich für die Mannschaft, dass das so gut geklappt hat.

Auf Ihre Leistung hatte die Wechselschlagzeilen keinen Einfluss.

Kruse: Ich habe mich nur auf den Fußball konzentriert, nicht was drumherum war. Dass sich jeder um seine sportliche Zukunft Gedanken macht, ist ganz klar. Aber für mich zählt, dass ich das Trikot vom VfL anhabe und solange ich hier einen Vertrag habe, werde ich alles dafür tun, dass wir den dritten Platz erreichen. Dafür brauchen wir noch mindestens einen Sieg.

Die negative Resonanz von Fans hält sich in Grenzen.

Kruse: Wie gesagt, ich beschäftige mich nicht so sehr mit dem Drumherum. Ich habe mir ein paar Tagen und Wochen für die Entscheidung Zeit genommen, was drumherum gesagt oder geschrieben wird, spielt für mich keine Rolle. Ich bin für mich und meine Zukunft selbst verantwortlich. Alles andere interessiert mich relativ wenig.

Wenn man auf die Tabelle guckt, ist die Borussia aber nicht viel schlechter als Wolfsburg.

Kruse: Da gebe ich Ihnen absolut Recht, dass wir diese Saison nicht schlechter sind als Wolfsburg. Wir spielen eine hervorragende Saison; das hatte vorher wohl keiner so erwartet. Ich wünsche mir natürlich, dass das in den kommenden Jahren für Gladbach so weitergeht. Aber ich für mich habe die Entscheidung getroffen, dass ich den nächsten Schritt gehen möchte. Den sehe ich in Wolfsburg.

Gab es überhaupt eine reale Chance für Gladbach, als das Angebot auf Wolfsburg kam?

Kruse: Gladbach hatte immer eine Chance. Auch hier ist die Perspektive sehr gut und wir haben in den vergangenen zwei Jahren einen unheimlichen Sprung gemacht, uns stetig weiterentwickelt. Die sportliche Entscheidung ist eine von vielen Faktoren. Es ist die, die im Vordergrund steht.

Ein anderer Faktor ist sicherlich auch die finanzielle Perspektive.

Kruse: Natürlich spielt Geld in meinem Alter auch eine Rolle. Aber wenn es nur ums Geld gegangen wäre, würde ich in der kommenden Saison in England spielen. Ich wollte aber schon gerne in Deutschland bleiben, habe mich natürlich auch mit dem Bundestrainer unterhalten.

Ein Typ, wie Max Kruse wird Gladbach fehlen. Wird Ihnen etwas in Gladbach fehlen?

Kruse: Natürlich wird mir hier etwas fehlen. Was wir in den vergangenen beiden Jahren hier erlebt haben, ist einzigartig – gerade auch dieses Jahr. Wir haben 63 Punkte! Vor vier, fünf Jahren hätte man damit um die Deutsche Meisterschaft gespielt. Das ist Wahnsinn, was wir hier leisten. Dazu gehört jeder im Team. Aber das Leben geht weiter und man muss an sich und seine Entscheidungen denken. Der Kontakt wird aber sicherlich nicht abbrechen.

Nicht nur Sie verlassen den Klub, auch Christoph Kramer geht. Kann die Borussia diese Abgänge kompensieren.

Kruse: Ich hoffe es. Max Eberl und Lucien Favre haben gute Möglichkeiten, neue Spieler zu holen – gerade jetzt, wenn wir uns für die Champions League qualifizieren sollten. Lars Stindl ist meiner Meinung nach ein hervorragender Neuzugang. Und ich denke, dass das im Sommer noch etwas passieren wird. Es könnte sein, dass da kein Leistungabfall passieren wird. Das hoffe ich auch.

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