Rote Karte für Gladbachs Korb gegen Schalke kein Thema

David Nienhaus
Der Gladbacher Julian Korb reißt Schalkes Kevin-Prince Boateng um - dafür sah er Gelb.
Der Gladbacher Julian Korb reißt Schalkes Kevin-Prince Boateng um - dafür sah er Gelb.
Foto: imago
Es war eine Spielszene, die nach dem 2:1-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Schalke 04 für mächtig Diskussionsstoff sorgte. Gladbachs Julian Korb foulte Kevin-Prince Boateng - es gab Strafstoß, aber keinen Platzverweis. Der Youngster versteht den Ärger nicht.

Mönchengladbach. Julian Korb wusste, dass diese Frage kommt. Der Außenverteidiger von Borussia Mönchengladbach ruft sich die Bilder wieder ins Gedächtnis und lächelt kurz; wohlwissend, dass er und seine Gladbacher in der 16. Minute etwas Glück hatten. Korb foulte Schalkes Kevin-Prince Boateng im Strafraum, hinderte die Gäste an einer wohl klaren Torchance, sah dafür nach dem Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Felix Zwayer aber nur die Gelbe Karte.

Während sich die Schalker nach der 1:2-Niederlage am Niederrhein vom Unparteiischen verschaukelt fühlten, beschreibt der Übeltäter die Situation so: "Als die Flanke kam, war Tony Jantschke bei Boateng, und Draxler kam im Vollsprint auf den ersten Pfosten. Ich habe leider die Innenbahn nicht mehr bekommen und deshalb habe ich versucht, Boateng so gut wie möglich zu stören, so dass er nicht mehr reinschieben konnte. Das war anscheinend wohl etwas zu viel", grinst der gebürtige Essener: "Aber ich denke, es geht mit der Gelben Karte und dem Strafstoß in Ordnung. Ich habe ihn ja nicht von hinten brutal umgehauen. Schalke hat das Tor gemacht und das war Strafe genug."

Korb hoffte, dass es nicht mal Elfmeter gibt

Dieser Meinung sind die Gäste aus Gelsenkirchen natürlich nicht. Im Gegenteil ."Wenn er Elfmeter pfeift, der Gladbacher Spieler der letzte Mann ist und den Freistehenden vor dem leeren Tor umreißt...", reagierte Schalkes Manager Horst Heldt erzürnt auf die Frage nach der Situation und steht damit in seinem Klub nicht alleine da. Zwayer habe ihm gesagt, "dass der Spieler eine Rote Karte verdient gehabt hätte, wenn er ihn umhaut. Doch er hat ihn nur umgezogen. Diese Erklärung verstehe ich nicht."

Mit einer Roten Karte habe sich Korb nicht eine Sekunde beschäftigt. "Ich habe gar nicht an einen Platzverweis gedacht", erklärt der Abwehrspieler, der seit der C-Jugend für die Borussia aufläuft. Eigentlich habe er sogar gehofft, "dass es keinen Elfmeter gibt", erklärt er. Er habe Boateng so stark wir möglich stören wollen, "ohne, dass es Strafstoß gibt. Meine erste Hoffnung war, dass es kein Elfer ist."

Man wisse ja nicht, ob der Ball überhaupt reingegangen wäre, lautet die Erklärung des Youngsters. Anders und eindeutig war es für Korb hingegen auf der anderen Seite, als Schalkes Benedikt Höwedes mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen wurde und es zusätzlich Handelfmeter für Gladbach gab. "Der hatte schon eine Gelbe Karte, insofern geht das mit dem Platzverweis in Ordnung", ist sich Korb sicher. Max Kruse verwandelte den fälligen Strafstoß, nachdem Farfan die Gäste in Führung gebracht und Raffael das 1:1 erzielt hatte. In der Schlussphase der Partie wurde es allerdings noch mal knapp für die Fohlen. "Schalke ist eine super Mannschaft, die zum Schluss noch mal alles nach vorne geworfen hat", weiß Korb. "Die Schalker aben alles versucht, obwohl sie eine Halbzeit in Unterzahl gespielt haben."

Korb spürt das Vertrauen von Gladbach

"Gegentore ärgern mich", sagt Korb nach dem 2:1-Sieg gegen Schalke, mit dem sich die Borussia vom Konkurrenten weiter distanzierte. "Ich will immer zu Null spielen. Diesmal hat es nicht geklappt, aber dafür haben wir gewonnen. Das ist auch okay." Seitdem Korb auf der rechten Außenposition der Gladbacher verteidigt, hat die Mannschaft von Trainer Lucien Favre alle Spiele gewonnen. Erst im vergangenen Frühjahr entschied sich der Sohn des ehemaligen MSV-Spielers Michael Korb, seinen Vertrag bis 2015 zu verlängern. Und das, obwohl Korb in der Saison zu keinem Bundesligaeinsatz kam. Korb fühlt sich "sehr wohl" und spürt "von Vereinsseite großes Vertrauen", das er durch Leistung rechtfertig.

Im Fohlen-Echo, dem Stadionmagazin der Gladbacher, wurde der Youngster unlängst als "Glücksbringer" beschrieben. "Ich bin froh, dass wir jedes Spiel gewonnen haben, wenn ich auf dem Platz war", freut sich der Jungprofi. Die verbleibenden beiden Partien vor der Winterpause wolle er freilich auch gewinnen. Und in der Begegnung mit Schalke hatte der Glücksbringer selbst etwas Dusel.