Reus will sich mit Gladbach weiter verbessern

Marco Reus beim Spiel auf Schalke gegen Joel Matip. Foto: Bongarts/Getty
Marco Reus beim Spiel auf Schalke gegen Joel Matip. Foto: Bongarts/Getty
Marco Reus ist das Gesicht des Gladbacher Aufschwungs. Der 22-Jährige Shooting-Star spricht über seine Verletzungsprobleme, die Ziele mit der Borussia, eine Ausstiegsklausel im Vertrag und den großen Traum vom ersten Länderspiel.

Gladbach. Er ist ja nicht irgendein Spieler. Er ist Gladbachs Juwel. Ohne Marco Reus wäre die Borussia aus der Bundesliga abgestiegen. Mit seinen Leistungen und Toren hatte der angehende Nationalspieler maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt. Entsprechend groß ist die Sorge, dass der 22-Jährige, der sich mit Nervenentzündungen am Schambein herumschlägt, am Samstag nicht spielen kann. Vor der Partie gegen Kaiserslautern sprach die NRZ mit dem Tempodribbler.

Was macht die Verletzung? Müssen sich die Gladbacher Fans Sorgen machen, dass Sie länger ausfallen?

Marco Reus: Die Probleme sind seit knapp zwei Wochen da. In Absprache mit den Ärzten möchte ich baldmöglichst ins Balltraining einsteigen. Und ich hoffe, dass die Verletzung dann auch weg ist und ich Ruhe habe.

Klappt’s schon mit dem Lautern-Spiel?

Reus: Da muss man gucken. Ich habe mir kein Ziel gesetzt und will mich nicht unter Druck setzen lassen.

Das klingt eher pessimistisch.

Reus: Die Möglichkeit, dass es gegen Lautern schon klappt, besteht. Ich muss jetzt wirklich kurzfristig gucken.

Im Frühjahr, unmittelbar vor den Relegationsspielen gegen Bochum, haben Sie in einem Interview eine bemerkenswerte Aussage für einen angehenden Nationalspieler gemacht. Sie haben gesagt, dass sie auf jeden Fall in Gladbach bleiben würden. Mal angenommen, die Borussia wäre abgestiegen, würden Sie jetzt wirklich in der Zweiten Liga spielen?

Reus: Es ist ja nicht so gekommen. Von daher habe ich mich niemals mit dem Thema Zweite Liga beschäftigt. Ich war immer überzeugt, auch in der damals so schwierigen Lage, dass wir den Klassenerhalt schaffen können. Und das hat sich ja auch bestätigt. Wir haben alle daran geglaubt und deshalb das Wunder, so kann man es ja wirklich nennen, am Ende doch geschafft.

Das ist eine ausweichende Antwort.

Reus: Ja.

Schade, Borussias Anhänger hätte bestimmt interessiert, wie ernst diese Aussage gemeint war. Ihre Antwort klingt jetzt wie ein Rückzieher.

Reus: Nein, das ist kein Rückzieher. Ich habe mich damals wirklich nicht mit der Zweiten Liga beschäftigt. Wenn man in das Spiel reingeht und hat Zweifel, dann ist man, glaube ich, fehl am Platz. Für mich war es in der Situation eigentlich selbstverständlich, dass ich ein Bekenntnis für die Borussia abgebe.

Sie fühlen sich offensichtlich ziemlich wohl in Mönchengladbach.

Reus: Ja, natürlich. Sehr wohl. Ich habe hier alles, was ich brauche. Hier habe ich ein super Umfeld mit tollen Menschen, mit denen man auch mal über andere Dinge als über Fußball reden kann.

In diesem Zusammenhang passt, dass Sie bereits frühzeitig in der vergangenen Saison Ihren Vertrag in Gladbach bis 2015 verlängert haben. Gibt’s da eine Ausstiegsklausel?

Reus: Ich glaube, das ist bekannt. Es gibt eine.

Können Sie trotzdem sagen, was konkret vereinbart wurde.

Reus: Dass ich ab 2013 zu einer festgelegten Summe den Verein verlassen kann.

Zu welchem Preis?

Reus: Über konkrete Vertragsinhalte werde ich nicht sprechen.

Bei welchem Klub werden Sie schwach? Haben Sie einen Traumverein?

Reus: Was heißt schwach werden. Ich glaube, jeder hat seinen Lieblingsklub aus der Jugend. Und ich war immer Fan von Arsenal London, weil ich die Spielkultur so schätze.

Und Bayern? Ist ein Wechsel zu den Bayern vorstellbar?

Reus: Nein, wie gesagt, ich bin glücklich, in Gladbach zu spielen und mit anderen Sachen beschäftige ich mich erst gar nicht.

Mit der deutschen Nationalmannschaft werden Sie sich aber beschäftigen – wie weh tut es, die Spiele gegen Österreich und in Polen nur auf dem Sofa vorm Fernsehen verfolgt zu haben?

Reus: Natürlich tut das weh. Ich habe wirklich ein paar Tage gebraucht, um zu verarbeiten, dass ich schon wieder absagen musste. Aber ich muss nach vorne blicken. Ich hoffe, dass es mit der Verletzung jetzt langsam vorbei ist und ich neu angreifen kann.

Wann wird es denn endlich was mit dem ersten Länderspiel?

Reus: Es ist der größte Traum eines Fußballers, einmal für die Nationalelf zu spielen. Natürlich will ich möglichst bald mein Debüt geben. Aber wann das sein wird, kann ich nicht sagen. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal nominiert werde.

Die Konkurrenz im Mittelfeld auf den Außenpositionen ist gewaltig.

Reus: Die Konkurrenz ist sicherlich da. Wir haben viele junge Spieler mit Potenzial. Wir sind eine der besten Nationen der Welt. Und das finde ich richtig gut, es stachelt den Ehrgeiz an und macht eine Mannschaft nur noch besser.

Mönchengladbach ist in dieser Saison sogar viel besser geworden, obwohl noch kein neuer Spieler den Sprung in die Stammformation geschafft hat. Was ist möglich für die Borussia in dieser Spielzeit?

Reus: Wir wollen jedes Spiel so angehen, dass wir gewinnen. In der Bundesliga kann jeder jeden schlagen. Es kommt oftmals nur auf Kleinigkeiten an, die ein Spiel ausmachen: Ob du einen Schritt schneller bist, oder ob du gedanklich schneller bist. Darauf kommt’s an. Aber wenn wir weiter so hart arbeiten, bin ich zuversichtlich, dass wir eine ordentliche Saison spielen.

Ordentlich bedeutet: Jenseits von Abstiegsgefahr?

Reus: Klar wollen wir mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. Aber man weiß nie, wie es kommt. Das hat man ja in der vergangenen Saison gesehen, als wir unglaublich viel Verletzungspech hatten und zurückgeworfen wurden.

Die Stimmung im Umfeld ist allerdings eher so, dass der Borussia unter einem Lucien Favre allerhand zugetraut wird. Was hat der Trainer bewirkt?

Reus: Wir treten richtig als Mannschaft auf. Ich will nicht sagen, dass wir das vorher nicht gemacht haben, aber es gibt trotzdem eine andere Grundstimmung. Viel optimistischer, viel selbstbewusster. Wir kriegen weniger Tore, wir spielen besseren Fußball. Und die Entwicklung ist längst noch nicht vorbei, wir werden weiter an uns arbeiten.

Worauf legt der Trainer ganz besonderen Wert?

Reus: Er ist akribisch, er verlangt Disziplin, die volle Konzentration, und er will das flache Spiel nach vorne. Ballannahme, Mitnahme, da legt er sehr viel Wert drauf. Das muss alles top passen. Aber es ist nicht so, dass er den langen Ball nach vorne verboten hätte. Das dürfen wir schon.

 
 

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