Nordtveits Kampf um die Sechs bei Gladbach

Bezeichnet sich als Kämpfertyp: Håevard Nordtveit will seinen Stammplatz bei den Gladbachern verteidigen.
Bezeichnet sich als Kämpfertyp: Håevard Nordtveit will seinen Stammplatz bei den Gladbachern verteidigen.
Foto: imago
Håevard Nordtveit kämpft bei Borussia Mönchengladbach um einen Platz in der Schaltzentrale. Im Trainingslager am Tegernsee ist der Norweger Wortführer eines skandinavischen Quartetts. Nordtveit freut sich, mit Gladbach Spiele auf der europäischen Bühne zu bestreiten.

Rottach-Egern.. Håevard Nordtveit nimmt den Mundschutz heraus und pustet kräftig durch. Die Trainingseinheiten am bayrischen Tegernsee haben soviel mit Urlaub gemein wie Norwegen mit der Finanzkrise. Der baumlange Defensivspieler faucht, als ihn Gladbachs Betreuer Rolf Hülswitt bittet, ihm seine Fußballschuhe zu geben. Es hat den Anschein, als wolle sich der Norweger auch nach zwei Stunden Training nicht von seinem Arbeitsgerät trennen. Genauso wenig wie von seinen Stammplatz im defensiven Mittelfeld bei Borussia Mönchengladbach. Die letzten neun Spiele der vergangenen, so erfolgreichen Saison bestritt der 22-Jährige auf der Doppelsechs und war neben dem zu Schalke abgewanderten Roman Neustädter ein Garant für die überragende Abwehrarbeit der Fohlen.

„Wir haben das in der vergangenen Saison ganz gut gemacht in der Defensive“, erzählt der 1,88 Meter große Allrounder - der auch in der Innenverteidigung spielen kann - und man merkt das Selbstvertrauen der Nummer 16 vom Niederrhein. „Aber wir wollen immer besser werden und deshalb trainieren wir hier hart.“

Nordtveit, der kurz vor Beginn der Vorbereitung per Option seinen Vertrag bei Gladbach vorzeitig bis Sommer 2014 verlängert hat, hat mittlerweile seinen Mundschutz in einen Behälter um den Hals hängen und sieht damit wie ein Schulkind mit seinem Brustbeutel aus. Und er strahlt. Die harte Arbeit macht ihm Spaß und er weiß, was auf dem Spiel steht.

Konkurrenzkampf mit Cigerci, Marx und Xhaka

Mit Youngster Tolga Cigerci, Routinier Thorben Marx und Zugang Granit Xhaka kämpft er um einen von zwei Plätzen in Favres Schaltzentrale. „Es ist immer Konkurrenz in einer Mannschaft vorhanden, egal auf welcher Position“, erzählt Nordtveit in fast fehlerfreiem Deutsch. Das sei auch gut so, „denn das kitzelt das Beste aus den Spielern heraus.“ Und mit Blick auf das harte Auftaktprogramm des Vierten der vergangenen Spielzeit mit „zehn bis zwölf englische Wochen“ brauche man auch mehrere Spieler auf einer Position. Sein Anspruch sei es aber, von Beginn an in der Startaufstellung zu stehen. „Believe in yourself“, ist der Leitspruch des skandinavischen Nationalspielers – eine Übersetzung ist dafür nicht nötig.

Er wirkt cool in seiner kämpferischen Haltung. „Ein Kämpfertyp, ja“, bestätigt er die Frage nach seiner Einstellung zum Job. Kurz und knapp und doch präzise. Es erweckt nicht den Anschein, als sei der Druck auf den jungen Mann zu groß. „Ich weiß nicht, wie die neuen Spieler mit dem Druck umgehen“, lächelt der Norweger und ergänzt: „Die haben ja viel Geld gekostet und haben deshalb vielleicht ein bisschen mehr Druck als ich.“ Coach Favre versucht in der Vorbereitung die Last von den Schultern der Spieler zu nehmen. „Der Trainer hat uns gesagt, dass die vergangen Saison nicht normal war, dass es eigentlich gar nicht unser Ziel war, Vierter zu werden.“ Dass es so gekommen ist, davon ist auch Nordtveit am Ende beeindruckt. Er freue sich jetzt, „in Europa zu spielen. Wenn wir die Champions-League-Qualifikation nicht schaffen, spielen wir immerhin in der Europa League.“

Nordtveit gibt sich selbstbewusst

Mit einer sehr jungen Mannschaft, in der Nordtveit sogar schon fast „einer der älteren Spieler“ ist, will er den nächsten Schritt machen und erneut in der Bundesliga eine gute Rolle spielen. Die namhaften Abgänge Marco Reus, Dante und sein Partner Neustädter interessieren ihn schon gar nicht mehr. „Es gehen drei - und nicht elf“, hatte er schon vor Wochen zu Papier gegeben. Selbtbewusst, fast pragmatisch fügte er hinzu: „Wir werden Neue bekommen und alle besser werden.“

Die neuen Spieler sind da und Borussia hat sich die Spieler eine ordentliche Stange Geld kosten lassen. Ein Schnäppchen war allerdings Branimir Hrgota. Der erst 19 Jahre alte Stürmer ist Schwede und bildet nun mit Nordtveit, Alexander Ring und Oscar Wendt ein skandinavisches Quartett bei den Fohlen. „Wenn du Mitspieler hast, die deine Sprache sprechen, dann kannst du im Training auch ein wenig lachen“, freut sich der Mittelfeldspieler über die Situation bei der Borussia und widerlegt damit die Mär, Schweden und Norweger würden sich generell nicht verstehen. Allerdings betont er: „Wenn wir auf dem Platz gegeneinander spielen, mögen wir uns nicht.“ Dann nimmt Nordtveit nämlich seinen Mundschutz aus dem Brustbeutel und ist wieder der Kämpfertyp.

 
 

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