Max Eberl ist ein Gladbacher mit bayerischen Wurzeln

Michael Ryberg
Sportdirektor Max Eberl von Borussia Mönchengladbach.
Sportdirektor Max Eberl von Borussia Mönchengladbach.
Foto: firo / Sebastian El-Saqqa
Sportdirektor Max Eberl reist am Samstag in der Bundesliga mit Borussia Mönchengladbach nach München zu seinem Ex-Verein FC Bayern.

Mönchengladbach. Nein, das Wappen des FC Bayern küsst Max Eberl abends vor dem Schlafengehen nicht. Und trotzdem sind dem Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach die Münchener wesentlich näher als die meisten anderen Fußballklubs. Im Dezember ist der ehemalige Bundesliga-Profi zwar schon 17 Jahre am Niederrhein. Zuvor wohnte Eberl allerdings 19 Jahre in München, war 14 Jahre Teil der Fußball-Akademie, feierte mit den Bayern 1989 den deutschen B-Jugendtitel.

Der Klassiker Bayern gegen Gladbach am Samstag (18.30 Uhr/Sky) zählt für Max Eberl zu den Saisonhöhepunkten – neben Champions-League-Vergleichen mit dem FC Barcelona, Manchester City und ­Celtic Glasgow.

Mit München verbindet die Gladbacher eh eine enge Bande. Speziell mit Uli Hoeneß. Der Ex-Manager hielt im März, kurz nach seiner abgesessenen Haftstrafe nach Steuervergehen, auf seinen Weltmeister-Freund Jupp Heynckes eine bewegende Laudatio bei der Ehrenring-Verleihung der Stadt Mönchengladbach. Hoeneß war außerdem im Sommer für einen gemütlichen Abend Gast im Gladbacher Trainingslager-Hotel am Tegernsee. „Ich habe Uli auch schon angerufen und um Rat gefragt“, sagt Max Eberl.

Vier Vergleiche ohne Niederlage

Nicht allerdings, um zu versuchen, den Rekordmeister zu stürzen. „Drei Dinge braucht es dazu: eine Topleistung von uns, eine weniger gute Vorstellung der Bayern, ein wenig Glück auf unserer Seite“, fasst Eberl zusammen. Die Traute, dem Champion mutig auch spielerisch Paroli zu bieten, hat Gladbach zuletzt vier Vergleiche ohne Niederlage beschert.

Eberl weiß das. Euphorisch macht ihn die kleine Serie aber nicht. Ihm braucht niemand mit Meistermärchen zu kommen. Leicester City etwa.

„Unsere Ausbeute ist doch märchenhaft genug. Vor fünf Jahren noch haben wir uns mit knapper Not gegen Bochum in der Relegation gerettet, waren danach in vier von fünf Saisons im Europacup“, zählt Max Eberl auf. Ergo: „Platz drei oder vier zuletzt, das ist doch für uns ein Meistertitel.“

Der letzte der fünf wirklichen Borussia-Triumphe in der Bundesliga liegt 39 Jahre zurück. Und wurde ausgerechnet in München ­gefeiert. Was Eberl nicht wusste. Sein Vorstandskollege Rainer ­Bonhof könnte natürlich leicht Historienhilfe leisten. Der Weltmeister von 1974 war mit dabei, als Borussia am letzten Spieltag der Saison 1976/77 im Olympiastadion ein 2:2 zum Titel im Dreikampf mit Schalke 04 und Eintracht Braunschweig reichte. Damals war selbst Rot-Weiss Essen noch ein Bundesligist.

Lang, ganz lang her. Vielleicht sehnt sich der eine oder andere im Borussia-Park danach. Gespeist von einer gestiegenen Erwartungshaltung. Die nennt Eberl allerdings gern „das süße Gift der jüngeren Vergangenheit“, also Platz drei und vier, Heimsiege im Stakkato.

„Wir müssen aufpassen“, mahnt Eberl, „dass wir nicht in ein ungünstiges Fahrwasser geraten wie andere Klubs. In den vergangenen fünf Jahren haben wir auf dem Transfermarkt 15 Millionen Euro mehr ausgegeben als wir eingenommen haben. Mit dieser Investition haben wir viel erreicht. Andere Klubs haben deutlich mehr für ihr Personal ausgegeben und damit deutlich weniger erreicht.“