Lucien Favres Rücktritt wird Gladbach nicht aus den Schuhen hauen

Lucien Favre stellte die Borussia-Verantwortlichen vor vollendete Tatsachen.
Lucien Favre stellte die Borussia-Verantwortlichen vor vollendete Tatsachen.
Foto: dpa
Lucien Favres Abschied aus Gladbach hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Eberl hat wenig Zeit für die Suche nach einem Nachfolger. Ein Kommentar.

Essen. Die Entscheidung von Lucien Favre, ab sofort nicht mehr als Trainer von Borussia Mönchengladbach zu arbeiten, wird den Verein nicht komplett aus den Schuhen hauen. Dennoch muss der Klub den Schlag erstmal verdauen.

Nicht umsonst gelten die Gladbacher als einer der Fußball-Bundesligisten, die in dem immer schriller werdenden Geschäft die Nerven behalten und seriös arbeiten. Mit dieser Strategie haben Sportdirektor Max Eberl und Favre eine Mannschaft aufgebaut, die in der vergangenen Saison Erfolg hatte und begeisterte.

Auf der Suche nach den Gründen, warum das in dieser Saison nicht mehr so ist, sind bislang alle gescheitert. Wahrscheinlich deshalb, weil eine Vielzahl von Mosaiksteinchen zusammen kommt. Den einzigen großen Grund gibt es nicht.

Das Stochern im Nebel

Die Suche war und ist deshalb ein Stochern im Nebel, das Favre von sich aus beendet hat. Eine überraschende Wendung, aber der Trainer weiß natürlich mehr als andere. In seiner Begründung ließ er durchblicken, dass er sich die Aufgabe in Gladbach nicht mehr vorbehaltlos zutraue. Er wählte also den Weg: Lieber eine Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Nicht die schlechteste Alternative, auch wenn in der Begleitmusik bereits schräge Akkorde angeschlagen werden. Sicherlich ist es nicht klug, seinen Klub mit dem Gang an die Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen zu stellen. Solche Entscheidungen kann und sollte man gemeinsam verbindlicher moderieren.

Doch der ebenfalls formulierte Vorwurf, dass Favre nicht krisenfest sei und auch bei Hertha BSC einmal in ähnlicher Situation nicht gut aussah, ist kaum haltbar. Der Schweizer ist seit über 40 Jahren als Spieler und Trainer im Profigeschäft erfolgreich unterwegs. Wer keine Krisen meistern kann, wird sich niemals so lange an der Spitze halten können.

Ein Problem bleibt, und das haben jetzt die Gladbacher: Sie müssen einen Nachfolger finden. Viel Zeit haben sie dafür nicht.