Kramers kurioses Endspiel - "Schiedsrichter, ist das das WM-Finale?"

David Nienhaus
Nach einem deftigen Zusammenprall im argentinischen Strafraum mit Verteidiger Ezequiel Garay setzt es bei Christoph Kramer aus.
Nach einem deftigen Zusammenprall im argentinischen Strafraum mit Verteidiger Ezequiel Garay setzt es bei Christoph Kramer aus.
Foto: dpa
Was eine weltmeisterliche Geschichte: Erst durfte Christoph Kramer im WM-Finale ran, dann erinnert sich Borussia Mönchengladbachs Mittelfeldspieler nach einem harten Zusammenprall nicht mehr an das Spiel. Final-Schiedsrichter Nicola Rizzoli erzählt die Story in einem Interview.

Essen. "Schiedsrichter, ist das das WM-Finale?" Diese Frage stellte Christoph Kramer dem Unparteiischen Nicola Rizzoli im ausverkauften Maracana-Stadion zu Rio. Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft, die Ränge in Hellblau auf der einen, und in Schwarz-Rot-Gold auf der anderen Seite, die Stimmung großartig - nur Kramer war orientierungslos. Verloren im Meer voll Kopfschmerzen und Schädelbrummen.

Nach dem deftigen Zusammenprall im argentinischen Strafraum mit Verteidiger Ezequiel Garay setzt es bei Christoph Kramer aus. Der Marathonmann von Borussia Mönchengladbach rückte zehn Minuten vor dem Anpfiff in die Startaufstellung der deutschen Nationalmannschaft, weil Sami Khedira passen musste. Kramer spielte mutig, forsch und forderte die Bälle. Bis zur 17. Minute. Bis zu dem Zeitpunkt, als Kramers Kopf Bekanntschaft mit Garays Schulter machte.

Minutenlang im Finale behandelt

Minutenlang wurde der Ex-Bochumer behandelt, spielte aber weiter und legte noch einen Sprint hin. Nach einer halben Stunde aber ging es nicht weiter für Kramer. Schiedsrichter Rizzoli erzählte in einem Interview mit der Gazzetta dello Sport, der Spieler kam "kurz nach der Attacke von Garay zu mir und fragte, ob dies das WM-Finale sei". Der Italiener hielt das erst für einen Witz, Kramer hakte aber noch mal nach: "Ich muss wissen, ob das wirklich das Finale ist." Rizzoli sagte verblüfft: "Ja", er stehe tatsächlich im WM-Endspiel. Der Borusse entgegnete: "Danke, das war sehr wichtig für mich." Der 42 Jahre alte Referee informierte Bastian Schweinsteiger und bat ihn, Kramer auszuwechseln. Eine gute, wichtige Entscheidung des Italieners.

Das Märchen um Borussia Mönchengladbachs Weltmeister Christoph Kramer bekommt damit einen humorigen Nachklapp. Der 23-Jährige führt seit dem Beginn seiner Fußballkarriere Tagebuch über die wichtigsten Spiele und Ereignisse in seinem sportlichen Leben. Über das WM-Finale wird er eine Menge schreiben können - sofern er sich erinnert. "Von der halben Stunde, die ich auf dem Platz stand, habe ich kein einziges Bild mehr in Erinnerung", gab Kramer nach der Partie zu: "Ich wusste nicht mal, dass ich nach dem Zusammenprall noch weitergespielt habe."

Den Titel aber konnte Kramer mit der Mannschaft feiern. Die Partys in Brasilien, im Flieger und auf der Berliner Fanmeile werden wohl unvergesslich für den Gladbacher sein.