Köln gegen Gladbach wird zum Derby der Vernunft

David Nienhaus
Während der 90 Minuten kämpften der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach und drei Punkte. Der faire Sportsgeist ging dabei aber nicht verloren.
Während der 90 Minuten kämpften der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach und drei Punkte. Der faire Sportsgeist ging dabei aber nicht verloren.
Foto: imago
Die Derbybilanz nach dem Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach fällt positiv aus. Ausschreitungen hielten sich in Grenzen und die Mannschaften waren voll des Lobes für einander.

Köln. Die Szenen, die sich draußen auf den Jahnwiesen vor dem Kölner Stadion abspielten, schwappten weder auf den Fußballplatz über, noch kam es auf den Fanrängen zu Ausschreitungen. Vermummte Fußballchaoten in schwarz, Hetzjagten vor dem Stadion und beeindruckende Polizeipräsenz. Das Rheinderby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach zeigte sich lange vor der Partie wieder von seiner finsteren Seite. Zum Glück und wegen eines guten Sicherheitskonzeptes der Organisatoren blieben richtig schlimmer Bilder aber aus.

Und auch auf dem Rasen begegneten sich zwei Mannschaften mit gehörig Respekt voreinander und taktischen Plänen, die große Spannung im Spiel kaum zuließen. Brisante Szenen und böse Fouls waren wie Torraumszenen und Großchancen Mangelware in der Sonntagabend-Begegnung des vierten Spieltags in der Bundesliga.

Im Gegenteil: Schon früh wurden die Weichen auf Fairplay gestellt. Tony Jantschke beispielsweise half nach einem Zweikampf Kontrahent Anthony Ujah auf die Beine – nicht die einzige Szene, die von Sportgeist zeugt. Die sportliche Qualität hielt sich allerdings in Grenzen.

Gladbach-Spieler loben den 1. FC Köln

„Wir waren die bessere Mannschaft und wenn wir unsere Chancen machen, gewinnen wir die Partie“, resümiert Borussias Granit Xhaka die 90 Minuten in der Domstadt. Ganz richtig lag er dabei nicht. Zwar hatten die Gäste vom Niederrhein mit 62 Prozent die größeren Spielanteile, mit sieben Schüssen auf das Gehäuse von Yann Sommer waren aber die Hausherren die in der Offensive aktivere Mannschaft. Gladbach spielte ballsicher, ein Rezept gegen den Rivalen aber fand die Elf von Trainer Lucien Favre aber nicht. „Man muss Köln auch ein Kompliment machen“, lobte Xhaka das Defensivkonzept des „Effzeh“. Ein Lob für den Aufsteiger. Es sei sehr schwer gewesen, eine Lücke gegen das Defensivbollwerk zu finden.

Leidtragender war Max Kruse, der offensiv kaum Raum hatte. „Es war vor den Toren relativ wenig los“, erklärt der Stürmer das „sehr statische Spiel“. Köln sei um Sicherheit bemüht gewesen und stand mit zehn Mann in der eigenen Hälfte. Gladbach habe zudem das Tempo gefehlt, um die nötige Konsequenz nach vorne zu bringen. Wenige Chancen, wenig Emotionen.

Trotzdem war das 81. rheinische Bundesliga-Derby „sehr, sehr geil“ gewesen, staunte Borussias André Hahn. Die Atmosphäre, die Stimmung, die Fans – „das hat schon sehr viel Spaß gemacht.“ Auch Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, der am Sonntag seinen 41. Geburtstag feierte, war begeistert von der atemberaubenden Stimmung“. In 15 Jahren habe der Manager schon 26 Derbys erlebt und es sei immer wieder bemerkenswert, was drum herum passiere – aller Vorsicht nach sei es doch sehr ruhig geblieben. „Aber im Stadion war eine unglaublich Lautstärke, eine unheimliche Dominanz von der einen, wie von der anderen Seite.“ Und das trotz einer eher mittelmäßigen Bundesligapartie.

"70 bekloppte Heinis"

Allein in der Szene um Weltmeister Christoph Kramer und Kölns Kevin Vogt kam richtige Derbybrisanz ins Spiel. Rudelbildung, Diskussionen und zwei Gelbe Karten. Letztlich war aber auch diese Situation nicht mehr als heiße Luft. „Es war ein normales Fußballspiel wie jedes andere, und natürlich mit einer brisanten Atmosphäre. Aber das ist ja auch schön, so lange es friedlich bleibt“, sagte Kramer nach dem Spiel.

Ganz friedlich blieb es leider nicht. Die Bilanz der Polizei fiel einigermaßen human aus. 77 Männer wurden in Gewahrsam genommen, sechs Menschen wurden leicht verletzt. Über die finsteren Szenen mit den vermummten Choaten ärgerte sich FC-Präsident Werner Spinner in einem Zeitungsinterview (ksta.de) trotzdem: „Wir haben uns die ganze Woche Mühe gegeben, für Ruhe zu sorgen und dann kommen 70 bekloppte Heinis guerillamäßig durch den Wald. Das ist die pure Provokation.“ Anstecken ließ sich davon aber niemand. Weder vor dem Stadion noch auf dem Platz.