Juves Herzpatient verwehrt Gladbach die Belohnung

Stephan Lichtsteiner erzielte das Ausgleichstor für Juventus Turin bei Borussia Mönchengladbach.
Stephan Lichtsteiner erzielte das Ausgleichstor für Juventus Turin bei Borussia Mönchengladbach.
Foto: imago/MIS
Stephan Lichtsteiner erzielt wenige Wochen nach einer Operation den Ausgleich für Juventus Turin - und Gladbach scheidet aus der Champions Leauge aus.

Mönchengladbach. Die meisten Gladbacher Profis waren in die niederrheinische Novembernacht eingetaucht, als Stephan Lichtsteiner daherkam. Mit Engelsgeduld parlierte der Rechtsverteidiger von Juventus Turin über das 1:1 (1:1) im Borussia-Park – mal auf Französisch, mal auf Italienisch, mal auf Schwyzerdütsch. „Ein gewonnener Punkt, aber nicht unbedingt verdient“, fand Lichtsteiner an diesem für ihn sehr speziellen Abend.

Am 23. September war der 31-Jährige im Meisterschaftsspiel gegen Frosinone wegen Atemproblemen und Herzrhythmusstörungen ausgewechselt worden. Es folgte eine Herz-Operation, am vergangenen Sonntag stand der Schweizer erstmals wieder auf dem Trainingsplatz – und bescherte Turin mit seinem Ausgleich kurz vor der Pause nun einen wichtigen Zähler.

Gladbach-Trainer Schubert kommt ins Grübeln

Die „Alte Dame“ aus dem Piemont steht damit zu 95 Prozent im Achtelfinale der Fußball-Champions-League, allerdings gab Lichtsteiner zu bedenken: „Das war nicht das Juventus, das wir sein wollen oder auch sein müssen.“

Die Gladbacher waren bei ihrem vierten Auftritt in der Königsklasse dagegen sehr nah an einer optimalen Leistung. Das vorzeitige Aus ereilte sie trotzdem – und so kam André Schubert etwas ins Grübeln. „Einige haben mich beglückwünscht, einige sagten: Schade, dass die Mannschaft sich nicht belohnt hat“, berichtete Gladbachs Trainer.

Vehement - aber nicht immer geschickt

„Im Endeffekt“, betrachtete Kapitän Granit Xhaka die Sache positiv, „haben wir gegen den Vorjahresfinalisten jetzt zwei Mal Unentschieden gespielt. Das ist aller Ehren wert.“ Auch wenn er und seine Mitstreiter nach der Roten Karte gegen Turins Hernanes (53.) in Überzahl zwar vehement, aber nicht immer geschickt auf den Sieg drängten.

„Wir hätten mehr in den Strafraum hineinspielen, den Gegner mehr locken müssen – wenn er sich denn hätte locken lassen“, erkannte André Schubert die Gladbacher Grenzen gegen abgezockte Italiener. Wie man einen unerfahrenen, aber aufmüpfigen Widersacher mit ein, zwei Kunstgriffen erledigt, demonstrierte bereits Manchester City beim 2:1 Ende September im Borussia-Park.

Pogbas genialer Lupfer-Pass

Diesmal machte Turins Mittelfeldspieler Paul Pogba via Lupfer-Pass auf Lichtsteiner die Borussen-Führung durch Fabian Johnson mit einem Geniestreich zunichte.

Was dem Rautenklub bleibt, ist die Hoffnung auf die Europa League. Auf dem Weg in den bescheideneren kontinentalen Wettbewerb müssen sie den FC Sevillaeliminieren. In drei Wochen kommt es beim Heimspiel gegen die Andalusier zu einem kleinen internen Finale um Platz drei.

Gladbach erhält Anschauungsunterricht

Anschauungsunterricht in Effizienz und Kaltblütigkeit bekommt Gladbach in der Champions League allemal geboten. „Ich habe das Gefühl, wenn die Italiener wollen, schießt du nie ein Tor gegen sie“, meinte Sportdirektor Max Eberl frustriert.

Das musste auch der quirlige Ibrahima Traoré einsehen, der den niederländischen Schiedsrichter Björn Kuipers für seinen Platzverweis gegen den Brasilianer Hernanes indirekt tadelte: „Ich hätte lieber gegen elf Turiner weitergespielt, dann hätten wir mehr Platz gehabt. Gegen zehn war es fast unmöglich.“

 
 

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