In Gladbach ist Geduld gefragt

Reinhard Schüssler
Unbeherrscht: Gladbach-Torwart ter Stegen geht auf einen Mitspieler los.
Unbeherrscht: Gladbach-Torwart ter Stegen geht auf einen Mitspieler los.
Foto: Bongarts/Getty Images
Bei einigen Spielern lagen die Nerven blank. Aber Vereinsführung und Fans von Borussia Mönchengladbach vermitteln (noch) den Eindruck, als würden sie in der kritischen Lage des Vorjahres-Vierten die nötige Geduld aufbringen. Und die ist auch nötig. Ein Kommentar.

Mönchengladbach. Als sich Lucien Favre im Frühjahr wochenlang zierte, seinen Vertrag in Mönchengladbach, wo er ein wahres Wunder vollbracht hatte, zu verlängern, steckte dahinter wohl weniger die Spekulation auf ein lukrativeres Angebot (Bayern?). Eher schon die – berechtigte – Sorge um die Perspektive der Mannschaft nach den frühzeitig feststehenden (und unvermeidlichen) Abgängen der Leistungsträger Marco Reus, Dante und Roman Neustädter. Eine Sorge, die auch der Verein teilte, der deshalb auf dem Transfermarkt wie nie zuvor ins finanzielle Risiko ging.

Dass sich der personelle Umbau schwierig gestalten und die mit viel Vorschusslorbeer bedachten Neuzugänge Zeit benötigen würden, war also allen Beteiligten klar. Wirklich fatal wäre es für Gladbach aber erst, würde sich herausstellen: Weniger der hoch gelobte Trainer hat bei dem sensationellen Höhenflug den entscheidenden Unterschied gemacht, sondern viel mehr Reus und Dante, die in ihren neuen Klubs nahtlos an ihre grandiose Spielzeit bei den Borussen vom Niederrhein anknüpfen. Was – nebenbei - die Rolle eines Trainers und deren Gewichtung grundsätzlich tangieren würde.

In Gladbach sind jetzt auch starke Nerven gefragt

Mit Unbehagen erinnern sich viele Anhänger der Borussia an Favres Berliner Station, als die von ihm fast zur Meisterschaft geführte Hertha (am Ende wurde es, wie zuletzt in Gladbach, Platz vier) in der nachfolgenden Saison ohne einige abgewanderte Spitzenkräfte katastrophal startete. Nicht vergessen werden sollte bei diesem Vergleich jedoch auch: Trotz (oder wegen?) der frühen Trennung vom Trainer sind die Berliner seinerzeit als Tabellenletzter mit gerade mal 24 Punkten abgestiegen.

Soll heißen: In Mönchengladbach sind in diesen unruhigen Wochen starke Nerven und vor allem Geduld gefragt. Wie es scheint, haben sowohl die Verantwortlichen des Traditionsvereins als auch – kaum weniger wichtig – die in der Vorsaison reichlich verwöhnten Fans dies verstanden. Jetzt müssen sie nur noch den einen oder anderen Spieler davon überzeugen.