Gladbachs Youngster Dahoud "braucht Spielpraxis und Selbstvertrauen"

David Nienhaus
Mahmoud Dahoud will in dieser Saison den Durchbruch bei Borussia Mönchengladbach schaffen.
Mahmoud Dahoud will in dieser Saison den Durchbruch bei Borussia Mönchengladbach schaffen.
Foto: David Nienhaus
Erst übersteht er den Zweikampf mit Max Kruse, danach behauptet er den Ball gegen Havard Nordtveit. Mahmoud Dahoud mischt bei Borussia Mönchengladbach wieder voll mit. Nach einem Jahr Zwangspause will der Youngster wieder angreifen.

Rottach-Egern. Nein, ein Junge großer Worte ist Mahmoud Dahoud nicht. Und er verliert auch nicht ein Wort zu viel, wenn er mit Journalisten spricht. Der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach ist schüchtern, fast schon ängstlich in Bereichen, die im Profi-Geschäft üblich, ja nötig sind. Aber wer will es dem 18-Jährigen verdenken? Vor genau einem Jahr war der Sechser drauf und dran, Gladbachs neuer Shootingstar zu werden. Dahoud genoss trotz der erst 17 Lenze das Vertrauen von Borussias Trainer Lucien Favre und spielte sich im Trainingslager am Tegernsee in die Startelf des Bundesligisten. „Er hat das gewisse Etwas, spielt intelligent und hat Übersicht, er ist einfach gut“, lobte der Schweizer seinen Jungen.

Dahoud war ball- und passsicher, überzeugte mit tollem Spielverständnis und einer großen Gabe an Talent. Im Testspiel gegen den 1. FC Nürnberg zeigte der gebürtige Syrer eine herausragende Leistung. Wenig später durfte er sogar im Telekom Cup gegen Pep Guardiolas FC Bayern München ran. „Nervös war ich damals nicht“, erinnert sich Dahoud heute. Damals dribbelte er rotzfrech im eigenen Strafraum gegen Franck Ribery, behauptete den Ball im defensiven Mittelfeld gegen Weltmeister Toni Kroos, der jetzt zu Real Madrid wechselt und vernaschte Bayern-Wunderknaben Thiago Alcantara. Dahoud war auf dem Weg, selbst zu einem Wunderknaben zu werden.

Lucien Favre steht auf Mo Dahoud

Favre war entzückt, doch dann spielte der Körper des Youngsters nicht mehr mit. Eine langwierige Schleimbeutelentzündung nahm Dahoud aus dem Verkehr und der defensive Mittelfeldmann musste mit einer ganz neuen Situation umgehen lernen. Sein Körper verkraftete den Profi-Rhythmus nicht. Regeneration, Rehabilitation und von neuem rankämpfen. Lief „Mo“, wie ihn alle nur rufen, damals erst den gestandenen Profis wie Granit Xhaka, Havard Nordtveit und auch Christoph Kramer den Rang ab, musste er wieder bei null beginnen.

Thorben Marx oder Max Kruse unterstützten ihn in der schwierigen Zeit: „Man kann es nicht ändern, weiter geht’s“, sagte der Nationalspieler zum Nachwuchskicker. Leicht steckte er die Verletzung nicht weg, weil er „eher sensibel“ sei.

Dahoud dankt Gladbachs U17-Trainer Flath

Nach einem Jahr Zwangspause greift der Jugendliche jetzt wieder an. „Jetzt bin ich bei 50, vielleicht 60 Prozent“, schätzt Dahoud seinen aktuellen Leistungsstand ein. „Ich brauche Spielpraxis und Selbstvertrauen“, sagt er leise und nervös und hofft „in ein paar Wochen“ wieder richtig fit zu sein. Er erzählt von seinem U17-Trainer bei Borussia, Thomas Flath, der ihm viel mit auf den Weg gegeben hat und davon, dass sein Ziel ist, „gesund zu bleiben. Das ist das wichtigste.“

Im Testspiel gegen den TSV 1860 München durfte Dahoud wieder auf dem Platz stehen. Zusammen mit den Profis, in der für Favre wichtigen Schaltzentrale. Zufrieden war er mit sich nicht. „Ich wollte zu viel, das war keine gute Leistung von mir“, sagt er selbstkritisch. Er sei zu hektisch gewesen. Dabei hätte ihm eine gute Aktion gereicht. „Wenn es einmal rollt“, sprudelt es auf Nachfrage fast aus ihm heraus. Er wolle jetzt „einfach Gas“ geben, sich zeigen während Xhaka und Kramer noch nicht bei der Mannschaft sind und dann möglichst bald im Borussia-Park auflaufen. Mit der Spielpraxis kommt die Routine. Ganz sicher dann auch im Umgang mit den Journalisten.