Gladbachs würdiger Abschied von der Champions League

Daniel Theweleit
Gladbachs Kicker verabschiedeten sich von den Fans und von der internationalen Bühne.
Gladbachs Kicker verabschiedeten sich von den Fans und von der internationalen Bühne.
Foto: imago
Trotz eines enttäuschenden Gesamtergebnisses blicken die Gladbacher nicht unzufrieden auf ihre erste Saison in der Champions League zurück

Manchester. Ein alter Grundsatz der menschlichen Emotionen besagt, dass Liebe immer dann besonders intensiv empfunden wird, wenn nicht alleine Glück und Euphorie vorhanden sind, sondern auch eine kräftige Dosis Schmerz. Eine Portion Tragik verstärkt Zuneigung und Hingabe, und genau dieser Mechanismus wirkte, als Yann Sommer nach der 2:4-Niederlage von Borussia Mönchengladbach bei Manchester City seine kleine Liebeserklärung an den Traditionsverein vom Niederrhein formulierte. „Das war eine tolle Mannschaftsleistung in den vergangenen fünf Champions-League-Spielen“, sagte der Torhüter. Und schwärmte von einem „tollen Klub, der in diesem Wettbewerb auch mal bestehen kann“.

In Sommers Gesichtszügen war keine Spur von Enttäuschung zu sehen. Vielmehr war der Schweizer offenkundig sehr dankbar, dass das Schicksal ihn mit dieser großartigen Fußballmannschaft zusammengeführt hat. Mit einem Team, das nach dieser Niederlage zwar aus dem Europapokal ausgeschieden ist, das aber doch viele gute Impressionen auf der internationalen Bühne hinterlassen hat.

Gladbach blickt nicht unzufrieden zurück

„Die Mannschaft hat den Klub und Deutschland eindrucksvoll vertreten“, schwärmte Sportdirektor Max Eberl. „Wir haben in einer schweren Gruppe guten Fußball gezeigt.“ Und die Gladbacher Fans feierten den Tabellenletzten vor, während und nach dem Spiel lange, ausgiebig und hingebungsvoll.

Trotz eines am Ende enttäuschenden Gesamtergebnisses blicken die Gladbacher nicht unzufrieden auf ihre erste Saison in der sagenumwobenen Champions League zurück. Das erste Spiel noch unter dem kurz danach zurückgetretenen Lucien Favre in Sevilla war schwach. Aber danach hielt das Team in allen Partien hervorragend mit und scheiterte eher an der unglücklichen Auslosung als an der Tatsache, dass dieser Wettbewerb grundsätzlich zu stark besetzt ist für diese Borussia. Und die erste Halbzeit von Manchester war eine Art Krönung dieser beachtlichen Gesamtperformance.

Gladbach spielte lange wie ein Spitzenteam

Der Bundesligist spielte in Manchester lange wie ein echtes Spitzenteam: mutig, technisch wie taktisch äußerst anspruchsvoll, individuell überzeugend und sogar resistent gegen den Schock eines frühen Rückstandes. Auf das 1:0 für die Engländer durch David Silva (16.) antwortete der Wettbewerbsneuling aus Deutschland mit dem schnellen Ausgleich (Julian Korb, 19.), einem noch dominanteren Auftritt und Raffaels Führungstreffer kurz vor der Halbzeit (42.).

Beiden Toren waren wunderbare Spielzüge über die linke Angriffsseite vorausgegangen. „Ich habe selten gesehen, dass eine Mannschaft, die seit Jahren Hoffnungen hat, die Champions League zu gewinnen, so an die Wand gespielt wird“, sagte Max Eberl.

City spielte wie entfesselt

Dann folgte das, was City-Trainer Manuel Pellegrini später als „einen der besten Europapokalabende in der Geschichte seiner Mannschaft“ bezeichnen sollte. Nach der Pause spielten die hochkarätig besetzten Engländer wie entfesselt. „Dann haben die ihre Qualität auf den Rasen gebracht“, sagte Julian Korb. Die Tore von Raheem Sterling (80., 81.), die das Spiel entschieden, waren leistungsgerecht.

Trainer Schubert hofft darauf, dass die aufregenden Erlebnisse auf internationalem Terrain die Mannschaft „motivieren, das wieder zu erreichen“. Ein würdiger Teilnehmer an der Champions League waren sie nämlich schon in diesem Jahr.