Gladbachs Hochbegabter Dahoud steckt im Leistungsloch

Nur bei der Pleite gegen Manchester City durfte Mahmoud Dahoud ein komplettes Spiel für die Fohlen absolvieren.
Nur bei der Pleite gegen Manchester City durfte Mahmoud Dahoud ein komplettes Spiel für die Fohlen absolvieren.
Foto: dpa
Mahmoud Dahoud stand in dieser Saison erst einmal über 90 Minuten für Borussia Mönchengladbach auf dem Feld. Im Training fehle ihm die Bissigkeit.

Leipzig. Mahmoud Dahoud spricht nicht. Jedenfalls nicht öffentlich. Borussia Mönchengladbach schirmt das Fußball-Talent mit syrischen Wurzeln, das elegant wie eine Feder technisch hochwertige Ballbehandlung zelebrieren kann, konsequent ab. Dabei wäre der Bundesliga-Abend im Leipziger Arena-Kessel einer gewesen, über den der U21-Nationalspieler sicher etwas zu sagen gehabt hätte. Doch Dahoud marschierte schnurstraks zur Umkleide. Das grasgrüne Dress war fleckenfrei geblieben. Beim glücklichen 1:1 (0:1) gegen RBL hatte Trainer André Schubert erneut auf seinen Hochbegabten verzichtet. Obwohl die Borussia bis sechs Minuten vor dem Ende einem Rückstand verzweifelt hinterhergehechelt war.

"Ich suche immer nach der bestmöglichen Lösung für meine Mannschaft", antwortete Trainer Schubert auf die unbequeme Dahoud-Frage, "Mo ist nicht an der Leistungsgrenze, die er in er vergangenen Saison in der Hinrunde und weitgehend auch in der Rückserie erreicht hat." Der defensive Mittelfeldspieler mit dem Hang zum Ankurbler und einem fiktiven Marktwert von 15 Millionen Euro müsse sich im Training mehr anbieten. Genau eine Einheit bleibt Dahoud Zeit, um sich für die Startelf des Ingolstadt-Spiel am Samstag zu qualifizieren.

Gegen die Schanzer allerdings ist mit einem ähnlich laufintensiven Gezerre zu rechnen wie in Leipzig. "Hohes Pressing" heißt im Fußballer-Sprech das, was Gladbach besonders weh tut. Ein bewegungsfreudiger Gegner stellt, extrem früh attackierend, immer wieder Räume für den Spielaufbau zu. Nicht gerade ein Feld, das mit einem eleganten Dahoud optimal zu beackern wäre.

Kramer und Christensen nur wenig überzeugend

Zumal die Saison am Neujahrskind bislang irgendwie vorbeiläuft. Genau einmal durfte Dahoud in acht Pflichtspielen über 90 Minuten ran: Bei der 0:4-Abreibe im Etihad Stadium zu Manchester ging er mit Borussia gründlich baden. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison verpasste Dahoud von 41 Pflichtspielen nur zwei. War als Sechser gesetzt. Meist an der Seite von Granit Xhaka. Das angebliche Transferinteresse von Italiens Meister Juventus Turin in der Winterpause nebst achtstelliger Ablöse ist verdammt weit weg.

In Leipzig am Mittwochabend war es allerdings nicht so, als hätte Weltmeister Christoph Kramer seinen Startplatz auf der Dahoud-Position zementiert. Oder der verkappte Sechser Andreas Christensen, der als Innenverteidiger besser aufgehoben ist, Dahoud in den Schatten gestellt. Kramer hatte gar einen fehlerlastigen, einen schlechten Abend. Und war hinterher heilfroh, dass Fabian Johnsons Ausgleichstreffer aus einem mäßigen Borussia-Auftritt noch einen großen Kampf gezaubert hatte. Ein Tor verändert Empfindungen, Sichtweisen. Und sei es kurz vor Schluss noch so glücklich gefallen.

Die Borussen freuten sich über den Massel-Punkt bei den Bullen. Mahmoud Dahoud wirkte eher zerknirscht. In der Not war er nicht gefragt. Aber vielleicht sollte sich der 20-Jährige die Worte seines Trainers zu Herzen nehmen. André Schubert erwartet von seinem Zauberlehrling ein gewisses Maß an Bissigkeit, nicht nur Brillianz. Im Training und erst recht im Spiel. Selbst beim lockeren 4:1 gegen Bremen am vergangenen Samstag wusste Dahoud seinen Chef in den 26 Spielminuten nach seiner Einwechslung nicht zu überzeugen. Der Hochbegabte steckt im Leistungsloch.

 
 

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