Gladbachs gute Form trifft auf Leverkusens Krise

Glückliche Gladbacher nach dem Sieg gegen die Bayern: (v.li.) Oscar Wendt, Fabian Johnson, Havard Nordtveit und Andreas Christensen.
Glückliche Gladbacher nach dem Sieg gegen die Bayern: (v.li.) Oscar Wendt, Fabian Johnson, Havard Nordtveit und Andreas Christensen.
Foto: imago/Team 2
Die angriffslustigen Borussen sind entschlossen, die sportlichen Probleme in Leverkusen zu verschärfen. Für Drmic ist es ein ganz besonderes Spiel.

Mönchengladbach. Etwas schummrig wird Kevin Kampl schon beim Gedanken an den Wochenendbesuch. „Gladbach war zuletzt super unterwegs“, weiß Leverkusens Mittelfeldspieler. Und der frühere Dortmunder lässt sich auch durch die Ereignisse unter der Woche nicht täuschen. „In der Champions League haben sie zwar gerade verloren – in der Liga dafür aber einen mega Lauf“, betont Kampl und schlägt der eigenen Abteilung schlicht vor: „Wir müssen unseren Arsch in die Hand nehmen und versuchen, da rauszukommen.“

Durch die fahrlässig ausgeschlagene Doppel-Einladung aus Barcelona und Rom, doch noch ins Achtelfinale der Königsklasse zu rutschen, hat sich der Flurschaden in Leverkusen ausgeweitet. Geht die Partie gegen Gladbach an diesem Samstagabend ab 18.30 Uhr und damit der Anschluss an die internationalen Plätze verloren, droht bei Bayer ein Flächenbrand. Und die angriffslustigen Borussen sind entschlossen, die sportliche Krise beim Werksklub zu verschärfen.

Die schönen Ausflüge der letzten drei Monate nach Sevilla, Turin und Manchester sollen ihnen dabei zusätzlich Beine machen – auch wenn der europäische Einsatz anders als bei Leverkusen nicht mal in den Seitenausgang Europa League mündete. „Unsere Erfahrung in der Champions League muss ein Ansporn sein, wieder einen Europapokalplatz zu erreichen. Dafür brauchen wir eine gute Saison – und drei Punkte aus Leverkusen“, verdeutlicht Trainer André Schubert.

Johnson kommt immer besser in Fahrt

Die Zuversicht des 44-Jährigen speist sich vor allem aus der wuchtigen Eleganz seiner Offensive, bei der jüngst sogar die Bayern für eine fatale Viertelstunde die Kontrolle verloren. Verzückt verfolgten die Sympathisanten der Borussia somit einmal mehr das fruchtbare Zusammenspiel von Lars Stindl und Raffael: Die Liga-Quote des deutsch-brasilianischen Sturm-Duos liegt aktuell bei einer Beteiligung an 22 der 31 Gladbacher Treffer – wobei der eine dem anderen den Ball schon mal auflegt.

Immer mehr in Fahrt kommt zudem Fabian Johnson, auf der linken Angriffsseite exzellent unterstützt von Oscar Wendt. Leverkusen ist gewarnt. Nicht zuletzt vor Stindl, dessen breit gefächerte Fähigkeiten auch Lucien Favre in sein persönliches Testlabor übernahm: Bis zu seinem Rücktritt bot der Schweizer Coach den Neuzugang aus Hannover mal im defensiven Mittelfeld, mal auf der Außenbahn, mal als Stürmer auf. Bis Favre-Nachfolger Schubert ein Einsehen hatte und Stindl („Dass es am Anfang nicht klappte, lag hauptsächlich an mir“) auf dessen bevorzugte Position im Zentrum dirigierte.

Werkself wollte Stindl holen

Bayer hätte den 27-Jährigen im Sommer gern verpflichtet. Wegen des von ihm georteten Entwicklungspotenzials der Borussia entschied sich Stindl aber für den westlichen Außenposten der Liga – und vertreibt im Dunstkreis Gladbacher Trophäen seinen Ruf, ein unscheinbar Top-Begabter zu sein. Sportdirektor Max Eberl machte sich zuletzt für eine Einladung Stindls zur DFB-Auswahl stark.

Der Spieler selbst verweist brav auf die starke Konkurrenz, sagt, er könne seine Chancen „realistisch“ einschätzen, lässt Bundestrainer Joachim Löw aber schon wissen: „Das Nationaltrikot wäre ein Traum.“ Ein Traum, den er mit technisch hochwertigen Treffern wie zuletzt gegen die Bayern verfolgt. Oder in der Königsklasse, wo er gegen europäische Spitzenteams wie Juventus und ManCity auf sich aufmerksam machte.

Stindl ist angekommen - Drmic noch nicht

„Ich bin angekommen“, sagt Stindl nach einem knappen halben Jahr am Niederrhein. Für Josip Drmic, im Sommer aus Leverkusen nach Gladbach gewechselt, gilt das noch nicht. Mit einer Ablösesumme von zehn Millionen Euro war der Schweizer mehr als dreimal so teuer wie Stindl, Drmic zeigte zuletzt immerhin gute Ansätze.

„Für mich ist es ein ganz besonderes Spiel“, sagt der 23-Jährige vor dem Wiedersehen mit den alten Kollegen und bewirbt sich bei An­dré Schubert: „Der Trainer hat die Karte Drmic – ob er sie einsetzt, werden wir sehen.“

 
 

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