Gladbachs Favre nennt Preußen Münster nach 3:0-Sieg respektlos

Trainer Lucien Favre durfte sich über einen 3:0-Sieg der Gladbacher Borussia im Test gegen Preußen Münster freuen.
Trainer Lucien Favre durfte sich über einen 3:0-Sieg der Gladbacher Borussia im Test gegen Preußen Münster freuen.
Foto: Dennis Grombkowski/Getty Images
Vor über 3000 Zuschauern musste Gladbachs Trainer Lucien Favre im Testspiel gegen den Drittligisten Preußen Münster auf die verletzen Mike Hanke und Alexander Ring verzichten. Igor de Camargo, Thorben Marx und Braminir Hrgota trafen beim verdienten 3:0-Sieg der Borussia.

Alstätte.. Man könnte meinen, Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl sei mit dem gesamten Fohlen-Tross Richtung Enschede gereist, um Twente davon zu überzeugen, endlich Wunschstürmer Luuk de Jong freizugeben. Der weite Weg vom Niederrhein bis ins münsterländische Alstätte bei Ahaus hatte aber einen anderen Grund. Sechs Kilometer vor der Landesgrenze zur Niederlande bog der Mannschaftsbus des Champions-League-Teilnehmers ab und traf in einem Testspiel auf den Drittligisten Preußen Münster.

Die Domstädter hatten keine 24 Stunden zuvor überraschend Mirko Slomkas Hannover 96 mit 2:0 in Telgte geschlagen und spielten gegen die Borussia mit einer fast komplett umgestellten Mannschaft einer "B-Mannschaft", wie sie Gladbachs Trainer Trainer Lucien Favre nach dem Spiel verärgert bezeichnete. Das sei mehr als respektlos der Borussia gegenüber. Die Adlerträger, deren Saisonbeginn unmittelbar vor der Tür steht, wollten gegen den Bundesligisten offenbar der zweiten Garde auch einen Top-Test bieten.

Bei Schützenfeststimmung vor über 3000 Zuschauern im Stadion am Bahnhof musste Favre in Alstätte auf die verletzen Mike Hanke und Alexander Ring sowie die Olympia-Teilnehmer Alvaro Dominguez und Yuki Otsu verzichten, hatte aber trotzdem reichlich Spieler mitgenommen, die er in den 90 Minuten aufbieten konnte. Vor allem über der linke Seite der Fohlen waren die ersten Angriffe der Borussia vielversprechend. Juan Arango und Kapitän Filip Daems überrannten die Preußen ein ums andere Mal und der junge Alexander Bieler aus der zweiten Mannschaft hätte früh die Zeichen auf Sieg stellen können (2., 6.).

Es zeigte sich früh, dass die Preußen von Trainer Pavel Dotchev im strömenden Regen und bei herbstlichen Temperaturen keine Chance hatten, sich aus der Umklammerung des Bundesligisten zu befreien und aus der eigenen Hälfte zu kommen. Erst in der 20. Minute musste Gladbach-Torwart Christopher Heimeroth das erste Mal eingreifen. Sein robuster Einsatz gegen Marco Königs blieb folgenlos. Ein ebenbürtiger Gegner war es nicht für die Borussia. "Wir wollten gegen einen Drittligisten testen", schüttelte Favre aufgeregt den Kopf. Das war nur auf dem Papier der Fall.

Marx mit viel Übersicht

Auf dem Platz sah es anders aus. Routinier Thorben Marx erkämpfte sich den Ball im Mittelfeld, schickte Patrick Hermann auf die Reise und der Offensivspieler bediente Igor de Camargo, der die Führung für die Borussen erzielte. Ein Kinderspiel. Die Preußen versuchten nach dem Rückstand, mitzuspielen. Allein: es blieb bei zaghaften Versuchen. Es fehlte an Durchschlagskraft und Spritzigkeit. So war es wenig verwunderlich, dass auch im weiteren Spielverlauf die Bundesliga-Spieler die Partie diktierten. Ein bisschen Druck auf Preußen-Schlussmann Schulze-Niehues, ein Missverständnis der Münsteraner Hintermannschaft und ein Marx mit viel Übersicht, bedeuteten das 2:0 für den Bundesligisten (41.).

Gladbach wechselte in der Pause die Trikots und fast die komplette Mannschaft und auch das wechselhafte Wetter ließ ab und an die Sonne durchblitzen. Vor allem Neuzugang Peniel Mlapa, von der TSG Hoffenheim an den Niederrhein gewechselt, war ein dauerhafter Gefahrenherd in Münsters Hälfte (47., 64.), blieb aber ohne Torerfolg. Die Preußen wechselten nach und nach die Spieler aus dem 96-Test ein, deren schweren Beine wollten aber auch nicht mehr bei schwierigen Bodenverhältnissen. So war es kaum verwunderlich, dass auch das dritte und letzte Tor von einem Gladbacher erzielt wurde. Amin Younes setzte sich an der Torauslinie durch und bediente den Schweden Branimir Hrgota, der das 3:0 markierte.

Es war kein Schützenfest im tiefsten Westfalen - das fand nur vier Kilometer entfernt in Wessum statt - eher ein Test auf mäßigem Niveau. Für die Preußen beginnt in der kommenden Woche die Drittliga-Saison, Borussia Mönchengladbach begibt sich ab dem 20. Juli ins Trainingslager an den Tegernsee. Dann ist sicherlich Favres Ärger über den Test verzogen und ganz vielleicht auch endlich der Wunschstürmer de Jong mit im Mannschaftsbus. Dazu wollte der Trainer nichts mehr sagen. Er wollte nur schnell weg.


Borussia Mönchengladbach:

1. Halbzeit: Heimeroth - Zimmermann, Brouwers, Nordtveit, Daems - Marx, Korb - Herrmann, Arango - Bieler - de Camargo

2. Halbzeit: Heimeroth - Jantschke, Stranzl, Dams, Wendt - Cigerci, Xhaka - Rupp, Hrgota - Younes -Mlapa

 
 

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