Gladbachs Drmic: „Ich hatte Angst um meine Karriere"

Henrik Jacobs
Josip Drmic.
Josip Drmic.
Foto: firo
Gegen seinen Ex-Klub HSV muss der Gladbacher Stürmer noch zuschauen. Der 24-Jährige hat in seiner langen Leidenszeit gelernt, Geduld zu haben

Hamburg. Der Mannschaftbus des HSV fuhr gerade auf der Autobahn zwischen Leverkusen und Hamburg, als Josip Drmic die Schmerzen bemerkte. Sein rechtes Knie wurde immer dicker. Noch ahnte der Schweizer nicht, dass die Partie bei Bayer Leverkusen am 13. März dieses Jahres seine letzte für den HSV gewesen sein sollte. Schließlich war es ein ganz normaler Zweikampf, das Duell gegen Marlon Frey. Ein kurzes Stechen im Knie. Mehr nicht. Drmic spielt bis zum Schluss. Doch im Bus merkte er, dass etwas nicht stimmte. Die Schockdiagnose folgte am nächsten Morgen: Knorpelschaden. Operation. Sechs Monate Pause. Nie wieder HSV. Und viel schlimmer: das Aus für die EM in Frankreich. Auch die Gladbacher reagierten: Beim folgenden Ligaspiel auf Schalke grüßten die Borussen den Verletzten auf T-Shirts mit der Aufschrift „Josip, wir sind bei Dir“.

Genau sieben Monate ist dieser Moment nun her. Josip Drmic kommt gerade von der medizinischen Behandlung. Er arbeitet jetzt wieder für Borussia Mönchengladbach. Am Samstag (15.30 Uhr) trifft seine Mannschaft auf den HSV. Für Drmic ist die Partie eine Begegnung mit einer der schönsten und zugleich schwersten Zeiten seiner noch jungen Karriere: den sechs Wochen in Hamburg. Und den sieben Monaten danach. Zum ersten Mal seit dem Tag im März spricht der 24-Jährige ausführlich über die lange Leidenszeit. „Für mich ist eine kleine Welt zusammengebrochen“, sagt Drmic im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt.

Zwischen Arztpraxis und Kraftraum

Rückblick: Am 1. Februar, dem letzten Tag der Wintertransferperiode, leiht der HSV den Stürmer von Borussia Mönchengladbach aus. Die Hamburger zahlen für ein halbes Jahr 1,2 Millionen Euro Ablöse. Viel Geld für einen so kurzen Zeitraum. Doch Drmic ist der Hoffnungsträger. In Gladbach kam der Nationalspieler kaum zum Zug, konnte die zehn Millionen Euro Ablöse in seinem ersten halben Jahr nicht rechtfertigen. In Hamburg will Drmic zurück zu alter Stärke finden. Aber in seinem sechsten Spiel für den HSV verletzt er sich schwer.

„Es ist schade, dass ich mich so verabschieden musste“, sagt Drmic, der sein kurzes Gastspiel in Hamburg aber in bester Erinnerung behält. „Ich hatte beim HSV eine geile Zeit in einer super Mannschaft“, sagt Drmic.

Emotionales Wiedersehen mit dem HSV

Entsprechend emotional wird für Drmic das Wiedersehen mit dem HSV. Das Spiel wird er allerdings auf der Tribüne verfolgen müssen. Nach einem halben Jahr, das Drmic zwischen Arztpraxen und Krafträumen verbrachte, nahm er in der vergangenen Woche zumindest wieder am Mannschaftstraining teil. „Es war ein super Gefühl, wieder den Rasen zu spüren.“ Noch ist Drmic aber weit davon entfernt, wieder Spiele zu bestreiten. „Mein Knie entscheidet, wann ich spielen kann.“

Heute ist er demütig geworden. Drmic weiß, wie schnell das Leben als Profi vorbei sein kann. „Ich hatte Angst um meine Karriere. Man hört oft, dass Sportler mit einem Knorpelschaden aufhören mussten.“ Drmic hat gelernt, Geduld zu haben, auf die Signale seines Körpers zu hören. Spätestens in der Rückrunde will er wieder spielen.