Gladbacher Spieler sagen den Bayern den Kampf an

Michael Ryberg
André Hahn war in Glasgow bester Gladbacher.
André Hahn war in Glasgow bester Gladbacher.
Foto: Getty Images

Glasgow. Es gibt Siege, die kitzeln aus Profifußballern verbale Euphorie heraus. Nach dem 2:0 von Borussia Mönchengladbach im Celtic Park zu Glasgow war das tatsächlich der Fall. Erst wurde über einen möglichen zweiten Platz in der Gruppenphase der Champions League und damit über den Achtelfinaleinzug diskutiert, der mit den Heimspielen gegen Celtic (1. November) und Manchester City (23. November) vor der Nase plötzlich greifbar scheint.

Und wo die Elf vom Niederrhein schon bei Kleinigkeiten war. „Wir wollen nach München fahren“, erklärte 2:0-Torschütze André Hahn durchaus forsch, „um da gegen die Bayern zu gewinnen. Wie wir das machen, wird der Trainer entscheiden.“ Am Samstag ab 18.30 Uhr (live in unserem Ticker) in der Allianz-Arena, um ganz genau zu sein.

Eberl beeindruckt die Kulisse

Niemand warf Hahn vor, in seiner Einschätzung vielleicht ein wenig über das Ziel hinauszufliegen. Selbst sein Chef André Schubert nicht. Schließlich war die Mannschaftsleistung der personell geschwächten Gladbacher am River Clyde beeindruckend. „Sehr reif in der Art und Weise“, wie Trainer Schubert befand. Natürlich war Celtic nicht Barcelona. Oder Bayern. Trotzdem: Mit null Punkten auf dem Konto, ohne vier Stammspieler auf dem Rasen und gegen eine frenetische Kulisse aus 57 000 lautstarken Glaswegians auf den Rängen muss man erst einmal bestehen. „Celtic hat schließlich mit zwölf Mann gespielt“, wie Borussias Sportdirektor Max Eberl anmerkte.

Gladbach zeigte Direktpassfußball nach vorn, spielte in der Viererkette mit zwei Sechsern davor dazu defensiv überaus geschlossen. Celtic hatte große Mühe, die laufstarken Borussen überhaupt irgendwie auszuhebeln. Schuberts 4-2-3-1-Taktik ging voll auf.

Auch, dass er Tobias Strobl im defensiven Mittelfeld nach vierwöchiger Verletzungspause den Vorzug vor Mahmoud Dahoud gab. Die Robustheit des Hoffenheimer Sommertransfers plus eine große Ballsicherheit machten aus dem Personalwechsel mit Techniker Dahoud einen Volltreffer.

Strobl zähmt sein Adrenalin

Einen Blumenstrauß an Lob mochte der gebürtige Münchener Strobl allerdings nicht annehmen: „Alle haben eine Superleistung gebracht, da muss man doch keinen herausnehmen.“ Der sonst stets kühl antwortende Strobl konnte dennoch sein Adrenalin nicht ganz zähmen: „Das war bisher der Höhepunkt meiner Fußballer-Karriere. Der Abend hier bei Celtic war einfach nur herrlich.“

Dass mit André Hahn und Lars Stindl ausgerechnet jene beiden Borussen die Treffer vorbereiteten und erzielten, die am Samstag beim 0:0 gegen den HSV jeweils noch einen Strafstoß versiebt hatten, verlieh dem Treffen in Parkhead eine besondere Note. „Es war die perfekte Vorbereitung auf das Bayern-Spiel am Samstag, das schwerste der Saison. Wir fahren mit einer großen Portion Selbstvertrauen hin“, betont Kapitän Stindl.

Weit weniger euphorisch ist Borussias Interimsabwehrchef. „Bayern wird ein anderes Kaliber, Bayern ist Weltklasse“, sagt Innenverteidiger Jannik Vestergaard, der einen vorzüglichen, weil fehlerfreien Abwehr-Turm für seinen verletzten Kumpel Andreas Christensen gegeben hatte. Dass die Münchener zuletzt etwas geschwächelt und deshalb Kritik von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kassiert hatten, mochte der Däne nicht als Argument für gute Punktechancen nehmen: „Bayern in der Krise? Das ist doch in erster Linie eine Medienerfindung.“ Ein kleiner Beweis für diese These mag das 4:1 über den PSV Eindhoven sein.