Gladbach will sich auf dem Weg nach oben treu bleiben

David Nienhaus
Vorfreude auf die Champions League: Im September trägt Gladbachs Coach Lucien Favre den Königsklassen-Anzug.
Vorfreude auf die Champions League: Im September trägt Gladbachs Coach Lucien Favre den Königsklassen-Anzug.
Foto: imago/DeFodi
Der Fußball-Bundesligist bereitet sich auf seine erste Saison in der Champions League vor. Die Nachricht von einem Interesse des FC Schalke 04 an Max Eberl trübt die Stimmung nicht.

Rottach-Egern. Im Minutentakt stürzen sich die Gleitschirmflieger vom Roßstein-Gipfel hoch über dem Tegernsee ab ins Tal. Geräuschlos schweben sie ins Tal, vorbei am beeindruckende Bergpanorama und über den Sportplatz des FC Rottach-Egern. Dort können sie in luftiger Höhe die Kommandos von Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre vernehmen, der seine Mannschaft zum vierten Mal in Folge im Urlaubsparadies auf die kommende Saison vorbereitet. Auf eine Premierensaison: Erstmals spielt der Klub vom Niederrhein als Gipfelstürmer in der Champions League. Ein Überblick.

Die Premierensaison

König Ludwig II ist am Tegernsee allgegenwärtig, die Königsklasse nicht minder. Das Glänzen in den Augen der Profis von Borussia Mönchengladbach ist selbst nach anstrengenden Konditionseinheiten am Tegernsee nicht zu übersehen. Die Champions League "soll ein Fest für den Verein und die Fans werden", erklärt André Hahn: "Gänsehaut ist garantiert".

Der Aderlass

Zwei Spieler waren an Gladbachs Gipfelsturm besonders beteiligt. Schmerzhaft musste die Borussia die Abgänge von Weltmeister Christoph Kramer und Nationalstürmer Max Kruse verkraften. Während Kramer nur ausgeliehen war und zu Bayer Leverkusen zurückkehrt, schloss sich Kruse dem Vizemeister VfL Wolfsburg an. Dass beide Profis nicht zu halten waren, zeigt die Rolle des Tabellendritten in der Liga: Gladbach ist auf dem Weg nach oben, bleibt aber ein Ausbildungsverein für finanzstarke Klubs.

Die Neuen

Allerdings ist es nicht so, als habe die Borussia keine Mittel. Der Europapokal spült Millionen auf ein Konto in Mönchengladbach, von dem der Klub Spieler wie Josip Drmic (zehn Millionen Euro an Bayer) und Lars Stindl (drei Millionen Euro an Hannover) verpflichten konnte. Während Drmic die Lücke, die Kruse hinterlassen hat, schließen soll, ist die Rolle Stindls im Team noch nicht geklärt. Trainer Lucien Favre prüft im Trainingslager verschiedene Optionen mit Stindl auf der Sechs, auf dem Flügel oder hinter den Spitzen. Für die Abwehr holte Gladbach mit Andreas Christensen (von Chelsea) und Nico Elvedi (aus Zürich) zwei talentierte Youngster und mit Tobias Sippel einen neuen zweiten Torwart hinter der Nummer eins Yann Sommer.

Der Rückhalt

Nur zehn Gegentreffer kassierte Gladbachs Keeper in der Rückrunde der vergangenen Saison. Ein Ligarekord. Der Schweizer Nationaltorwart hat Marc-André ter Stegen am Niederrhein sportlich vergessen gemacht und sich sofort unter den besten drei Schlussleuten im Oberhaus etabliert. Auch Martin Stranzl sei hier zu nennen. Der Innenverteidiger ist mit 35 Jahren der Methusalem der Borussen-Abwehr, aber noch immer gehört er zu den zweikampfstärksten Spielern der Bundesliga. Er soll die jungen Elvedi und Christensen führen.

Der Aufsteiger

Saß Patrick Herrmann zu Saisonbeginn nur auf der Bank, fand er sich am Ende der Spielzeit im DFB-Trikot wider. Mit elf Treffern und fünf Vorlagen war der 24-Jährige zweitbester Scorer hinter Kruse. Herrmann ist vor allem im Torabschluss gereift und hat auch im athletischen Bereich zugelegt. Die Europameisterschaft im kommenden Jahr wäre "ein Traum" für den Offensivmann, der mittlerweile zu den Anführern im Team gehört.

Der Trainer

An der Seitenlinie hat noch immer Lucien Favre das Sagen beim Champions-League-Teilnehmer. Der Schweizer Fußballlehrer hat Borussia Mönchengladbach vom Abgrund in die zweite Bundesliga in Europas Eliteliga geführt. Favre steht für kontrollierten, variantenreichen Offensivfußball, aber auch für taktische Disziplin und defensive Stabilität. Vom Fußballmagazin "11 Freunde" zum Trainer der Saison gekürt, schafft es der älteste Coach der Liga, jeden einzelnen Spieler besser zu machen. Ein Trumpf am Verhandlungstisch von Manager Max Eberl.

Der Manager

Eberl genießt längst einen exzellenten Ruf in der Branche, so dass auch die Konkurrenz ein Auge auf den Sportdirektor der Gladbacher geworfen hat. Wie der "kicker" am Donnerstag berichtete, soll Schalke-Boss Clemens Tönnies versucht haben, Eberl nach Gelsenkirchen zu locken. der Manager blockte alle Gespräche ab. Der 41-Jährige ist der Baumeister der Borussia und zusammen mit Favre das sportliche Duo der Stunde in der Liga. Verhandlungsgeschick und ein klares Konzept zeichnen Eberl aus. "Nachhaltig" will er in Mönchengladbach Top-Fußball etablieren, ohne "verrückte Sachen zu machen".

Die Taktik

Borussia Mönchengladbach wird - das ist im Trainingslager schon zu erkennen - auch in der kommenden Saison mit einer 4-4-2-Grundordnung agieren. Allerdings ist diese Taktik sowohl in Ballbesitz als auch gegen den Ball sehr variabel. Favre will künftig mit seiner Elf noch dominanter auftreten, über die Außen Druck machen und gegen den Ball hoch pressen, um den Gegner in gefährlichen Räumen zu Ballverlusten zwingen.

Das Saisonziel

Eine Kampfansage, jetzt Dauergast in der Champions League sein zu wollen, wird man am Niederrhein nicht zu hören bekommen. Stattdessen fährt der Klub die konservative Schiene, die in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich war: Die Borussia will sich "in der Einstelligkeit etablieren" (Eberl) und "da sein, wenn die Konkurrenz schwächelt" (Herrmann). Das gilt für die Liga. In der Champions League möchte Gladbach nicht nur den olympischen Gedanken leben, sondern mindestens in die Gruppenphase einziehen.

Die Testspiele

Schon in der Vorbereitung kann die Borussia mit einem Sieg gegen FC Bayern München aufbieten. Beim heimischen Telekom Cup schlug Gladbach den deutschen Rekordmeister im Spiel um Platz drei. Im Trainingslager trennte sich Mönchengladbach mit einem 1:1 vom Premier-League-Klub Swansea City. Am Samstag spielt die Borussia gegen State Rennes, am Sonntag gegen Standard Lüttich. Mit dem FC Porto (24. Juli), Bursaspor (25. Juli) und Newcastle United (1. August) testet der Klub gegen weitere internationale Gegner, die Appetit auf die anstehende Champions-League-Saison machen.