Gladbach-Trainer Schubert: "Solch ein Spiel kommt einmal in zehn Jahren vor”

Ibrahima Traoré liegt nach dem Spiel enttäuscht auf dem Boden.
Ibrahima Traoré liegt nach dem Spiel enttäuscht auf dem Boden.
Borussia Mönchengladbach hat es gegen den HSV nicht geschafft, ein Tor zu erzielen. Warum? Das fragten sich die Gladbacher nach dem Spiel selbst.

Mönchengladbach. Das Gesicht des Bundesliga-Spiels am Samstagnachmittag im Borussia-Park trug ein blaues Oberlippenpflaster. Gladbachs abgekämpfter Angreifer André Hahn konnte den Frust zwar verbal, nicht aber optisch verbergen. Einen Foulelfmeter hatte der Ex-Augsburger verschossen, dazu kam ein übler Zusammenstoß mit HSV-Torhüter René Adler, der dem Blondschopf eben jene Risswunde im Gesicht bescherte. Drei Stiche ohne Narkose waren bei Halbzeit weniger schmerzhaft als das Endresultat. Weil Lars Stindl einen zweiten Elfmeter gegen die HSV-Querlatte donnerte, blieb es beim frustrierenden 0:0 gegen den Tabellenletzten.

“Wir haben trotzdem ein gutes Spiel gemacht”, versicherte André Hahn zwar. Doch das war im Hinblick auf das Champions-League-Treffen bei Celtic Glasgow am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky) eher eine Behauptung, um das Selbstvertrauen nicht anzugraben. Es überwog bei der Elf vom NIederrhein die Enttäuschung, gegen laufstarke, geschickt verteidigende, aber offensiv chancenlose Hamburger nicht den elften Bundesliga-Heimsieg in Serie gesetzt zu haben.

HSV-Trainer Markus Gisdol genoss ein wenig die fußballerische Sonne: “Das war taktisch brillant, deshalb war der Punkt für uns nicht unverdient.” Über diese Spielauslegung mochte Borussia-Trainer André Schubert gar nicht schmunzeln: “Also verdient sehe ich die Punkteteilung nicht, solch ein Spiel kommt einmal in zehn Jahren vor.”

Das der Chefcoach nicht allein an den beiden Foulelfmetern festmachen wollte. Aber auch. André Hahn scheiterte in der 25. Minute an HSV-Torsteher René Adler. Zuvor hatte der Brasilianer Cleber Borussia-Kapitän Lars Stindl im Strafraum gefoult. Und weil Cleber eine klare Torchance vereitelt hatte, gab es von Referee Wolfgang Stark einen Feldverweis obendrauf. Was die Gäste dazu veranlasste, fortan noch weniger mitzuspielen und die Räume für anrennende Gladbacher immer engmaschiger zu stricken.

Strafstoß zwei versiebte Lars Stindl in der 61. Minute dann selbst. Unglücklich, weil zu hoch gezielt und nur die Querlatte getroffen. Da blieb noch genügend Zeit, um dem einseitigen Treffern auch das richtige Endresultat zu verpassen.

Eine Kunst für sich

Richtig frustig allerdings gestaltete sich aus Gladbacher Sicht die Schlussphase, in der der erlösende Treffer mehrmals in der Luft lag. Oscar Wendts Pfostentreffer per Distanzaufsetzer in der 90. Minute war schlichtes Pech. Lars Stindls Nachschuss am leeren Hamburger Gestänge aber ebenso Unvermögen, wie die Chancenverwertung von Nico Elvedi in der vierten Minute der Nachspielzeit. Der aufgerückte Schweizer Verteidiger tauchte frei vor dem linken HSV-Torpfosten auf, brachte es aber fertig, die ihm vor die Füße plumpsende Kugel überhastet am Ziel vorbeizusemmeln. Was aus zwei Metern Distanz eine Kunst für sich war.

“Vielleicht war da die Überzeugung vor dem Tor nicht mehr da”, mutmaßte der Eidgenosse nach dem Schlusspfiff ziemlich zerknirscht. Ein Schuss ins Ziel, und niemand hätte eine Debatte losgetreten. So sah es auch Gladbachs Sportdirektor Max Eberl: “Ein Punkt ist besser als keiner. Es hat nur das Tor gefehlt - für uns.”

Auf der Gegenseite feierten die Defensivarbeiter in Rosa den Punkt. “Das war ein glückliches 0:0, das der Moral allerdings sehr gut tut”, bekräftigte Alleinangreifer Pierre-Michel Lasogga. Torhüter René Adler sah die Lage der Emotionen ähnlich: “Es fühlt sich für uns ein bisschen so wie ein Sieg an.”

Während der HSV mit dem Heimspiel gegen Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) den ersten Saisonerfolg im achten Bundesliga-Spiel landen will, stehen für Gladbach nun mit Celtic Glasgow am Mittwoch und den Münchener Bayern am Samstag (18.30 Uhr/Sky) zwei enorme hohe Hürden im Kalender.

 
 

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