Gladbach steht vor dem Derby mit dem Rücken an der Wand

Enttäuscht: Ibrahima Traore nach der Gladbacher Niederlage in Sevilla.
Enttäuscht: Ibrahima Traore nach der Gladbacher Niederlage in Sevilla.
Foto: Julio Munoz / dpa
Borussia Mönchengladbach verlor fünf Spiele in Folge - doch ausgerechnet beim Derby am Samstag in Köln boykottieren viele Fans das brisante Duell.

Mönchengladbach. Nach fünf Niederlagen in Serie, begleitet von wachsender Angst und rapide sinkendem Selbstvertrauen, war es so weit. Lucien Favre, von Sportchef Max Eberl kürzlich mit dem Etikett „absolut unrauswerfbar“ versehen, sollte sagen, wie es bei fortgesetztem Absturz weitergehen soll in Mönchengladbach. Die Frage nach einer möglichen Amtsmüdigkeit parierte Borussias Trainer zunächst mit allgemeinen Hinweisen auf akute fußballerische Mängel und die eigene, unveränderte Arbeitsweise. Ehe er schließlich die amtliche Mitteilung machte: „Es ist eine besondere Herausforderung – für mich und für uns alle.“

Den nächsten Versuch, dem Alptraum zu entfliehen, starten seine Gladbacher unter zusätzlich erschwerten Bedingungen: Beim Derby in Köln muss das Liga-Schlusslicht am Samstag ohne einen Großteil seiner Fans auskommen. Der Grund dafür ist, dass auch die Domstädter eine enorme Herausforderung zu bewältigen haben – neben der sportlichen Verarbeitung des jüngsten 2:6 in Frankfurt. Und keiner weiß das besser als Jörg Schmadtke.

DFB ordnete personalisierte Tickets für die Auswärtsfans an

Der FC-Manager besitzt normalerweise die Ruhe eines tibetanischen Mönchs. Beim letzten Heimspiel gegen Hamburg ließ sich der 51-Jährige vom Boulevardblatt „Express“ zwecks Coolness-Check sogar eine Pulsuhr anlegen – doch siehe da: In den stressigsten Momenten war es auch bei Schmadtke mit der Entspanntheit vorbei. In der Spitze kam der frühere Keeper auf Puls 129. Nicht mehr messbar sein dürfte dieser Wert aber, wenn man den Schmadtke dieser Tage auf die Kölner Ultras anspricht.

Als Konsequenz aus dem Platzsturm von FC-Fans im Februar in Gladbach ordnete der DFB für Samstag personalisierte Tickets und ein begrenztes Kartenkontingent für die Auswärtsfans an. Maßnahmen, in deren Fahrwasser es zuletzt zu Kölner Solidaritätsbekundungen für die Borussen-Anhänger kam.

Das Diktat aus der DFB-Zentrale in Frankfurt verbindet eigentlich verfeindete Fan-Gruppen. Viele Gladbacher boykottieren das Nachbarschaftsduell, auf Seite der Gastgeber kündigte die Fanklub-Vereinigung „Südkurve 1. FC Köln e. V.“ an, im Stadion diesmal die üblichen Choreografien und Gesänge zu unterlassen – woraufhin Herrn Schmadtke der Kragen platzte.

Der Manager kritisiert, die Fans ließen das junge Team von Peter Stöger im Stich. „Damit zeigen sie einmal mehr: Ihre Eigeninteressen stehen weit über denen des Vereins“, echauffiert er sich und fordert: „Daraus müssen wir irgendwann die Schlüsse ziehen.“ Bislang setzt Präsident Werner Spinner – trotz zahlreicher, mitunter haarsträubender Vorkommnisse in den letzten Jahren – noch immer auf eine Politik des Dialogs mit den Ultras. Eine Taktik, die offensichtlich ins Leere läuft, weil der radikalere Teil der Anhängerschaft die Verständigung anders interpretiert: Miteinander reden – schön und gut, aber manchmal muss gehandelt werden. Ohne vorher miteinander gesprochen zu haben.

 
 

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