Gladbach muss Power-Fußball Tribut zollen – mit Geduld zum Sieg

Aufatmen und Jubeln in Mönchengladbach. Die Borussia beendet eine Niederlagenserie und feiert den Dreier gegen Berlin.
Aufatmen und Jubeln in Mönchengladbach. Die Borussia beendet eine Niederlagenserie und feiert den Dreier gegen Berlin.
Foto: Imago
Gladbach beendet eine Pleitenserie und feiert gegen Hertha BSC den ersten Erfolg seit drei Spieltagen. Aber nicht mit dem Power-Fußball vom Saisonstart.

Mönchengladbach. Der Zauberfußball, mit dem Borussia Mönchengladbach zum vermeintlichen Bayern-Jäger in der Bundesliga wurde, ist in den vergangenen Wochen jäh verblasst. Drei Pleiten in Serie ließen die kühnen Träume auf königliche Zeiten bei den Fans platzen. Aber nicht nur die Niederlagen bereiteten dem Klub vom Niederrhein und vor allem Trainer Lucien Favre Sorgen, auch die Art und Weise, wie Gladbach auftrat, gefiel dem Schweizer nicht. Beeindruckte der Bundesligist noch zu Saisonbeginn mit feiner Technik, schnellem Umschaltspiel und Power-Fußball, muss die Borussia genau diesem jetzt Tribut zollen.

Nach so vielen Englischen Wochen fehle ein bisschen die Power, gibt Mittelfeldmotor Christoph Kramer nach dem mühsamen 3:2-Sieg gegen die Hertha aus Berlin zu. „Das merkt man vielleicht nicht, aber die fehlt.“ Und wenn gerade bei diesem Umschaltspiel nur zwei, oder drei Prozent fehlen, dann werde es schwer, so der 23-Jährige. Vielleicht trete man deshalb auch unterbewusst mal auf den Ball, verschleppt das Tempo und denkt, „komm', lass uns jetzt nicht wieder alle nach vorne sprinten“. Auch Patrick Herrmann gesteht ein, „dass man merkt, dass wir ein paar mehr Spiele und Reisestrapazen haben“, die Fitness sei aber dennoch gut.

Gladbacher „Kampfsieg“ gegen Berlin

Statt Power-Fußball gab es gegen Berlin nüchterne, ergebnisorientierte Taktik mit ebenso viel Geduld wie Ballbesitz. „In der Vergangenheit wollten wir immer die Entscheidung erzwingen“, erklärt Granit Xhaka die Mini-Krise der Gladbacher. „Jetzt haben wir geduldig gespielt, abgewartet und auf Konter gelauert“, so der Mittelfeldspieler, der seine Mannschaft nach dem „Kampfsieg“ lobt. „Wir müssen alle an unsere Grenzen gehen, wenn wir punkten wollen. Und das haben wir gemacht.“ Auch wenn es nicht immer so schön ausgesehen habe, so habe die Mannschaft die Zweikämpfe angenommen und sei für einander gelaufen.

Macht nicht gerade so eine Flexibilität eine gutes Team aus? Dieser Sieg gegen Berlin sei vor allem „die richtige Antwort auf die uns angedichtete Krise“, sagt Kramer deutlich. „Eine Delle?“, fragt ein Journalist nach dem richtigen Terminus. Das lässt der Weltmeister gelten.

„Wir haben keine Träumer im Team“

Mit dem Sieg über die Charlottenburger stoppt Gladbach nicht nur den Abwärtstrend oder zeigt eine neue, sagen wir, spielerische Variante auf, nein, es „war auch der erste Schritt und eine Reaktion“ auf die vergangenen Wochen. „Für uns, unser Selbstvertrauen und für die Fans“.

Auch Favre war einverstanden. „Es war insgesamt ein sehr schweres und enges Spiel, aber ein verdienter Erfolg, mit dem ich zufrieden bin“, so der Coach, der weiß, dass seine Mannschaft noch „arbeiten, arbeiten, arbeiten“ muss. Als Bayern-Jäger oder Champions-League-Anwärter sieht sich der sachliche Schweizer, nicht. Er hat den Klub erst gerettet und dann zu einem Verein geformt, dessen Anspruch aus der Vergangenheit in der Gegenwart gar nicht mehr so fern klingt. „Wir haben keine Träumer im Team“, weiß Tony Jantschke. Dabei ist Träumen doch so schön.

 
 

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