Gladbach-Keeper Sommer sieht Klassenunterschied gegen den BVB

David Nienhaus
Während der BVB jubelte, musste Borussia Mönchengladbachs Schlussmann Yann Sommer (l.) frustiert die Bälle aus dem Netz holen.
Während der BVB jubelte, musste Borussia Mönchengladbachs Schlussmann Yann Sommer (l.) frustiert die Bälle aus dem Netz holen.
Foto: imago
An Torwart Yann Sommer lag es nicht, dass Borussia Mönchengladbach beim BVB deutlich mit 0:4 unter die Räder kam. Der Schweizer spricht von einer Lehrstunde.

Dortmund. Mit einer Hand lehnt Yann Sommer am Pfosten, in der anderen Hand seine Flasche mit isotonischen Drink. Sein Blick geht ins Leere. Frust ist drin abzulesen. Er versucht ihn mit einem großen Schluck herunterzuspülen. Ob der Torwart von Borussia Mönchengladbach in diesem Moment wusste, dass es ein rabenschwarzer Tag für sein Team in Dortmund werden würde? Bei dem einen Gegentor von Marco Reus in der 15. Minute sollte es nicht bleiben.

BVB spielt gegen Gladbach Klopp-Fußball im Tuchel-Stil

Drei weitere Male musste Sommer den Ball aus seinem Netz holen. Auf den Schluck aus der Pulle verzichtete der Keeper irgendwann. Sein Team verlor chancenlos bei Borussia Dortmund und verpatzte den Saisonauftakt der Fußball-Bundesliga damit gewaltig und die Fans des BVB feierten die Wiederauferstehen des spektakulären Vollgasfußballs wie zu besten Zeiten unter Jürgen Klopp – im Thomas-Tuchel-Stil.

„Das war in allen Belangen ein Klassenunterschied heute – physisch, technisch, in der Kreativität“, gab der Schweizer Nationaltorwar zu. „Es war eine kleine Lehrstunde für uns“, so die Bittere Erkenntnis. Mönchengladbach war „einfach nicht auf dem Platz.“ Der Schlussmann war bei der deutlichen Pleite hilflos. Sommer sah immer wieder den schwarzgelben Borussen-Express auf sich zukommen. Gladbach überließ seinem Gegner kampflos die Räume auf dem Rasen, so dass Reus, Shinji Kagawa, Henrikh Mkhitaryan oder Pierre-Emerick Aubameyang immer wieder Tempo aufnehmen konnten. „Wir haben als Kollektiv nicht gut verteidigt“, gestand Sportdirektor Max Eberl nach dem Spiel. Der Ärger war ihm anzusehen. „Was willst du denn machen, wenn Spieler dieser Qualität ins Eins-gegen-eins kommen und loslaufen?“

Jantschke und Eberl enttäuscht vom Auftritt des Gladbach-Teams

Auch Mannschaftskapitän Tony Jantschke war nach dem Spiel frustiert und enttäuscht. „Das war sehr, sehr bescheiden heute“, sagte der Außenverteidiger, der sich beim 0:1 alleine Reus gegenüber sah. „Was mich am meisten enttäuscht ist, dass wir uns heute nicht gegenseitig geholfen haben.“ Das, was Gladbach in den vergangenen Jahren immer stark gemacht habe, „das wir zusammen verteidigt haben, das wir viel verschieben“, habe sein Team in am Samstagabend vermissen lassen. „Es war eine bittere Lektion für uns alle heute“, erklärte Jantschke, der die Schuld aber nicht bei einzelnen suchen wollte. „Ich bin heute gefühlt nur hinterhergelaufen, so wie wir alle – egal, ob 19, 20, 25 oder 35 Jahre alt.“

Und jetzt? Der Saisonauftakt von Borussia Mönchengladbach ist derbe in die Hose gegangen. Beginnt die Spielzeit für den Champions-League-Teilnehmer nun erst am kommenden Sonntag in Mainz (ab 17.30 Uhr in unserem Live-Ticker) erst richtig? Nein, ist die einhellige Meinung der Gladbacher Profis. „Die Meisterschaft hat heute angefangen“, betonte Yann Sommer. „Wir müssen nach diesem Spiel viel korrigieren, viel sprechen und die Sequenzen sehr genau anschauen und in die Details gehen.“ Manager Eberl unterstrich diese Einschätzung: „Wir müssen relativ schnell lernen aus den Dingen, die wir verkehrt gemacht haben – das ist eine Menge.“

Borussias Keeper blickt nach vorne

In den Katakomben des Dortmunder Stadions lehnt Yann Sommer am Kabineneingang. Neben ihm steht Roman Bürki, sein Landsmann und Torwartkollege. Beide Torleute hatten am Samstagabend kaum Möglichkeiten, sich auszuzeichnen. Der eine hatte kaum etwas zu tun, der andere hatte kaum eine Chance. Sie unterhalten sich, scherzen, tauschen die Trikots. Der Frust Sommers scheint verflogen; sein Blick geht nach vorne. „Das war nicht unser Tag! Kopf hoch und nach vorne schauen!“, schreibt er bei Facebook. Dafür gab es spät am Abend immerhin über 3.500 Likes.