Gladbach hat wieder Hoffnung

Durch den 5:1-Erfolg im Derby gegen den 1. FC Köln findet Borussia Mönchengladbach im Abstiegskampf der Bundesliga Anschluss. Der Rückstand auf Relegationsplatz 16 beträgt zwei Punkte.

Mönchengladbach. Lucien Favre ist seit gut sechs Wochen Trainer in Mönchengladbach. Die kurze Zeit hat gereicht, um Favre eine Idee davon zu geben, wie wichtig den Fans das Derby gegen den 1. FC Köln ist. Diesmal gab es noch eine ganze Reihe von guten Gründen, um einen Sieg über den Rivalen zu landen: Die Partie war im Abstiegskampf bereits die letzte Gladbacher Patrone. Außerdem stand gestern das 100. Heimspiel im Borussia-Park an, und es ist ja nicht so, als hätten die Hausherren ihre Fans 99 Mal verwöhnt: 134:134 Tore lassen ahnen, dass es nicht immer die helle Freude war. Aber dann kam dieses Derby, kam dieses 5:1 (3:0): Gladbach hofft wieder. Gladbach rechnet wieder.

Fünf Spiele stehen noch an, der Rückstand auf Relegationsplatz 16 beträgt zwei Punkte. Das klingt machbar, doch es ist eine Rechnung, die nur für Optimisten aufgeht: Sie setzt voraus, dass St. Pauli ohnehin absteigt, und sie ignoriert, dass das Team von Lucien Favre nur noch zwei Heimspiele hat, der Konkurrent aus Wolfsburg aber drei, davon eins gegen die auswärts erschreckend labilen Kölner. Andererseits: Ohne das 5:1 wäre der Deckel jetzt drauf. „Wir mussten gewinnen, und jetzt brauchen wir immer noch eine Serie“, nickte Marco Reus.

Überragender Reus

Reus zog den Kölnern noch vor der Pause jeden Nerv. Weil sich die Elf von Gäste-Trainer Frank Schaefer auswärts so anfällig präsentiert, versuchte der Coach es mit einer Vollversammlung von Abräumern vor der Abwehr. Das ging eine halbe Stunde lang gut, dann machte Juan Arango aus einer Reus-Ecke das 1:0.

Damit war, was das Ergebnis angeht, nichts entschieden, in den Kölner Köpfen aber alles. Schaefer spürte, dass der Glaube, etwas zu holen, nach dem 0:1 weg war. „Und zwar sofort“, wie der Coach einigermaßen fassungslos erkannte: „Körpersprache, Selbstbewusstsein – alles bricht bei uns schlagartig weg.“

So hatte Gladbach leichtes Spiel. Reus erhöhte bis zur Pause nach zweimaliger Vorarbeit von Mike Hanke auf 2:0 und 3:0. Gegen jeden anderen Gegner wäre das Spiel für die Kölner damit unrettbar verloren gewesen. Aber auch in den Gladbacher Köpfen läuft ja ein schlimmer Film, und der handelt von mehreren Spielen, die die Borussia trotz komfortabler Führung noch in den Sand gesetzt hat. Als Köln mit etwas mehr Schwung nach der Pause durch Milivoje Novakovic auf 1:3 verkürzte, wackelte Gladbach prompt. „Aber an so einem Tag kommt alles zusammen“, seufzte Schaefer. Was heißt: Erst mit dem 4:1 durch Filip Daems umstrittenen Elfmeter war die Partie entschieden. Das 5:1 durch Havard Nordtveit legte nur erneut offen, wie abgrundtief Köln auswärts einbrechen kann.

Den geknickten Schaefer wird trösten, dass sein Team kaum noch in Abstiegsgefahr geraten kann. Kollege Lucien Favre würde jedenfalls gerne tauschen: Die Borussia hat auch mit dem 5:1 noch nicht mehr erreicht, als die Hoffnung noch am Leben zu erhalten. Die Hoffnung darauf, dass das 103. Heimspiel keine Zweitliga-Partie sein wird.

 
 

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