Gladbach gibt die richtige Antwort

Andreas Berten

Gladbach. Es ist erst ein paar Wochen her, dass Raúl Bobadilla von seinem Sprachunterricht zwischen den Trainingseinheiten von Borussia Mönchengladbach berichtete und nebenbei erwähnte, ihm fehle noch die Sicherheit, auf Deutsch zu antworten – aus Angst, die falschen Worte zu finden. Dieses beklemmende Gefühl hielt ihn am frühen Samstagabend, nach zwei selbst erzielten Toren und zwei Vorlagen zu Treffern seiner Teamkollegen, nicht davon ab, von einer Kamera zur nächsten zu hetzen. Sprachlich war es etwas ungelenk, als der 22-jährige Argentinier im Bauch des Borussia-Parks sagte, „ich bin überglücklich“ und „das war ein perfekter Tag“. Aber das war nicht weiter schlimm, die besten Antworten auf Fragen, die sich Bobadilla wohl auch selbst zuvor stellte, hatte er schon während des begeisternden 4:3-Sieges über Werder Bremen gegeben.

„Stürmer sind ja sehr eigen“

Michael Frontzeck, sein Trainer, deutete an, wie sehr es in dem kleinen, bulligen Stürmer mit den eintätowierten Konterfeis seiner Eltern auf der Brust gebrodelt haben muss, nachdem er seit dem vierten Spieltag auf sein zweites Bundesligator gewartet hat. Ein Stürmer, den die Borussia für teures Geld vom Grasshopper-Club Zürich erstanden hat und der nicht trifft, wirft Fragen auf. Ist er eine hohe Ablöse wert? Kann er der Mannschaft weiterhelfen? „Er hat sich massiv unter Druck gesetzt, weil er nicht getroffen hat“, erklärt Frontzeck, „Stürmer sind ja sehr eigen und meinen, ein Spiel besteht nur aus Toreschießen. Das war jetzt ein toller Schritt für ihn.“ Rückendeckung genoss Bobadilla, der als Jugendlicher bei den Boca Juniors aus dem Verein flog und 2006 bei einem Jugendturnier nahe Mailand entdeckt wurde, trotz der Torflaute auch innerhalb des Teams. „Die Leute haben schon angefangen zu erzählen, von wegen vier Millionen und nur ein Tor“, war sein Kapitän Tobias Levels begeistert, „ich bin froh, dass er denen einen Maulkorb verpasst hat.“

Den Bremern war schon nach 20 Minuten Hören und Sagen vergangen, als auf der Anzeigentafel ein eindrucksvolles 3:0 stand. Die vier voran gegangenen Niederlagen scheinen bei den Spielern von Thomas Schaaf keinen Lerneffekt hinterlassen zu haben: Werders weit aufgerückte Abwehr ist seit Wochen ein Hühnerhaufen, in dem die ohnehin langsamen Innenverteidiger Per Mertesacker und Naldo ihrer Form hinterherlaufen und der tunesische Wintereinkauf Aymen Abdennour auf der linken Seite ein Loch nach dem anderen reißt. Wenn es die Vorgabe Michael Frontzecks war, mit pfeilschnellen Leuten wie Bobadilla und Marco Reus genau in diese Räume zu stoßen, so ist diese Taktik voll aufgegangen. Bobadilla entwischte kinderleicht dreimal über rechts, erst legte er Reus (5.) und Colautti (13.) vor, dann traf er selbst (18.). „Nahezu perfekt gekontert“, war Frontzeck zufrieden. 16 ihrer 25 Punkte holten die Gladbacher gegen Mannschaften, die über ihnen stehen. Max Eberl, Sportdirektor des Tabellenzwölften, betonte aber: „Wichtiger ist, dass wir acht Punkt Vorsprung auf Hannover haben.“ In der Tat ein beruhigendes Polster auf den Relegationsplatz.

Bremer Ratlosigkeit

Die Gäste, die über 90 Minuten Spielzeit doppelt so viel Ballbesitz hatten wie die Gladbacher, machten dennoch immer den Eindruck, zurückschlagen zu können – noch berühmter als für seine defensiven Unzulänglichkeiten ist Bremen ja für seine Offensivkraft. Werders Aufholjagd mit Treffern von Mesut Özil (26.), Claudio Pizarro (40.) und Torsten Frings (85., Foulelfmeter) unterbrach Bobadilla jedoch mit dem entscheidenden 4:1 (35.). Für Bremen wird die Lage dadurch immer prekärer, auch der Trainer scheint nach dem Debakel am Niederrhein keinen Ausweg zu sehen. „Wenn es ja nur einer gewesen wäre“, antwortete Schaaf auf die Frage, warum er sein Personal nicht frühzeitig ausgetauscht habe, „aber es waren ja fast alle.“