Gladbach-Fans feiern Traore - kein Groll gegen Lienen

Ibrahima Traore drehte gegen St. Pauli im DFB-Pokal auf.
Ibrahima Traore drehte gegen St. Pauli im DFB-Pokal auf.
Foto: imago
Erst als Ibrahima Traoré Fahrt aufnehmen konnte, wurde Borussia Mönchengladbach im Pokalspiel beim FC St. Pauli gefährlich. Der Flügelflitzer war einer von Gladbachs Matchwinnern.

Hamburg. Ibrahima Traoré ist ein verrückter Vogel. Der Flügelflitzer von Borussia Mönchengladbach ist der Gute-Laune-Macher des Bundesligisten, er ist der Modefreak im Team und zudem ist er am Montagabend einer der Matchwinner der Borussia. Zusammen mit Neuzugang Lars Stindl sorgte der 27-Jährige für die Wende im Pokalspiel auf St. Pauli - ein Tor bereitete Traoré vor, eins schoss er selbst - mit Anlauf und technisch so stark, dass er sich mal wieder den Vergleich mit Bayern Münchens Star Arjen Robben gefallen lassen muss. "Das ist hart erarbeitet", lacht der Mann aus Guinea, der zu den Gewinner der Gladbacher Vorbereitung gehört.

Im ersten Pflichtspiel der Saison tat sich das Team vom Niederrhein allerdings 45 Minuten lang sehr schwer gegen clever spielenden Hamburger. "Wir waren einfach nicht gut und haben nicht unseren Fußball gespielt", erklärte Traoré. In der Kabine sei es ruhig gewesen; keine Spur von Resignation. "Wir haben unsere Qualität und wir wussten, wenn wir unser Spiel mit Tempo spielen, werden wir die Partie drehen." Dafür habe ein Fußballspiel zwei Halbzeiten. All das, was der Champions-League-Teilnehmer noch im ersten Abschnitt hat vermissen lassen, zeigte die Borussia in Hälfte zwei. Angeführt von Ibrahima Traoré.

Lienen ärgert sich über Gegentore

"Obwohl wir hinten kompakt standen, haben wir kurz nach dem Wiederanpfiff drei Gegentore gefangen", ärgerte sich Ewald Linien, Trainer des Kiezklubs. Man habe gemerkt, dass es das erste Pflichtspiel der Gladbacher sei. Nach der Pause haben sich seine Mannschaft überraschen lassen von dem Tempo der Borussia. "Traoré konnte zweimal anlaufen und wenn so ein Spieler erstmal Tempo aufgenommen hat und ins Eins-gegen-eins kommt, ist man nur zweiter Sieger", so der Coach.

Lobende Worte Ausgerechnet von Lienen für Traoré? Was wurde nicht alles geschrieben im März diesen Jahres, als der einstige Gladbach-Trainer bei einem Testspiel gegen die Borussia des Platzes verwiesen wurde. Lienen beschimpfte den gegnerischen Flügelflitzer nach einem unnötig harten Einsteigen gegen Daniel Buballa, gestand, "eine sozial unverträgliche Vokabel gebraucht" zu haben. Vergeben und vergessen. Im Taumel des Triumphs sagte Traoré: "Ich habe ihm nach dem Spiel die Hand gegeben - aus Respekt. Für mich war das kein Thema mehr und ich habe auch nicht mein Tor bewusst gegen ihn geschossen. Wir haben kein Wort darüber verloren, das ist Journalisten-Sache", lachte der Matchwinner.

Traore: "Habe gemerkt, dass die Fans meine Qualitäten erkannt haben"

Die gut 3.500 mitgereisten Gladbacher Anhänger feierten ihren Pokalhelden und intonierten Minuten lang "Ibooooo, Ibooooo Traoréeeee". "Ein guter Moment", freute sich der Profi. Davon träume man. "Ich habe vom ersten Moment, als ich nach Gladbach gekommen bin, gemerkt, dass die Fans meine Qualitäten erkannt haben und mich mögen." Das wolle er natürlich mit Leistung zurückgeben. Das ist bei dem Angebot auf Borussias Flügeln zwingend notwendig für den Nationalspieler Guineas. "Ich muss effektiver werden, wenn ich in Konkurrenz zu Patrick Herrmann stehen möchte." In der Vorbereitung habe das schon ganz gut geklappt, im Pokal nun auch. "Jeder wird wichtig sein und muss seine Chancen nutzen", weiß Traoré.

Und Samstag in Dortmund? "Das wird ein ganz anderes Spiel", weiß Traoré. Dort könne sich Gladbach aber nicht erlauben, eine Halbzeit zu verschlafen. "Ich hoffe, dass wir dort ganz anders auftreten."