Eberl will mit Gladbach Kontinuität

Artur vom Stein
Max Eberl (l.) mit Trainer Lucien Favre und Vize-Präsident Rainer Bonhof. Foto: dapd
Max Eberl (l.) mit Trainer Lucien Favre und Vize-Präsident Rainer Bonhof. Foto: dapd

Gladbach. Strich drunter. Die vergangene Zittersaison ist nur noch Geschichte. Jetzt sollen die Zeiten wieder besser werden für Borussia Mönchengladbach. Sportdirektor Max Eberl will und kann zwar nichts versprechen, er predigt weiter den Weg der kleinen Schritte, doch er ist überzeugt, in die richtige Richtung zu gehen: „Wir haben keine Stammspieler verloren und die Qualität des Kaders gesteigert“, so der 37-jährige im Interview.

Wissen Sie noch, was Sie am Abend nach der Jahreshauptversammlung gemacht haben, als der Klassenerhalt geschafft war und Stefan Effenberg die Flucht ergriffen hatte? Gab’s im Hause Eberl auf dem Sofa ein Fläschchen Champagner?

Max Eberl: Ich bin mit meiner Frau zu sehr guten Freunden gefahren und habe mir dort, obwohl ich eigentlich kaum Alkohol trinke, ein Bier gegönnt. Und das hat auch richtig gut geschmeckt.

An diesem Tag dürfte mächtig Druck von Ihnen abgefallen sein?

Eberl: Ich bin ein halbes Jahr am Anschlag gelaufen. Wie stark ich unter Druck stand, habe ich erst nach dem Spiel in Bochum gemerkt, wo wir doch was Großes geschafft haben mit dem Klassenerhalt. Trotzdem konnte ich mich gar nicht richtig freuen, weil ich sofort wieder die kommende Mitgliederversammlung im Kopf hatte. Es war Stress pur.

Hatte diese Zeit auch positive Aspekte?

Eberl: Es war nicht nur alles grau und traurig. Es gab auch viele schöne Momente. Ich habe viele Freunde kennen gelernt, aber auch verloren. Es war eine lehrreiche Zeit. Die Erfahrungen der letzten sechs Monate haben mich als Mensch jedenfalls geprägt.

Was meinen Sie? Sind Sie misstrauischer geworden?

Eberl: Eigentlich nicht. Aber ich schaue mir die Leute genauer an und versuche, mich nicht mehr von vermeintlichen Kleinigkeiten aus der Bahn werfen zu lassen. Ich versuche, mich auf das Wichtige zu konzentrieren, auf das, was ich wirklich beeinflussen kann. Wir versuchen, das zu bewältigen, was wir können, nämlich den sportlichen Erfolg zu schaffen. Und natürlich wollen wir in einem zweiten Schritt unsere Meinung und unsere Pläne auch öffentlich darlegen können. Diese Transparenz ist uns wichtig.

Welche Fehler haben Sie gemacht, die Sie nicht mehr wiederholen würden?

Eberl: Vielleicht war es ein Fehler, zu sehr auf Dinge einzugehen, die von außen auf einen einprasseln. Vielleicht muss ich Entscheidungen noch mehr abwägen. Natürlich hole ich mir von erfahrenen Wegbegleitern ihre Meinung ein, aber am Ende ist wichtig, dass man seinen Weg weitergeht, von dem man überzeugt ist. Ich treffe Entscheidungen nicht aus Kontinuitätsgründen, nein, ich versuche Entscheidungen zu treffen, die das Beste für den Verein sind. Um nichts anderes geht es.

Erfahrene Wegbegleiter sind Lucien Favre, Steffen Korell oder Rainer Bonhof, warum braucht der Klub jetzt auch noch Hans Meyer im Präsidium?

Eberl: Ich denke, dass er dem Verein ein weiteres Gesicht gibt. Er hat uns immer geholfen, er hat unbestritten Kompetenz, und ich denke, dass Borussia davon nur profitieren kann. Einen wie ihn hätten viele Klubs gerne als Berater.

Man könnte auch denken: Ein cleverer Schachzug. So können Leute wie Stefan Effenberg oder Günter Netzer nicht mehr behaupten, dem Klub fehle es an Kompetenz.

Eberl: Meine Kompetenz wurde infrage gestellt, ich wurde von Persönlichkeiten stark attackiert, ohne dass diese Persönlichkeiten mich kennen. Mit Favre, Korell, Bonhof und meiner Wenigkeit ist natürlich Kompetenz da, aber man kann ja nie genug davon haben. Und Hans Meyer ist eine Koryphäe.

Es gibt offenbar noch viel zu tun. Im Moment sieht es trotz der Verpflichtung von Yuki Otsu so aus, als sei der Kader noch eine Baustelle.

Eberl: Es gibt viele Dinge, die sich noch ergeben können bis zum Ende der Transferperiode. Fakt ist aber, das Grundgerüst des Kaders steht. Wir haben keinen Stammspieler verloren, und wir haben Qualität gewonnen. Oscar Wendt hat internationale Erfahrung, und Matthias Zimmermann, Mathew Leckie und Lukas Rupp sind alles Jugend-Nationalspieler, die eine gewisse Qualität haben. Somit haben wir den Kader von der Konkurrenzsituation weiter gestärkt. Das wollten wir.

Ist Borussia so klamm, dass ein Verkauf von Michael Bradley noch realisiert werden muss, um dem Trainer-Wunsch nach hochwertigen Verstärkungen nachkommen zu können?

Eberl: Wir sind gesund, aber nicht reich. Wir haben Qualität geholt, aber wir können keine großen Sprünge machen. Natürlich könnten wir Marco Reus für 20 Millionen verkaufen, aber das wollen wir nicht. Und dass man Möglichkeiten bekommt, wenn man einen Bradley-Verkauf tätigt, ist klar. So ist das fast überall, das ist nur marktüblich.

Wie sieht’s aktuell mit Dante aus? Auf der Jahreshauptversammlung haben Sie versprochen, dass er auf jeden Fall bleibt.

Eberl: Dafür stehe ich. Er hat vor einem Jahr verlängert, wissend, dass wir den Weg der kleinen Schritte gehen wollen. Wir wollen keinen Stammspieler abgeben, dafür werde ich kämpfen.

Wie sicher sind Sie, dass den Gladbacher Fans eine Zittersaison wie die vergangene erspart bleibt?

Eberl: Sicherheit gibt’s in der Fußball-Bundesliga nicht. Selbst große Vereine wie Bremen, Stuttgart oder Bayern hatten vergangene Saison mächtig Probleme. Ich bin überzeugt, dass wir unter normalen Umständen eine Mannschaft haben, die um Platz zehn, elf, zwölf mitspielen kann. Trotzdem kann ich nichts versprechen. Ich bin Realist, ich bin kein Träumer, ich verkaufe keine Dinge, die sehr schwer zu erreichen sind.

Sie predigen also weiter den Weg der kleinen Schritte...

Eberl: Ich bin kein Mensch der Stagnation, kein Mensch, der zufrieden ist mit dem, was ich erreicht habe. Ich will immer weiter, ich will immer mehr. Trotzdem wird der Weg der kleinen Schritte unser Weg bleiben.

Mit einem Trainer wie Lucien Favre, der möglichst viele Jahre bei der Borussia bleiben soll?

Eberl: Er ist ein Trainer, der mit jungen Spielern arbeiten kann, der akribisch an Details arbeitet, der es immer hinkriegt, eine gute Struktur auf den Platz zu bringen. Das wussten wir. Trotzdem sind wir scharf kritisiert worden, dass wir Lucien Favre für zweieinhalb Jahre einen Vertrag gegeben haben. Doch mein Traum von Kontinuität heißt, möglichst lange mit einem Trainer zusammen arbeiten zu wollen, und ein Trainer wird von mir, oder von uns im Verein, unterstützt, bis es nicht mehr geht. Weil ich überzeugt bin, dass eine Nachhaltigkeit wesentlich erfolgbringender ist als dieses ständige Wechseln von Trainern.