Der Schweiß fließt in Strömen - Uwe Kamps "quält" Gladbachs Torhüter

David Nienhaus
Mit Medizinbällen den Oberkörper stärken: Gladbach-Keeper Christofer Heimeroth schwitzt im Training von "Quälix Uwe Kamps".
Mit Medizinbällen den Oberkörper stärken: Gladbach-Keeper Christofer Heimeroth schwitzt im Training von "Quälix Uwe Kamps".
Foto: WNM
Uwe Kamps ist bei Borussia Mönchengladbach als Trainer für die Torhüter zuständig. Im Trainingslager am Tegernsee lässt er seine Keeper hart schuften.

Rottach-Egern. "Was macht der Uwe denn mit unseren Torhütern die ganze Zeit", fragt ein Fan von Borussia Mönchengladbach im Trainingslager am Tegernsee. Während die Feldspieler unter der Leitung von Trainer Lucien Favre Automatismen einstudieren, immer und immer wieder, beschäftigt Torwarttrainer Uwe Kamps die Schlussleute des Bundesligisten auf einem Nebenplatz.

Wobei das Wort "beschäftigt" die Situation wohl nicht treffend beschreibt. "Quälix Kamps" sagt ein Journalist. Treffer. Medizinbälle, unzählige Stangen und dicke Seile, so genannte "Ropes" liegen neben dem Tor, in dem drei abgekämpfte Männer stehen. Yann Sommer, Christofer Heimeroth und Neuzugang Tobias Sippel steht die Anstrengung ins Gesicht geschrieben.

Der neuste Hit im Athletiktraining der Gladbacher

"Wir Keeper brauchen mehr Kraft im Oberkörper und der Grundstein dafür wird hier im Trainingslager gelegt", erklärt Sippel, der als zweiter Torwart vom 1. FC Kaiserlautern geholt wurde.

Die Übung mit den dicken, stabilen Seilen, die die Profis mit ihren Armen in Wellenbewegungen bringen müssen, ist der neue Hit im Athletiktraining. Rumpf, Arme und Schultern werden gelenkschonend beansprucht. "Nach dieser Einheit schickt uns Uwe noch direkt ins Tor, damit wir bloß die Arme hochbekommen", erklärt der 27-Jährige mit schmerzverzehrtem Gesicht. "Megaanstrengend", fällt dem Schweizer Nationaltorwart Sommer dazu ein.

Neben den Ropes und den Medizinbällen steht Kamps noch eine weitere Neuerung zur Verfügung. Eine Ballmaschine haut den Torhütern die Bälle um die Ohren. "Wir haben die jetzt zum ersten Mal in Training mit eingebaut", so Sippel. Das könne man mal ausprobieren, allerdings ersetze das nicht ein komplettes Spielerprofil. "Wir als Torhüter gucken natürlich auf den Spieler, versuchen seine Bewegungen zu lesen, wie er läuft, wie er steht, wann er ausholt", sagt Sippel und Sommer ergänzt: "Deshalb macht es wenig Sinn, täglich damit zu arbeiten, aber um ab und an neue Trainings-Impulse zu setzen, ist es eine sehr gute Sache."

Neuzugang Sippel hat bei Gladbach "riesigen Spaß"

Sommer, Sippel und Heimeroth wollen in der kommenden Saison den Kasten der Borussia möglichst immer sauber halten. In der abgelaufenen Spielzeit verdiente sich die Schweizer Nummer eins Bestnoten. Jetzt soll Sippel ihm Druck machen im Kampf um den Platz im Tor - wobei die Karten aber klar verteilt sind. "Ich bin mit dem Gedanken, die Nummer zwei zu sein, zur Borussia gewechselt", sagt Sippel, "und ich werde versuchen, Yann zu pushen."

Der Profi kommt aus der berühmten Torwartschule von Gerry Ehrmann und weiß um die Unterschiede zu seinem neuen Torwarttrainer: "Bei Gerry ging es besonders um Kraft und Intensität", so der 27-Jährige. Bei Gladbach sei die Abwechslung mit Stabilisationstraining und anderen Einheiten größer. Auch verlange Kamps, dass er fußballerisch an sich arbeite. "Das macht einen riesigen Spaß."

So viel Spaß, dass sie manchmal nur ein paar Minuten mit den Feldspielern gemeinsam auf einem Platz stehen. So lange "Quälix Kamps" seine Torleute fit macht, stellt sich dann eben Abwehrspieler Tony Jantschke auf die Linie. Oder André Hahn.