BVB demontiert Gladbach - Borussia ohne Chance in Dortmund

David Nienhaus
Hat nach dem 0:4 jede Menge Aufbauarbeit zu leisten: Fohlen-Coach Lucien Favre.
Hat nach dem 0:4 jede Menge Aufbauarbeit zu leisten: Fohlen-Coach Lucien Favre.
Foto: dpa
So hatte sich Borussia Mönchengladbach den Saisonauftakt nicht vorgestellt. Der Champions-League-Teilnehmer kommt beim BVB mit 0:4 unter die Räder.

Dortmund. So wenig Kontrolle über ein Spiel hatte Borussia Mönchengladbach unter Trainer Lucien Favre schon lange nicht mehr. Torwart Yann Sommer sagte nach dem Spiel am Samstagabend beim Liga-Konkurrenten aus Dortmund: "Das war heute ein Klassenunterschied, eine Lehrstunde für uns."

Man muss lange in den Archiven der vergangenen Spielzeit suchen, um so einen schwachen Auftritt der Elf vom Niederrhein wie beim 0:4 in Dortmund zu finden. Und man wird in Dortmund landen. Wieder in Dortmund. Damals, in der Krisensaison des BVB. Bei der 0:1-Niederlage im ehemaligen Westfalenstadion erwischte Gladbach Anfang November des letzten Jahres auch einen schlechten Tag - und die Namenscousine einen guten.

Entschied damals Christoph Kramer - mittlerweile wieder bei Bayer Leverkusen - die Partie mit einem spektakulären 45-Meter-Eigentor, erledigte der BVB das im ersten Topspiel der neuen Saison ohne fremde Hilfe - und wie. Von der ersten Minute an dominierte der Gastgeber die Begegnung, presst aggressiv und unheimlich hoch. Gladbach stand tief und wollte aus der kontrollierten Defensive geduldig nach vorne spielen. Eigentlich. Allein: die Kontrolle fehlte. Die rheinische Borussia spielte zu passiv, ideenlos und schaffte es zu selten, sich überhaupt ins Mittelfeld zu kombinieren. Weg vom eigenen Tor.

Schon nach 33 Minuten war die Partie gelaufen

Thomas Tuchel sagte vor der Partie, "wir fühlen uns in der Lage, Gladbach sofort herauszufordern." Das Team sollte den neuen BVB-Trainer schon nach einer Viertelstunde bestätigen. Mit schnellem und sicheren Passspiel und der hervorragenden Spieleröffnung von Weltmeister Mats Hummels hebelten die Hausherren die Abwehr des Gegners aus.

Hummels, Shinji Kagawa, Marco Reus. 1:0;

Hummels, Marcel Schmelzer, Pierre-Emerick Aubameyang. 2:0;

Ilkay Gündogan, Aubameyang, Henrikh Mkhitaryan. 3:0.

"Ich bin vor allem enttäuscht, weil wir uns heute nicht gegenseitig geholfen haben", befand Gladbachs Tony Jantschke nach dem Spiel. Dortmund spielte grandios, Mönchengladbach war ein Schatten seiner selbst. Schon nach 33 Minuten war die Partie gelaufen und der Saisonstart des Champions-League-Teilnehmers tüchtig in die Hose gegangen.

Nicht nur die blutjunge Innenverteidigung hatte Schuld

Die Fehleranalyse wird Lucien Favre und sein Trainerteam lange beschäftigen. Schuld an der Demontage war nicht nur das blutjunge Innenverteidigerpärchen mit Marvin Schulz und Andreas Christensen. Den Gästen fehlte es in allen Mannschaftsteilen an Kompaktheit, Passsicherheit und Ideen, sich aus der Umklammerung des BVB zu lösen. Gegen die wiedererstarkte Namenscousine sah Gladbach zum Auftakt keinen Stich. Wie damals, im November 2014 - nur noch schlechter.

Favre, der sehr zufrieden mit der Vorbereitung seines Team war und so locker wirkte, wie selten zuvor, muss vor dem Spiel gegen den FSV Mainz 05 (Sonntag, ab 17.30 Uhr in unserem Live-Ticker) wohl in erster Linie psychologische Aufbauarbeit leisten. Und einige Stellschrauben drehen.