Borussia Mönchengladbach kommt aus der Balance

Daniel Theweleit
Produziert im Moment folgenschwere Fehler: Gladbach-Kapitän Granit Xhaka.
Produziert im Moment folgenschwere Fehler: Gladbach-Kapitän Granit Xhaka.
Foto: imago
Beim DFB-Pokal-Aus gegen Werder Bremen setzte sich der Negativtrend von Borussia Mönchengladbach fort. Symptomatisch ist Granit Xhakas Entwicklung.

Mönchengladbach. André Schubert sorgte schon mal vor, als die erste kleine Krise seiner Amtszeit nach dem 3:4 (1:1) gegen Werder Bremen im DFB-Pokal klare Konturen angenommen hatte. Nein, auch ein weiterer Misserfolg am kommenden Sonntag gegen Fußball-Bundesliga-Aufsteiger Darmstadt 98 würde den unglaublichen Herbst von Borussia Mönchengladbach nicht entzaubern, erklärte der Trainer des Niederrhein-Klubs. „Wir haben nach 16 Spieltagen 26 Punkte, vor einem Jahr hatten wir nach 17 Spieltagen 27, wenn man die ersten fünf Spieltage bedenkt, haben wir also einiges aufgeholt.“

Die Vorsaison gilt nach wie vor als großer Höhepunkt des Gladbacher Aufstiegs. Schubert bleibt demnach der Zauberer, der einen verunsicherten Tabellenletzten in ein Spitzenteam verwandelte. Und dennoch wird die kleine Misserfolgserie, die bei Manchester City (2:4) begann und in Leverkusen (0:5) fortgesetzt wurde, mit dem 3:4 gegen Bremen so langsam zu einem Trend. Zumal in diesen drei Partien 13 Gegentore gefallen sind.

Nachdem in den ersten Wochen der Euphorie im Anschluss an den Rücktritt des Trainers Lucien Favre eine Art sorgenfreier Ausnahmezustand geherrscht hat, treten nun ein paar Probleme hervor, die lange nicht zu sehen waren. Grundsätzlich bewege die Borussia sich mit ihrer offensiven Grundhaltung „auf einem schmalen Grat“, sagte Schubert. Zuletzt sei aber ein wenig „die Balance“ verloren gegangen. Nach Rückständen reagiere das Team mitunter kopflos. „Zu wild, nicht ruhig genug nach vorn“, habe sein Team vor allem nach Claudio Pizarros Treffer zum vorentscheidenden 2:3 gespielt, monierte Trainer Schubert. „Bei aller Offensive müssen wir etwas kontrollierter nach hinten agieren.“

Dass Granit Xhaka, der Kapitän, vor diesem Treffer zu viel Risiko einging, einen Ballverlust produzierte und den Bremern so endgültig den Weg zum Sieg ebnete, ist symptomatisch für die jüngste Entwicklung. Xhaka spielte in den Wochen des Aufschwungs brillant, mancher Beobachter wähnte den Schweizer auf dem direkten Weg in die Weltklasse und damit wohl auch zu einem größeren Klub. Jetzt, wo es schlechter läuft, produziert Xhaka folgenschwere Fehler.

Gladbach wirkt erschöpft und kopflos

Die Gladbacher haben sich in dieser Hinrunde zu einem Team der Extreme entwickelt. Sie schwanken zwischen finsterer Tristesse (Spieltage 1 bis 5), für die Champions League würdigem Spitzenfußball (Spieltage 6 bis 15) und einer bedenklichen Gegentorflut in den drei jüngsten Partien.

„Die Jungs sind Menschen. Bei den Belastungen, die sie abrufen, passiert das eben mal“, versuchte Schubert, die vielen Fehler und die Kopflosigkeit zu erklären. Tatsächlich wirken einige Spieler nach einem Halbjahr in drei Wettbewerben erschöpft. Hinzu kommt, dass Schuberts Versuche, weniger stark beanspruchte Leute einzubauen, nicht richtig funktionierten.

In Leverkusen waren Tony Jantschke und Josip Drmic ins Team gerückt, was half. Gegen die Bremer erhielt Thorgan Hazard die Möglichkeit, sich in der Startelf zu präsentieren. Und tatsächlich war der Belgier immer wieder gefährlich. Aber er vergab drei, vier wunderbare Torgelegenheiten, er allein hätte dieser Partie eine ganz andere Richtung geben können.

Wohl auch unter diesem Eindruck kündigte Sportdirektor Max Eberl an, in der Winterpause neue Spieler verpflichten zu wollen. „Wir werden versuchen, dem Kader das zuzuführen, von dem wir glauben, dass es hilft“, erklärte er. Dämpfte aber die Hoffnung auf einen ganz großen Transfercoup: „Der Winter ist nicht die beste Zeit, das macht die Aufgabe nicht leichter.“

Vieles erleichtern würde allerdings ein Sieg gegen Darmstadt 98. Mit einem Erfolg gegen den Aufsteiger ließe sich nämlich verhindern, dass das Gefühl des Abwärtstrends die Mönchengladbacher Winterpause prägt.